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Sicherheit im Bahnverkehr: Sand im Bahn-Getriebe

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Sand auf den Gleisen sollte bisher für mehr Sicherheit sorgen - doch es könnte das Gegenteil der Fall sein.
Sand auf den Gleisen sollte bisher für mehr Sicherheit sorgen - doch es könnte das Gegenteil der Fall sein.
Foto: dpa

Die Deutsche Bahn streut Sand auf die Schienen, damit die Räder bei nassem Wetter nicht durchdrehen können. Eine seit Jahrzehnten bewährte Technik - die jetzt in Verruf gerät.

Es mutet an wie eine Technologie aus längst vergangenen Zeiten: Um die Züge schneller zum Stehen zu bringen, haben sie Sand an Bord. Der wird vor allem bei nassem Wetter auf die Schienen gestreut, damit die Räder nicht durchdrehen können. Das gilt für den ICE genauso wie für den Nahverkehrszüge, U-Bahn, Straßenbahn oder Güterloks. Eine seit Jahrzehnten bewährte Technik: einfach, praktisch, gut.

Doch nun ist der Sand in Verruf geraten. Völlig überraschend hat das Eisenbahnbundesamt (EBA) in einer aktuellen Verordnung die Bahnbetreiber in Deutschland angewiesen, auf eingleisigen Strecken und bei bestimmten Kurzzügen im Nahverkehr auf den Einsatz von Bremssand zu verzichten. Nur im Notfall dürfe er eingesetzt werden. Offensichtlich kann der Sand die Gleis-Signaltechnik beeinflussen und tödliche Unfälle verursachen.

Hintergrund ist ein schwerer Unfall, der bereits vier Jahre zurückliegt. An einem Novembermorgen im Jahr 2008 war ein Kohlezug der Ruhrkohle AG im Revierbahnhof Recklinghausen Ost mit Tempo 80 in eine stehende Rangierlok gerast. Zwei Lokführer wurden schwer verletzt. Als Grund wurde zuerst menschliches Versagen angegeben.

Überprüfung ergibt andere Ursache

Erst später ergab die detaillierte Überprüfung eine andere Ursache: Der Einsatz des Zugsandes auf dem Gleis hatte die elektronische Gleis-Signalanlage gestört. Die ist vor allem auf eingleisigen Abschnitten von Bedeutung, weil sie dem Fahrer anzeigt, ob sich noch ein weiterer Zug auf demselben Gleis befindet. Im Fall von Recklinghausen hatte die Signalanlage den Abschnitt irrtümlicherweise als frei gemeldet, offenbar weil sie durch zu viel Sand auf den Gleisen gestört wurde.

Schon damals reagierte die Behörde und untersagte das sogenannte Sanden einzelner Triebfahrzeuge. Jetzt wurde das Verbot ausgeweitet. Denn weitere Studien haben ergeben, dass Recklinghausen offenbar kein Einzelfall war – für das EBA ein klarer Auftrag zum Handeln. Es warnte die Bahnen zugleich: „Bei einem mit Reisenden besetzten Zug ist bei einem solchen Ereignis mit einer Vielzahl von Toten und Verletzten zu rechnen.“

Bahn: Sicherheit ist gewährleistet

Die Deutsche Bahn hat die neue Anordnung postwendend umgesetzt, sagte ein Sprecher am Donnerstag. Die Fahrpläne würden deshalb nicht durcheinandergewirbelt. Die Sicherheit von Reisenden sei gewährleistet. Die Bahn setze ohnehin nur selten Sand ein. Viele Züge hätten inzwischen eine Magnetschienenbremse, mit der das Sanden praktisch überflüssig werde.

So viel Einsicht gab es in der jüngsten Vergangenheit nicht immer bei den Entscheidungen der obersten Aufsichtsbehörde. Sie wurden oft als zu streng und überzogen kritisiert, vor allem wenn es um zusätzliche Zulassungskriterien bei Zügen ging. Doch letztlich gibt die Statistik dem Eisenbahnbundesamt recht: Kein Verkehrsmittel ist in Deutschland so sicher wie die Bahn. Nach einer Untersuchung des Bündnisses Allianz pro Schiene gehen Autofahrer ein 100-mal höheres Risiko ein zu verunglücken, als wenn sie den Zug nehmen würden. Busfahren sei 30-mal gefährlicher.

Auch wenn es noch nicht definitiv geklärt ist, ob Sand auf Gleisen so gefährlich ist, hat das EBA richtig gehandelt: Sicher ist sicher.

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