Chinesische Solarfirmen sichern sich deutsche Technik zum Schnäppchenpreis. Wie am Montag bekannt wurde, übernimmt erstmals ein chinesischer Solarriese einen deutschen Konkurrenten. LDK Solar beteiligt sich mit 33 Prozent an Sunways aus Konstanz. Den Aktionären wird ein Übernahmeangebot gemacht, das ein Viertel über dem bisherigen Aktienkurs liegt. Sunways würde, wenn alle Aktionäre verkaufen, nur 20 Millionen Euro kosten.
Die Übernahme illustriert bestens die Kräfteverhältnisse in der Solarindustrie. Die 1993 gegründete Sunways baut gute Wechselrichter, mit denen Solarstrom netztauglich gemacht wird, und leistungsstarke Spezialmodule. Doch Sunways ist mit 344 Mitarbeitern ein Winzling geblieben.
LDK dagegen wurde vor sechs Jahren gegründet und ist schon jetzt weltgrößter Produzent von Solarwafern, dem Vorprodukt der Solarzellen. Billige Kredite von Chinas Staatsbanken – mehr als drei Milliarden Dollar – machten es möglich, ohne viel Erfahrung einen Solargiganten zu schaffen, der mehr als 27 000 Mitarbeiter beschäftigt.
Eines jedoch eint beide Unternehmen: Sie verbrennen im Augenblick – wie viele Solarfirmen – Geld, weil die Preise durch ein weltweites Überangebot in den Keller gefallen sind. Sunways drohte dadurch sogar das Aus. LDK dagegen muss sich keine Sorgen machen: Es hat quasi-staatliche Kreditlinien von rund acht Milliarden Dollar zur Verfügung, wird von der chinesischen Regierung als unverzichtbar betrachtet.
Wie geht es nun weiter? LDK wird Sunways wohl technologisch ausplündern, während neue Produktionsstätten in China entstehen. Die Deutschen können nur darauf hoffen, dass Sunways in Deutschland wenigstens als Markenname, als Vertriebsarm und womöglich auch als Technik-Standort erhalten wird.
Gut möglich, dass die Sunways-Übernahme der Startschuss zum Ausverkauf ist. Für die deutsche Industriepolitik wäre das eine herbe Niederlage. Kein Land hat die Solartechnik so teuer gefördert wie Deutschland – mit dem Ziel, der deutschen Photovoltaikindustrie einen Vorsprung zu verschaffen. Doch die Förderung stand und steht auch chinesischen Lieferanten offen. Die Sunways-Übernahme zeigt: In China ist inzwischen das globale Photovoltaik-Kraftzentrum – weitgehend finanziert von Deutschlands Stromverbrauchern.

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