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Spekulation mit Nahrungsmitteln: Allianz zockt weiter mit Nahrung

Der Versicherungskonzern rechtfertigt seine Investitionen in Agrarrohstoffe.

Der Versicherungskonzern rechtfertigt seine Investitionen in Agrarrohstoffe.

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REUTERS

Ein Jahr ist es her, dass die Hilfsorganisation Oxfam deutsche und internationale Finanzkonzerne wegen angeblich preistreibender Spekulation mit Nahrungsmitteln an den Pranger gestellt hat. Bei einigen Konzernen hat das Wirkung gezeigt. Hierzulande haben seitdem Deka, Commerzbank und die Landesbanken aus Baden-Württemberg sowie aus Berlin derartige Geschäfte eingestellt, zählt Oxfam-Koordinatorin Svenja Koch auf. Auf europäischer Ebene kommen die Credit Agricole-Tochter Amunidi, BNP Paribas, Credit Suisse, die Österreichischen Volksbanken und die skandinavische Nordea dazu. Barclays hat seinen Ausstieg angekündigt. Unter den Versicherern haben sich Volkswohlbund, Transparente und Oeco Capital von den umstrittenen Geschäften verabschiedet.

„Aber an die Großen sind wir nicht rangekommen“, bedauert Koch. Das ist noch vor der Deutschen Bank, die laut Oxfam voriges Jahr rund 3,7 Milliarden Euro in Fonds für Agrarrohstoffe stecken hatte, vor allem die Allianz. Etwa 6,7 Milliarden Euro habe der Versicherer über fünf Fonds angelegt, sagt Oxfam.

"Preisausschläge verstärkt"

Diese Summe sei zwar in der Dimension richtig, heißt es beim Versicherer. Dessen Chef Micheal Diekmann rechtfertigt das Engagement aber damit, dass die Fonds zum einen lediglich Wetten auf die künftige Preisentwicklung dieser als Basis für Nahrungsmittel taugenden Rohstoffe abschließen und nicht mit Weizen oder Soja selbst spekulieren. Wenn die Preise von Nahrungsmitteln dadurch überhaupt beeinflusst würden, dann im Sinne einer Glättung, wollen die Münchner nach einer genauen Analyse des eigenen Tuns herausgefunden haben. Eine Verknappung oder Verteuerung von Nahrungsmitteln sei nicht die Folge.

Dem widerspricht Oxfam und beruft sich dabei ausgerechnet auf zwei interne Dokumente der Allianz aus den Jahren 2008 und 2012. „Die Preisausschläge an den Agrarmärkten wurden durch spekulative Faktoren nicht ausgelöst, aber verstärkt, zumal es sich um relativ enge Märkte handelt“, schrieb 2008 die damalige Allianz-Rohstoffexpertin Ingrid Angermann.

Interne Papiere belasten Allianz

Eine derart verstärkende Wirkung haben vier Jahre später Kollegen in einem als „vertraulich, nur für den internen Gebrauch“ gekennzeichneten Papier festgestellt. Es sei nicht ganz von der Hand zu weisen, dass die Spekulation übermäßige Preisentwicklungen in beide Richtungen zumindest fördert. „Selbst wenn spekulative Kapitalströme nicht unbedingt der Auslöser für die Preisbewegungen der Jahre 2007 und 2008 waren, so ist es doch wahrscheinlich, dass sie die Preisentwicklung zumindest verstärkt haben“, stellen die Allianz-Experten im Juni 2012 klar.

Zumindest auf den ersten Blick gerät der Versicherungsriese damit in Bedrängnis. Die beiden Papiere würden sich aber nicht auf Allianz-Geschäfte mit Agrarrohstoffen beziehen sondern auf die Marktmeinung hinsichtlich Nahrungsmittelspekulation allgemein, relativiert ein Allianz-Experte. Im eigenen Haus verfolge man dagegen einen sehr speziellen Investmentansatz, der Preisausschläge nach oben tendenziell dämpft, also für Landwirte und Verbraucher segensreich sei. Die Allianz-Fonds würden nämlich strategisch bei sinkenden Preisen einsteigen und bei steigenden Agrarpreisen wieder aus dem Markt gehen. „Wir sind Risikopartner der Landwirte“, heißt es beim Versicherer, der sich zu unrecht von Oxfam kritisiert sieht. Deswegen steige man auch nicht aus den Geschäften aus.

Wenn die Preise von Agrarrohstoffen spekulationsbedingt abstürzen, könne das betroffene Kleinbauern in den Ruin treiben, kontert wiederum Oxfam. Zudem habe man den Konzern aufgefordert, Daten vorzulegen, die das eigene Anlegerverhalten belegen, sagt der Autor einer Oxfam-Studie zur Spekulation mit Agrarrohstoffen, David Hachfeld. „Das hat die Allianz verweigert, womit ihre Behauptungen nicht nachprüfbar sind“, kritisiert er und bleibt misstrauisch.