Das Problem haben viele Menschen in Deutschland, vor allem Einwohner großer Städte: Meist ist man mit öffentlichen Verkehrsmitteln, zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs. Doch es wäre schon praktisch, ein Auto für gelegentliche Fahrten zu haben – zum Beispiel zum Möbelhaus, für den sonntäglichen Ausflug ins Grüne oder zum Großeinkauf.
Für solch seltene Gelegenheiten lohnt sich der Kauf eines Autos aber meist nicht: Anschaffungskosten, Versicherung und Kfz-Steuer fallen auch dann an, wenn der Wagen fast nur herumsteht. Doch für Betroffene gibt es eine elegante Kompromisslösung: Carsharing. Das Prinzip: Viele Kunden teilen sich ein Auto und damit auch die Kosten. Seit einigen Jahren boomen Carsharing-Modelle in Deutschlands Metropolen. Die jährlichen Wachstumsraten für die Anbieter sind zweistellig. Das hat mittlerweile auch die Autohersteller selbst aufhorchen lassen: In einigen Großstädten wie Berlin und Frankfurt am Main bieten sie eigene Carsharing-Modelle an. Auch die Deutsche Bahn mischt in dem Geschäft kräftig mit.
Zu den wichtigsten Anbietern beim Carsharing zählen die Firmen Cambio, Flinkster, Greenwheels und Stadtmobil. Die größte Auswahl hat laut Finanztest in den meisten Städten Flinkster. Das ist das Carsharing-Angebot der Bahn. Die anderen Anbieter sind dafür aber häufig einen Tick günstiger. Bei einer Mietzeit von fünf Stunden muss mit Kosten zwischen 21 und 34 Euro gerechnet werden. Zu beachten ist auch, dass meist ein Monatsbeitrag anfällt.
Carsharing ist für Personen sinnvoll, die nicht regelmäßig ein Auto brauchen oder je nach Situation unterschiedliche Fahrzeuge benötigen. Je seltener jemand fährt, desto eher lohnt sich Carsharing als Alternative zum Eigenbesitz eines Autos. Als Faustregel gilt: Wer weniger als 10000 Kilometer pro Jahr zurücklegt, für den ist Carsharing sinnvoll.
Sinnvoll ist Carsharing vor allem für Nutzer, die den Wagen eher für kurze Strecken und nicht regelmäßig brauchen. Bei längeren Strecken ist möglicherweise ein Mietwagen günstiger. Vor allem über das Wochenende haben Mietwagenfirmen wie Hertz oder Sixt häufig sehr attraktive Angebote ohne Kilometerbeschränkung.
Für Kunden, die auf dem Land oder am Stadtrand leben, kommt Carsharing in der Regel nicht infrage, weil die nächste Abholstation meist weit entfernt ist. Aber auch Kunden, die in der Stadt leben, sollten zunächst prüfen, ob es eine Abholstation gibt, die für sie günstig gelegen ist. Interessenten sollten bei der Wahl des Anbieters zudem darauf achten, dass die Haftpflichtversicherung eine hohe Summe abdeckt. Sie sollte mindestens 50 Millionen Euro pauschal betragen.
Unterschiedliche Varianten
Die Zeitschrift Finanztest hat die unterschiedlichen Carsharing-Modelle nun einem intensiven Qualitätscheck unterzogen und kommt zu dem Ergebnis: Für Wenig- und Seltenfahrer ist Carsharing eine lohnende Alternative zum Besitz eines eigenen Wagens. Zudem profitiert davon auch die Umwelt: So schätzt der Bundesverband Carsharing (BCS), dass jedes Carsharing-Auto bis zu zehn private Pkw einspart.
Beim Carsharing gibt es indes unterschiedliche Varianten. Je nach dem individuellen Nutzungsverhalten sollte sich der Nutzer das für ihn passende Modell heraussuchen. So lohnt sich das klassische Carsharing in der Regel für Leute, die das Auto öfter benötigen. Hier zahlt der Kunde meist einen Monatsbeitrag. Außerdem ist in der Regel eine einmalige Aufnahmegebühr oder eine Kaution fällig. Die eigentliche Gebühr für das Auto besteht aus einem Zeitanteil und einem Kilometerpreis. Die Autos stehen meist an festen Stationen.
Beim spontanen Carsharing meldet sich der Kunde einmal an und kann jederzeit ein Auto in seiner Stadt mieten. Feste Stationen gibt es nicht. Das Auto wird innerhalb des Stadtgebietes einfach dort abgestellt, wo man es zuletzt benutzt hat. Suchen können die Kunden das Auto per Handy. Bezahlt wird nach Zeit, beim Anbieter DriveNow zum Beispiel liegt der Preis bei 29 Cent pro Fahrminute – Sprit inklusive. Das sieht zwar auf den ersten Blick nicht billig aus, Berechnungen des ADAC zufolge kostet der Kilometer beim eigenen Pkw – alle Kosten mit einberechnet – allerdings mindestens 40 Cent. Bei größeren Autos ist es deutlich mehr. Das spontane Carsharing-Modell wird übrigens unter anderem auch von Autoherstellern wie BMW oder Daimler angeboten.
Darüber hinaus gibt es noch den privaten Autotausch. Über Plattformen im Internet wie nachbarschaftsauto.de, tamyca.de oder rent-and-roll.de bieten Pkw-Besitzer ihren Wagen an, wenn sie ihn vorübergehend nicht benötigen. Den Preis legen sie selber fest. Kleinwagen sind dort schon ab 15 Euro pro Tag zu haben. Damit der Autohalter nicht auf dem Schaden sitzen bleibt, wenn der Mieter einen Unfall baut, können über solche Portale auch gleich entsprechende Versicherungen mitgebucht werden.
So kostet zum Beispiel bei nachbarschaftsauto.de der Haftpflicht- und Vollkaskoschutz für Pkw bis zum Alter von zehn Jahren 8,90 Euro bei 500 Euro Selbstbehalt. Für den Vermieter bleibt allerdings ein Restrisiko. Denn nicht alle Schäden, die der Mieter verursacht, sind für Laien ersichtlich – etwa am Unterboden. Zudem kann sich der Vermieter nicht darauf verlassen, dass der Mieter pfleglich mit dem Auto umgeht.
Angesichts der großen Vorteile des Carsharings ist es erstaunlich, dass es im Vergleich zum Pkw-Besitz bislang nur eine äußerst unbedeutende Rolle spielt. So gibt es in Deutschland 42 Millionen Pkw, aber erst rund 190 000 Carsharer. Doch ihre Zahl wächst rasant.
Carsharing kann übrigens nicht nur in der eigenen Stadt genutzt werden. So haben die Anbieter verschiedene Kooperationsabkommen geschlossen. Kunden eines Anbieters können dadurch in anderen Städten auf andere Firmen zurückgreifen. Auf diese Weise stehen für die Kunden bundesweit mehrere tausend Autos bereit. Zudem arbeiten manche Anbieter mit Verkehrsbetrieben zusammen und räumen Rabatte für Monatskarteninhaber ein. Auch für Studenten und Auszubildende gibt es häufig Rabatte.
Aufpreis bei Verspätung
Die Autos sind meist relativ neu. Das Durchschnittsalter bei den meisten Anbietern beträgt im Schnitt rund 18 Monate, die Fahrzeuge sind in der Regel nicht älter als vier Jahre. Zur Ausstattung gehören oft Navigationsgerät und Kindersitz. In der Regal haben die Autos auch grüne Plaketten für innerstädtische Umweltzonen. In der kalten Jahreszeit sind sie zudem meist mit Winterreifen oder mit Ganzjahresreifen ausgerüstet. Versichert sind die Fahrzeuge üblicherweise über einen Schutzbrief, der meist Abschleppung, Ersatzwagen und sogar Hotelübernachtungen beinhaltet.
Wer einen Wagen buchen will, muss angeben, wann er das Auto wieder abgeben will. In der Regel kann ein Fahrzeug ab einer Dauer von einer halben Stunde gemietet werden. Wird der Wagen verspätet abgegeben und liegt eine Buchung vor, muss meist ein Aufpreis bezahlt werden. Wer ein Auto doch nicht benötigt und die Buchung kurzfristig wieder stornieren will, muss in der Regel mit Kosten zwischen 35 bis 50 Prozent des Zeitmietpreises rechnen. Am Ende einer Fahrt wird der Wagen in der Regel dort wieder abgegeben, wo er ausgeliehen wurde.

Der Insolvenzverwalter ist bestellt, jetzt beginnt die harte Zeit der Neuordnung von Schlecker. Wir erklären, wie es mit der Kette weitergeht.
