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Standort Berlin: Außer Berlin nur noch das Ausland

Das Onlinespiel Fluffy stammt aus dem Hause GameDuell. Die Berliner Firma will 2013 rund 100 neue Leute einstellen.

Das Onlinespiel Fluffy stammt aus dem Hause GameDuell. Die Berliner Firma will 2013 rund 100 neue Leute einstellen.

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Gameduell

Berlin -

Für Elmar Giglinger ist das aktuelle Medienbarometer der Beweis dafür, dass der Hype um den Start-up-Standort Berlin nicht nur gefühlt, sondern auch real vorhanden ist. 66 Prozent der befragten Medienunternehmen sind zufrieden oder sehr zufrieden mit ihrem Geschäftsverlauf im vergangenen Jahr, konnte der Geschäftsführer des Medienboard Berlin-Brandenburg gemeinsam mit Andrea Peters, Geschäftsführerin von Media.net, verkünden. Und fast ebenso viele – 63 Prozent – gehen davon aus, dass es für sie in diesem Jahr positiv weitergehen wird. Seit Beginn der jährlichen Befragung im Jahr 2004 war die Zufriedenheit nur einmal so hoch – das war 2007.

Spielebranche gewinnt

Das Stimmungshoch schlägt sich am deutlichsten bei den Start-ups nieder: Firmen, die höchstens fünf Jahre alt sind und diesmal schwerpunktmäßig befragt wurden. 80 Prozent rechnen damit, dass sie in diesem Jahr mehr umsetzen werden als 2012, mit dem sie bereits überdurchschnittlich zufrieden waren.

Überraschend ist für Giglinger die Klarheit, mit der sich die Spielebranche in Sachen Zufriedenheit direkt hinter die IT- und Telekommunikationsbranche setzt. Für sie lief es offenbar noch besser als für Unternehmen aus dem Bereich Internet und Social Media, deren Zufriedenheitswerte auf hohem Niveau zurückgingen. Auch die klassischen Medien wie TV, Radio, Buch und Presse sind nach schlechterer Stimmung im vergangenen Jahr für die Zukunft wieder etwas optimistischer. So rechnet immerhin ein Viertel der befragten Unternehmen aus dem Bereich Buch und Presse in diesem Jahr mit steigenden Umsätzen, 2011 waren es nur 14 Prozent.

Zur Methodik: 431 Unternehmen aus der Medienbranche haben den Fragebogen der Firma TrendResearch Ende 2012 zurückgesendet. 90 Prozent haben ihren Sitz in Berlin, nur zehn Prozent in Brandenburg, was der tatsächlichen Verteilung der Unternehmen auf die beide Bundesländer entspricht.

Alternative Ausland

Doch zurück zu den Start-ups: Sie repräsentieren etwa die Hälfte der befragten Firmen und wissen das kreative Umfeld der Region offenbar zu schätzen. Gut 90 Prozent bewerten dies als positiv. Auch für die Infrastruktur und das Preis-Leistungs-Verhältnis verteilen sie Lob. 87 Prozent aller Start-ups würden wieder in der Region gründen, und als Alternative zu Berlin-Brandenburg kann sich die Mehrheit nur das Ausland vorstellen.

„Die Preise steigen zwar überproportional, im nationalen und internationalen Vergleich ist das Preis-Leistungs-Verhältnis aber immer noch sehr günstig“, so Giglinger. Die Zahlen sollten Branchenverbänden und Netzwerken, aber auch der Politik ein Ansporn sein, fügt er hinzu. Wenn nicht darauf geachtet werde, dass der Dreiklang aus Kreativumfeld, Infrastruktur und ausgeglichenem Preis-Leistungs-Verhältnis gewahrt bleibe, könne sich „der Wind schnell wieder drehen“.

Schließlich gibt es auch in der Hauptstadtregion noch Nachholbedarf. Nicht zuletzt wegen der deutlich geringeren Summe an Wagniskapital, das alljährlich in den Markt fließt, hinkt der Vergleich mit dem amerikanischen Silicon Valley. 60 Prozent der befragten IT- und Telekommunikationsfirmen sind auf der Suche nach Investoren. Vor allem an höheren Summen zwischen einer und 1,5 Millionen Euro hapert es offenbar noch in und um Berlin. In Arbeit sei auch eine sogenannte One-Stop-Agency, verkündet Giglinger, die englischsprachige Gründer bei Behördengängen und Fördermöglichkeiten unterstützt.