Weitere knapp 100 Firmen wollen ihren Standort in der Hauptstadt erweitern. Insgesamt wollen diese Firmen in den nächsten drei Jahren 7000 Arbeitsplätze schaffen und 355 Millionen Euro investieren. Diese Zahlen präsentierte die Wirtschaftsfördergesellschaft gestern anlässlich der Vorstellung ihrer Jahresbilanz.
Interesse aus dem Ausland
Auffällig ist, dass der Standort Berlin in zunehmendem Maße auch ausländische Unternehmen anzieht. So kommen fast die Hälfte der in diesem Jahr von Berlin Partner neu angesiedelten Unternehmen aus dem Ausland. „Berlin wächst, Berlin internationalisiert sich“, stellte Melanie Bähr fest, die neue Geschäftsführerin von Berlin Partner. So gelang es der Wirtschaftsförderungsgesellschaft in diesem Jahr unter anderem, den den Internet-Händler Amazon, den japanischen Computerhersteller Fujitsu Technology Solutions sowie die chinesische Shenyang Machine Tool Group (SYMG) nach Berlin zu holen. Amazon richtet in Berlin ein Kundenzentrum mit 400 Mitarbeitern ein. Ebenso viele Jobs will Fujitsu in seinem neuen Verkaufs-Center in Berlin schaffen.
„Die Industrie schaut wieder nach Berlin“, sagte Berlin-Partner-Chefin Bähr. Das sei deshalb so erfreulich, weil jeder neue industrielle Arbeitsplatz mehrere neue Jobs in anderen Bereichen nach sich ziehe, insbesondere in der Dienstleistung.
Besonders starke Zuwächse verzeichnete die Medien- und Kreativwirtschaft mit fast 2000 neuen Arbeitsplätzen. Aber auch in der Gesundheitswirtschaft trug Berlin Partner zur Schaffung von mehr als 1000 neuen Jobs bei. Im Bereich Verkehr, Mobilität und Logistik seien gut 350 neue Jobs entstanden. Für das kommende Jahr setzt Berlin Partner verstärkt auf die Bereiche Elektromobilität, Internet-Spiele sowie Energietechnik. Große Hoffnung verbindet Bähr auch mit dem neuen Hauptstadtflughafen BER, der 2012 eröffnet wird. „Das wird ein wichtiger Wachstumstreiber für die Region“, sagte Bähr.
Bei der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK) zeigte man sich erfreut über die Erfolge von Berlin Partner. „Das ist eine starke Bilanz“, lobte IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder. „Die Arbeit von Berlin Partner trägt dazu bei, den Standort Berlin weiter nach vorn zu bringen.“ Berlin Partner habe auch den richtigen Weg eingeschlagen, die Industrie stärker in den Fokus zu nehmen, ohne dabei die anderen für die Stadt wichtigsten Branchen aus den Augen zu verlieren. Nach Ansicht der IHK könnten Synergien bei den unterschiedlichen Wirtschaftsfördergesellschaften weitere positive Effekte erzielen. Der neue Berliner Senat könne hier Möglichkeiten ausloten.
Hohe Arbeitslosenquote
Insgesamt ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in diesem Jahr in Berlin um fast 33 000 gestiegen (siehe Grafik). Zu diesem Zuwachs tragen Wirtschaftsfördergesellschaften wie Berlin Partner und die Technologiestiftung Berlin (TSB) mit ihrer erfolgreichen Arbeit maßgeblich bei. In einigen Bereichen ist der Bedarf an Arbeitskräften in Berlin mittlerweile sogar so groß, dass sich gar nicht ausreichend qualifizierte Bewerber finden lassen. So klagen im Moment Headhunter insbesondere aus der IT-Branche, dass sie sich derzeit gar nicht mehr in der Lage sehen, die hohe Nachfrage nach Arbeitskräften zu bewältigen.
Dennoch ist die Arbeitslosenquote in Berlin mit mehr als zwölf Prozent noch immer fast doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt. „Berlin hat beim Abbau der Arbeitslosigkeit noch immer einen hohen Nachholbedarf“, bestätigte der IHK-Hauptgeschäftsführer. „Ein Weg, dies zu erreichen ist es, mehr Wirtschaftsleistung in die Stadt zu erzielen.“
Wenn mehr Menschen am ersten Arbeitsmarkt beschäftigt seien, bedeute das mehr Wohlstand für alle, sagte Eder. Er äußerte die Hoffnung, dass die Wirtschaft in Berlin im kommenden Jahr trotz der schwierigen Rahmenbedingungen weiter wachsen werde. Im laufenden Jahr wird in der Hauptstadt ein Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von rund zwei Prozent erwartet – etwas weniger als der Bundesdurchschnitt.

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