22.02.2012

Streik am Flughafen Frankfurt: Fraport-Vorstand: Streik ist "exorbitant unangemessen"

        

Herbert Mai (64),   Arbeitsdirektor bei Fraport und ehemaliger Gewerkschaftsboss.
Herbert Mai (64), Arbeitsdirektor bei Fraport und ehemaliger Gewerkschaftsboss.
Foto: dpa

Der einstige Gewerkschaftsboss Herbert Mai ist heute Arbeitsdirektor bei der bestreikten Fraport. Im Interview spricht er über überzogene Gehaltsforderungen, Streikbruch und mögliche Kompromisse mit der GdF.

Die Drohung der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF), bis Freitag durchzustreiken, kostet den Flughafenbetreiber Fraport viel Geld. Arbeitsdirektor Herbert Mai lässt es offen, ob Fraport auf Schadenersatz klagen wird.

Herr Mai, wie reagiert Fraport auf die harte Gangart der Gewerkschaft?

Wir versuchen so viel Flugverkehr wie möglich abzuwickeln und konnten dafür weitere Mitarbeiter mit entsprechender Qualifikation gewinnen.

Derzeit werden trotz des Streiks mehr als 80 Prozent des Verkehrs abgewickelt. Wann werden es 100 Prozent sein?

Das kann man nicht vorhersagen. Wir sind schon gut dabei. Dass wir über 80 Prozent erreichen würden, hätte niemand von der GdF gedacht. Wir gehen davon aus, dass wir diese Werte über einen längeren Zeitraum halten.

Gestrichen werden innereuropäische Flüge. Spüren Reisende nach Übersee etwas vom Streik?

Die merken davon so gut wie gar nichts. Die Flugzeuge fliegen meistens auch pünktlich ab.

"Fluggäste gut informiert"

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit der Bahn?

Die wird überwiegend von der Deutschen Lufthansa organisiert. Wie ich höre, funktioniert das auch sehr gut. Die Fluggäste sind sehr gut informiert und können sich frühzeitig darauf einstellen, wie sie zum Flughafen kommen.

Wie hoch sind die Fraport-Verluste durch den Streik?

Montag hatten wir Umsatzeinbußen von rund einer Million Euro. Wie sich das insgesamt entwickelt, kann man derzeit nicht konkret beziffern. Das hängt davon ab, wie viel Verkehr stattfindet, welche Flieger fliegen, und welche Einnahmen wir in anderen Bereichen wie den Shops haben.

Werden Sie von der GdF Schadenersatz fordern?

Wir behalten uns vor, das zu prüfen, ebenso, ob die Angemessenheit im Arbeitskampf eingehalten wird. Wie haben uns aber entschieden, die rechtliche Karte im Moment nicht zu ziehen.

Bevor Sie zu Fraport gingen, waren Sie Chef der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV), heute Verdi. Jetzt organisieren Sie den Streikbruch. Wie passt das zusammen?

Das passt deshalb zusammen, weil Verdi nie einen Arbeitskampf vom Zaune brechen würde, der nur eine Berufsgruppe betrifft und der im Vergleich zu anderen Berufsgruppen exorbitant unangemessen ist, so dass er das Tarifgefüge und die Solidarität der Kollegen untereinander aufbricht. Gewerkschaften fühlen sich generell dem Gedanken der Solidarität verpflichtet.

"GDF verhält sich unsolidarisch"

Das Verhalten der GdF ist nach ihrer Auffassung unsolidarisch?

Unsolidarisch, unangemessen und so weit weg von den Realitäten des Tarifniveaus, dass man dafür kaum noch Worte findet. Bei uns verdient beispielsweise ein Ingenieur 56300 Euro im Jahr und die GdF fordert für den Vorfeldaufseher, der nicht einmal eine Ausbildung benötigt, mehr als 60.000 Euro.

Was glauben Sie, wie es weitergehen wird?

Wir haben mehrfach signalisiert, dass wir in dem Bereich der Vorfeldkontrolle sehr kompromissbereit sind. In den anderen beiden Tätigkeitsfeldern, der Vorfeldaufsicht und der Verkehrszentrale, erwarten wir eine Kompromissbereitschaft der GdF. Für mich ist klar, irgendwann wird es einen Kompromiss geben. Wir haben uns bereits bewegt. Die GdF vertritt derzeit die Philosophie Forderung ist gleich Abschluss. Das kann es nicht sein.

Das Gespräch führte Friederike Tinnappel

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