Wenn ein Unternehmen Streikbrecher einsetzt, reagieren Gewerkschafter normalerweise unisono empört. Schließlich kann auf diese Weise ein Arbeitskampf – und damit das einzige Druckmittel der Beschäftigten – völlig wirkungslos verpuffen.
Doch der Ausstand am Frankfurter Flughafen ist kein normaler Tarifkonflikt: Die kleine Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) will für eine kleine Gruppe von 200 Beschäftigten satte Gehaltszuschläge durchsetzen – und stößt damit nicht nur beim Flughafenbetreiber Fraport, sondern auch bei der Mehrheitsgewerkschaft Verdi und dem Betriebsrat auf erbitterten Widerstand.
Auf längeren Streik eingestellt
Verdi und Betriebsräte sehen denn auch keinen Grund, sich über den Einsatz von Streikbrechern aufzuregen. „Wenn man so rücksichtslos wie die GdF vorgeht, kann man von der Belegschaft keine große Solidarität erwarten“, sagt Edgar Stejskal, Chef des Fraport-Konzernbetriebsrats, der Frankfurter Rundschau. Und auch Verdi-Verkehrsexperte Gerold Schaub sagt: „Das ist Sache des Managements, wir mischen uns da nicht ein.“ Es kommt nicht oft vor, dass sich Arbeitnehmer-Vertreter so klar auf die Seite des Managements schlagen.
Die GdF verlangt für die 200 Beschäftigten in der Vorfeldkontrolle, Vorfeldaufsicht und Verkehrszentrale bis zu 70 Prozent mehr Geld, behauptet der Betriebsrat. Die GdF selbst hält sich mit genauen Informationen zu ihren Forderungen zurück und hat auf eine Anfrage dieser Zeitung bis Redaktionsschluss nicht geantwortet.
Der Betriebsrat hält die Forderung für völlig überzogen und wirft der GdF ein egoistisches Verhalten vor. Wenn sich die Gewerkschaft durchsetze, würden die anderen 11000 Beschäftigte darunter leiden. Sie müssten mit einer geringeren Erfolgsbeteiligung rechnen. Verdi warnt sogar, dass Tausende Arbeitsplätze in Gefahr seien. Denn die gesamte Belegschaft habe Ende 2010 auf übertarifliche Leistungen und bezahlte Pausen verzichtet, damit die Bodenverkehrsdienste nicht ausgelagert werden. Diesen Erfolg sehen Verdi und Betriebsrat nun durch den Streik in Gefahr.
„Wir fordern den Vorstand auf, den überzogenen Forderungen der GdF keinesfalls nachzugeben“, heißt es denn auch in einem Flugblatt des Betriebsrats.
Fraport gibt sich denn auch alle Mühe, die Folgen des Ausstands so gering wie möglich zu halten, was bisher relativ gut gelungen ist. Rund 70 Prozent des Flugverkehrs seien während des Streiks sichergestellt worden, sagt ein Sprecher. Zum einen hätten nicht alle Beschäftigten in den drei betroffenen Bereichen die Arbeit niedergelegt. Zum anderen seien Mitarbeiter, etwa aus dem Management, geschult worden, um Streikende zu ersetzen. „Wir sind sehr gut aufgestellt“, betont der Sprecher und vermutet, dass die GdF überrascht sein dürfte, „wie gut es uns gelungen ist, den Flugverkehr sicherzustellen“.
Wie viele Ersatzleute an den bestreikten Arbeitsplätzen zu Einsatz kommen, mag Fraport „aus taktischen Gründen“ lieber nicht beziffern. Fraport will sich von der GdF nicht in die Karten schauen lassen. Jedenfalls sei das Management auf einen längeren Arbeitskampf gut vorbereitet: „Wir wären in der Lage, längere Streikphasen durchzuhalten“, betont der Sprecher.
Laut Verdi ist es ein sehr kleines Grüppchen, das da die Arbeit niederlegt. Von den 200 Beschäftigten seien pro Schicht etwa 70 Arbeitnehmer im Einsatz. Am ersten Streiktag hätten sich gerade einmal 32 Menschen an dem Ausstand beteiligt.
Fraport forderte die GdF auf, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Das Management sei der Gewerkschaft schon weit entgegengekommen, versichert der Sprecher. Die GdF verweise darauf, dass Beschäftigte in der Vorfeldkontrolle in München mehr Geld verdienen als in Frankfurt.
Das Fraport-Management sei bereit, für diese Arbeitnehmer die GdF-Forderungen weitgehend zu erfüllen. In den beiden anderen Bereichen – der Vorfeldaufsicht und der Verkehrszentrale – sei dies aber nicht möglich. Diese Arbeiten seien mit anderen Tätigkeiten im Konzern vergleichbar. Und man könne nun nicht für eine kleine Gruppe völlig andere Gehälter vereinbaren.
Der Schlichter Ole von Beust habe bei seinem Vorschlag nur die 200 Leute auf dem Vorfeld in den Blick genommen, argumentiert Fraport-Personalchef Herbert Mai. Der Konzernvorstand müsse die Gesamtbelegschaft im Auge behalten. „Die Forderungen der GdF für ihre 200 Leute sind völlig überzogen, lassen jedes Maß vermissen und sprengen das gesamte Gehaltsgefüge von Fraport“ schimpft Mai. „Hier stehen Forderungen im Raum, die insgesamt Anpassungen bei Gehalt, Arbeitszeit und Sonderleistungen zwischen 50 und bis zu 70 Prozent beinhalten. Das ist der Gesamtbelegschaft nicht vermittelbar.“

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