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Studie des IAB: Altenpfleger verdienen deutlich weniger als Krankenpfleger

Die Zahl der offenen Stellen in der Altenpflege wird immer größer.

Die Zahl der offenen Stellen in der Altenpflege wird immer größer.

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dpa

Berlin -

Wenn Karl-Josef Laumann, der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, über die Branche spricht, nutzt er oft und gern eine Feststellung, die so schlicht wie richtig ist: „Geld pflegt nicht.“ Die Zahl der Pflegebedürftigen wächst stetig, doch schon heute herrscht in der Altenpflege Fachkräftemangel. 30 000 Stellen sind unbesetzt, bis 2030 fehlen Studien zufolge bis zu 300 000 Pflegekräfte. Warum der Beruf für junge Menschen so unattraktiv ist, darüber gibt es bisher nur Mutmaßungen. Ein Verdacht: In der Pflege wird deutlich zu wenig verdient. Eine neue Untersuchung, die sich erstmals detailliert mit der Bezahlung der Altenpfleger beschäftigt, bestätigt das nun. Die Krankenpfleger stehen dagegen überraschend gut da.

Was die Experten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) herausgefunden haben, überrascht in seinem Ausmaß selbst Experten: Wer als ausgebildeter Pfleger alte Menschen in einem Heim oder einer ambulanten Einrichtung betreut, verdient bis zu 20 Prozent weniger als Fachkräfte in anderen Berufen. Im Vergleich zu Krankenpflegern beträgt der Unterschied sogar bis zu 30 Prozent. Zu beobachten ist bei den Gehältern der Altenpfleger zudem ein sehr starkes West-Ost und ein Nord-Süd-Gefälle.

So verdient eine ausgebildete Altenpflegekraft im Osten im Mittel 1945 Euro (West: 2568) brutto, während in der Krankenpflege 2738 Euro (West: 3139 Euro) gezahlt werden. Der mittlere Lohn aller Fachkräfte liegt bei 2317 Euro im Osten und bei 3094 Euro im Westen. Krankenpfleger verdienen also sowohl im Osten wie im Westen mehr als die Fachkräfte in anderen Berufen, während in der Pflege stets weniger gezahlt wird. Ein ähnliches Bild bietet sich bei den weniger qualifizierten Pflegehelfern. Die Gehaltsunterschiede zwischen Alten- und Krankenpflege wird an folgendem Vergleich deutlich: Examinierte Altenpflegerinnen mit einer dreijährigen Ausbildung verdienen im Mittel nur 100 Euro mehr als angelernte Krankenpfleger. Zur Illustration des regionalen Lohngefälles dient folgendes Beispiel: Eine Altenpflegerin verdient in Stuttgart im Mittel rund 1000 Euro mehr als ihre Kollegin in Magdeburg. Und eine Altenpflegerin in Niedersachsen bekommt fast 500 Euro weniger als in NRW.

Viele Teilzeitkräfte in der Branche

In der Krankenpflege sind die Unterschiede zwischen West und Ost geringer, aber immer noch deutlich.

Die Studie ergab auch, dass in der Pflege deutlich mehr Menschen in Teilzeit arbeiten als in anderen Branchen. Das liegt unter anderem daran, dass in diesem Beruf überwiegend Frauen arbeiten. So beträgt die Teilzeitquote in der Altenpflege bei den Fachkräften 53 und bei den Helfern über 70 Prozent, während der Gesamtdurchschnitt in Deutschland nur bei 27 Prozent liegt. Die Teilzeitarbeit ist aber vor allem in den neuen Ländern nicht freiwillig: Hier gaben 46 Prozent der Befragten an, keinen Vollzeitjob gefunden zu haben. Im Westen betrug dieser Anteil weit unter 20 Prozent.

Laumann forderte als Konsequenz aus der Studie eine bessere Bezahlung der Pflegekräfte. Dies sei zwar Sache der Tarifpartner und nicht der Politik. Aber: Wenn Fachkräfte in der Altenpflege ein Fünftel weniger verdienten als in anderen Branchen „läuft etwas falsch“. Nötig seien flächendeckend „faire und angemessene“ Löhne. Ansonsten werde es immer schwieriger, junge Menschen für den Beruf zu begeistern. Er wies zudem darauf hin, dass in der Pflege viele Teilzeit- in Vollzeitstellen umgewandelt werden könnten, um den Fachkräftemangel abmildern zu können.

Er wertete die Ergebnisse zudem als Beleg dafür, dass die Koalition mit dem Plan, die Ausbildung für die Pflegeberufe zu vereinheitlichen, auf dem richtigen Weg sei, um die Altenpflege aufzuwerten. „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit - dieser Grundsatz muss auch für den Pflegeberuf insgesamt gelten“, so der CDU-Politiker.