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Studie von Pestizid-Experten : Öko- oder konventionelle Produkte? Der Pestizid-Vergleich

Bio-Produkte sind überraschend deutlich weniger belastet als konventionelle Produkte.

Bio-Produkte sind überraschend deutlich weniger belastet als konventionelle Produkte.

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dpa

Die meisten Lebensmittel aus konventioneller Landwirtschaft sind so stark mit Rückständen von Insekten- und Unkrautvernichtungsmitteln belastet, dass sie nicht als Säuglingsnahrung verkauft werden dürften. Demgegenüber halten 95 Prozent der ökologisch erzeugten Produkte den Grenzwert für Säuglingsnahrung von 0,01 Milligramm pro Kilo ein. Das zeigt eine Studie, die der renommierte Pestizid-Experte Lars Neumeister im Auftrag der Grünen im Bundestag erstellt hat.

Der Studienautor wertete die Ergebnisse von fast 58 000 Stichproben aus, die die Lebensmittelüberwachungsbehörden der 16 Bundesländer in den Jahren 2011 bis 2013 untersucht hatten. Eindeutiger hätte das Ergebnis kaum ausfallen können: In allen 37 Produktkategorien – vom Apfel bis zur Zitrone - wiesen Bio-Lebensmittel deutlich niedrigere Rückstandsgehalte auf als die konventionellen Vergleichserzeugnisse.

So enthielten normale Kiwis im Schnitt 3000 Mal so hohe Pestizidkonzentrationen wie ökologisch erzeugte. Bei den elf ausgewählten Bio-Obstarten waren die Pestizidgehalte im Mittel 350-mal niedriger als im Obst aus konventioneller Produktion. Bio-Gemüsearten und Kartoffeln unterschritten die Pestizidgehalte der konventionellen Produkte um das 30-fache.

Grünen-Sprecherin alarmiert

Die verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen, Nicole Maisch, bezeichnete den Befund als erschreckend. „Vor allem Mehrfachbelastungen mit unterschiedlichen Pestiziden können zur Gefahr werden. Die Wirkung solcher Pestizidcocktails wird bei Zulassung und Risikobewertung völlig unzureichend berücksichtigt“, sagte die Grünen-Abgeordnete dieser Zeitung. Maischs Fraktionskollege Harald Ebner mahnte politische Konsequenzen an: „Minister Schmidt muss dafür sorgen, dass besonders fragwürdige Pestizide wie aktuell das wahrscheinlich krebserregende Glyphosat keine neue EU-Zulassung bekommen.“

Angesichts der Einzelergebnisse erscheint dies Forderung nachvollziehbar. Von den elf getesteten Obstsorten wiesen konventionell angebaute Früchte nur zu 16 Prozent keinerlei Rückstände auf, aber 94 Prozent der Bio-Erdbeeren. Unbedenkliche Werte von unter 0,01 Milligramm wurden in weiteren zehn Prozent der konventionellen und zwei Prozent der ökologischen Erdbeeren nachgewiesen. Umgekehrt bedeutet das: Nur vier Prozent der Bio-Früchte überschritten den Grenzwert für Säuglingsnahrung, aber fast drei Viertel der konventionellen. Ähnlich große Unterschiede wurden für Äpfel, Bananen, Birnen, Weintrauben und Zitronen festgestellt. Kiwis und Orangen waren dagegen auch ohne Bio-Siegel zu über 50 Prozent rückstandsfrei.

Auch Getreide, Gemüse und Kräuter betroffen

Ein vergleichbares Bild ergab die Auswertung der Getreide-, Gemüse- und Kräuterproben. Für die 16 untersuchten Gemüsesorten liegt der Anteil der nicht oder nur minimal belasteten Bio-Produkte fast durchweg bei über 90 Prozent. Immerhin schneiden in diesem Bereich auch konventionelle Erzeugnisse teils recht gut ab. So weisen drei Viertel der Brokkoli-, Erbsen- und Bohnenproben keine oder nur geringe Belastungen auf, bei konventionellem Kürbis liegt der Anteil sogar bei 90, bei Zwiebeln bei 85 Prozent. Die schlechteste Werte erzielt Rucola: Zwei Drittel der konventionellen und immerhin 17,5 Prozent der ökologischen Proben rissen den Grenzwert.