Der Schweizer Rückversicherer Swiss Re hat 2011 seinen Gewinn trotz immenser Schadenzahlungen auf 2,6 Milliarden Dollar verdreifacht. Geholfen hat der Nummer zwei der Branche hinter Münchener Rück unter anderem eine unüblich niedrige Steuerquote infolge der Umstrukturierung des Konzerns. Zudem konnten nicht mehr benötigte Schadenreserven in Höhe von 1,3 Milliarden Dollar aufgelöst werden, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte.
2010 hatte zudem eine an den legendären US-Investor Warren Buffett gezahlte Entschädigung das Ergebnis verhagelt. Swiss Re verdiente damit deutlich besser als von Analysten erwartet, die im Schnitt mit 1,79 Milliarden Dollar gerechnet hatten. Die Dividende soll auf drei Franken je Aktie angehoben werden von 2,75 Franken im Vorjahr.
Die Naturkatastrophen des vergangenen Jahres machen 2011 für die Versicherungsbranche zum teuersten Jahr aller Zeiten.
„Das versicherte Schadenvolumen - insbesondere aus den Schäden infolge von Erdbeben, Stürmen und Überschwemmungen - betrug 105 Milliarden US-Dollar“, sagt Jörg Bechert, Experte für den deutschen Versicherungsmarkt beim Versicherungsmakler Aon in Deutschland.
Der volkswirtschaftliche Schaden würde diese Summe sogar um ein Vielfaches übersteigen. „Eine derartige Häufung von Schadenereignissen wie im Jahr 2011 ist in der jüngeren Geschichte einzigartig“, sagte Bechert bei der Vorlage eines aktuellen Marktberichts. Besonders die Naturkatastrophen in Neuseeland (Erdbeben), Australien (Überschwemmungen nach tropischem Wirbelsturm) und Japan (Erdbeben und Tsunami) hätten erhebliche Belastungen für die Versicherungswirtschaft gebracht.
Den Ausblick für den deutschen Versicherungsmarkt bezeichnet Bechert in dem Marktbericht als „noch nicht eindeutig“. Demnach gebe es zwar Sparten, in denen die Marktteilnehmer einen Trend zu höheren Versicherungsprämien einläuten würden - dazu zähle vor allem der Kfz-Bereich.
Aber: „Die Versicherer agieren sehr uneinheitlich und stellen sich mit der Aussicht auf künftige Gewinne oft allgemeinen Markttrends entgegen. Es gibt immer wieder Anbieter, die über niedrigere Prämien höhere Marktanteile erzielen wollen. So werden die Ausschläge allgemeiner Markttrends deutlich abgeschwächt“, sagt Bechert.
Branche kann höhere Prämien durchsetzen
Angesichts der hohen Schäden kann die Branche wieder höhere Preise für die Versicherungsdeckung verlangen. Die Vertragserneuerungen im Januar brachten Swiss Re 20 Prozent Prämienplus in der obligatorischen Schaden- und Unfallversicherung. Dieser Aufwärtstrend dürfte sich bei den Erneuerungsrunden im April und Juli fortsetzen, sagte Finanzchef George Quinn.
2011 steigerte Swiss Re die verdienten Prämien um acht Prozent auf 21,3 Milliarden Dollar. Die größte Sparte Sachversicherung fuhr angesichts der außerordentlich hohen Schadenzahlungen einen Verlust ein: Der Schadenkostensatz stieg auf 101,6 Prozent von 93,9 Prozent im Vorjahr.
Naturkatastrophen kosten Swiss Re 3,5 Milliarden Dollar
Bis zu einem Wert von 100 Prozent sind die Schäden und Verwaltungskosten durch die Prämieneinnahmen gedeckt. Insgesamt kosteten Naturkatastrophen Swiss Re 3,5 Milliarden Dollar - das Gros davon entfiel auf die verheerenden Erdbeben in Japan und Neuseeland sowie die Überschwemmungen in Thailand. Im laufenden Jahr kalkuliert der Rückversicherer mit einem Schadenkostensatz von rund 94 Prozent.
Swiss Re hält kaum Anleihen von der Schuldenkrise betroffener Euro-Länder: Das Exposure beläuft sich auf lediglich 59 Millionen Dollar, griechische und irische Staatspapiere sind nicht darunter.
Die mittelfristigen Finanzziele haben für Swiss Re oberste Priorität. Der Konzern strebt im Durchschnitt über die nächsten fünf Jahre eine Gewinnsteigerung je Aktie von zehn Prozent an sowie eine Eigenkapitalverzinsung, die 700 Basispunkte über dem risikofreien Zinssatz liegt. (rtr/dapd)

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