Jahrzehntelang habe es nur eine Richtung gegeben, die Betriebe waren immer größer und spezialisierter geworden, was, versichert das Magazin seine womöglich irritierten Leser, meist auch richtig gewesen sei. Doch die Strategie stoße angesichts der erreichten Größe an Grenzen, weil Fläche, Kapital oder geeignete Mitarbeiter fehlten oder die Nachbarn gegen neue Ställe und Biogasanlagen vor ihrer Haustür Sturm liefen. Daraus folgert top agrar: „Irgendwann sind die Größenvorteile ausgeschöpft.“
Genüsslich zitiert der Kritische Agrarbericht 2012, der am Donnerstag bei der Grünen Woche in Berlin vorgestellt wird, die Überlegungen des bislang stets auf Wachstum gepolten Fachblatts. Denn das haben die hinter dem Bericht stehenden 24 Organisationen, vom BUND über Bioland und Gäa bis zur Zuchtervereinigung Schwäbisch-Hallisches Schwein, ja irgendwie schon immer gewusst: Ein „Weiter so“ ist angesichts des Hungers auf der Welt, des Klimawandels sowie der wachsenden Tierschutzprobleme und der massiven Biodiversitätsverluste nicht denkbar.
Fehlende Akzeptanz
Die mehr und mehr fehlende Akzeptanz in der Gesellschaft für industrielle Produktionsverfahren führe dazu, dass immer mehr Unternehmen der Lebensmittel- und Agrarindustrie, aber auch des Einzelhandels den Kontakt zu den Umweltverbänden suchten und sogar Kooperationen eingingen, um ihre Glaubwürdigkeit zurück zu gewinnen. So glaubt Autor Friedhelm Stodieck: „Es ist etwas in Bewegung geraten.“
Davon zeigt sich auch Benedikt Härlin, Chef des Berliner Büros der Zukunftsstiftung Landwirtschaft, überzeugt. Denn seit der von 500 Wissenschaftlern für Uno und Weltbank 2008 erarbeitete Weltagrarbericht vorgelegt wurde, mehrten sich die Stimmen, die dem Wachstumskonzept der industriellen Landwirtschaft und der Grünen Revolution in Asien eine Absage erteilten. Diese Methoden drohten, „die Grundlagen unserer Ernährung zu zerstören und eine Milliarde Menschen hungrig“ zu lassen.
Klar, dass die Agrarlobby zunächst klassisch reagierte: „Ignorieren, entwerten, lächerlich machen, zur Tagesordnung übergehen.“ Doch drei Jahre später glaubt Härlin zu beobachten, gehörten die wesentlichen Botschaften des Weltagrarberichtes zum Standard wissenschaftlicher Analyse. Etwa, dass es auf die Kleinbäuerinnen dieser Welt ankomme, „wenn wir von Raubbau auf Nachhaltigkeit umschalten wollen“. So fordere der Wirtschafts- und Sozialbericht der Uno ein „nachhaltiges Agrarinnovationssystem“, das sich an den Empfehlungen des Weltagrarberichts orientiere.

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