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Umweltschädliche Importe: Deutscher Bio-Boom mit fatalen Folgen für die Umwelt

Bio-Siegel der deutschen Landwirtschaft

Bio-Siegel der deutschen Landwirtschaft

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dpa

Berlin -

Im Ausland gilt die Kartoffel als das Lebensmittel der Deutschen schlechthin. Statistisch verzehrt jeder Deutsche pro Jahr knapp 60 Kilogramm Kartoffeln, einschließlich Pommes, Klößen, Chips und anderen verarbeiteten Lebensmitteln. Auch für hiesige die Landwirtschaft hat die Kartoffel  einen hohen Stellenwert. Auf 245 000 Hektar heimischer Krume werden die Knollen angebaut, mit knapp zehn Millionen Tonnen liegt die Bundesrepublik auf Rang sechs der weltweit größten Kartoffelproduzenten, übertroffen nur von großen Ländern wie den USA, China oder Russland.

Für Kartoffeln aus biologischem Anbau gilt ähnliches: Mit einer Jahresproduktion von rund 150 000 Tonnen ist Deutschland Spitzenreiter in Europa. Und doch hinkt die heimische Erzeugung der wachsenden Binnennachfrage hinterher: Mehr als zwei Drittel aller biologischen Frühkartoffeln wurden 2012/2013 eingeführt, vornehmlich aus Ägypten und Israel. Der Importanteil aller Biokartoffeln liegt bei immerhin 15 Prozent.

Kartoffel als Beispiel für die Studie

Die Kartoffel steht damit beispielhaft für eine Entwicklung, die einer Studie der Agrarexpertin Jana Werner zufolge auch zahlreiche andere Biolebensmittel betrifft: Die inländische Nachfrage wächst, die heimische Produktion hält nicht Schritt, weil die ökologisch bewirtschaftete Fläche in Deutschland seit Jahren kaum noch wächst und 2014 bei 6,3 Prozent der Gesamtlandwirtschaftsfläche lag. Infolgedessen steigen die Importe, oftmals mit ökologisch nachteiligen Auswirkungen. So werden zwischen Jaffa und Assuan für den  Anbau eines Kilogramms Kartoffeln im Durchschnitt 430 Liter Beregnungswasser eingesetzt, was den in der Region ohnehin chronischen Wassermangel weiter verschärft. In Deutschland werden die Knollen nur mit acht Litern pro Kilo bewässert.

Die Untersuchung im Auftrag der Bundestagsfraktion der Grünen zeigt anhand von acht der gängigsten Biolebensmittel auf, wie sich Nachfrage, inländisches Angebot und Einfuhrmengen in den vergangenen Jahren entwickelt haben. Grundlage sind Daten der Agrarmarkt Informationsgesellschaft sowie des Bundeslandwirtschaftsministeriums für die Wirtschaftsjahre 2009/20110 sowie 2012/2013. Sie zeigen durchgängig stark angestiegene Absatzzahlen für die ausgewählten Biolebensmittel: bei Eiern betrug der Zuwachs 42 Prozent, Bio-Milch verzeichnete ein Plus von 29 Prozent, der Absatz von Ökobutter legte um 49 Prozent zu, ebenso stark stieg der Verkauf von Schweinefleisch aus Ökoställen, bei Zwiebeln stieg der Verkauf um 16 Prozent. Allein der Absatz von Bio-Möhren und Äpfeln stagnierte.

Steigende Importzahlen

Parallel zum Umsatzzuwachs steigen auch die Importzahlen: 2013 deckten die Einfuhren zwischen 71 Prozent (Frühkartoffeln) und zehn Prozent (Eier) der inländischen Nachfrage ab. So kommen 20 Prozent des in Deutschland verbrauchten Bioschweinefleischs, mehr als ein Drittel der Bio-Frischmilch und 38 Prozent der Zwiebeln aus Ökobetrieben im Ausland eingeführt. Wichtigste Lieferländer für Fleisch, Eier, Milch und Molkereiprodukte sind Dänemark, Österreich und die Niederlande, Gemüse und Obst kommen überwiegend aus Spanien, Italien, Israel und Ägypten. In vielen Nachbarländern Deutschlands  wie Osterreich, Frankreich, Tschechien, Belgien und Polen sei die Umstellung auf ökologische Erzeugung in den vergangenen Jahren viel rascher voran gekommen als in Deutschland, so Studienautorin Werner.

Die Expertin leitet  aus dem Befund einige politische Empfehlungen ab, um den Ökolandbau in Deutschland zu fördern: Unter anderem plädiert die Expertin dafür, die von der konventionellen Landwirtschaft verursachten Kosten - etwa die Reinigung des Grundwassers von Nitraten und Rückständen chemischer Düngemittel –mittels einer Pestizid- und Stickstoffabgabe zu finanzieren. Damit würden die Verursacher in die Verantwortung genommen. Zudem sei nationales Anbauverbot für gentechnisch veränderte Pflanzen notwendig, um Bio-Äcker vor Gen-Einträgen durch Pollenflug und die Lebensmittel vor Verunreinigungen in verarbeitenden Betrieben zu schützen. Nicht zuletzt bedürfe es einer Kennzeichnungspflicht für tierische Produkte, die mit Hilfe von Genfuttermittel erzeugt wurden.