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Unternehmen schreibt schwarze Zahlen: Thyssen-Krupp zurück in der Gewinnzone

Der Mann, der Thyssen-Krupp zurück in die Gewinnzone brachte: Heinrich Hiesinger

Der Mann, der Thyssen-Krupp zurück in die Gewinnzone brachte: Heinrich Hiesinger

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dpa

Essen -

Heinrich Hiesinger kann erst einmal durchatmen. Der Chef des Industriekonzerns Thyssen- Krupp kann nach drei harten Jahren erstmals einen Gewinn vorweisen. Unterm Strich erwirtschaftete das Essener Unternehmen im abgelaufenen Geschäftsjahr allerdings nur einen mageren Profit von 210 Millionen Euro. Im Vorjahr war es aber noch ein Verlust von 1,4 Milliarden Euro gewesen. Doch vor Hiesinger stehen noch immer gewaltige Aufgaben. Thyssen-Krupp muss erheblich profitabler werden, um dauerhaft auf sicheren Beinen zu stehen.

Das Essener Konglomerat ist mit seiner mehr als 200 Jahre langen Geschichte einer der traditionsreichsten Industriekonzerne in Deutschland. Krupp hat schon im Kaiserreich Stahl erzeugt und Kanonen fürs Militär produziert. Nach dem Rückzug der Gründerfamilie Krupp herrschte Berthold Beitz jahrzehntelang  wie ein Patriarch. Thyssen-Krupp war lange Zeit die Industrieikone für das Ruhrgebiet. Doch in den vergangenen Jahren lief einiges aus dem  Ruder. Unter obersten Führungskräften machte sich Größenwahn breit. Im mittleren Management herrschte Duckmäusertum.  Es gab katastrophale Fehlentscheidungen. Beim Bau von Stahlwerken und Brasilien und in den USA wurden Milliarden versenkt. Hinzu kamen Negativschlagzeilen durch Korruptions- und Bestechungsskandale. 

Erstes Etappenziel erreicht

Hiesinger übernahm Anfang 2011 das Ruder, um den Konzern wieder in den Spur zu bringen. Seither wird heftig umgebaut. Ein erstes Etappenziel hat er nun erreicht. Er will nach drei Jahren nun auch wieder eine Dividende zahlen: elf Cent je Aktie. Das dürfte insbesondere der Krupp-Stiftung gefallen. Sie hält 23 Prozent der Anteile und finanziert sich vor allem durch die Ausschüttungen, mit denen sie wiederum viele Sozial- und Kulturprojekte insbesondere im Ruhrgebiet finanziert. Die Dividende überraschte am Donnerstag die Branchenkenner. Börsianer applaudierten. Die Aktie kletterte zeitweise um drei Prozent.

Erwartet hatten die Analysten den höheren Umsatz, der mit 41,3 Milliarden Euro um vier Prozent kletterte. Denn trotz der schweren Krisen der vergangenen Jahre stand Thyssen-Krupp im Geschäftsjahr 2013/2014, das am 30. September endete, auf vielen Feldern relativ gut da. Das Unternehmen ist längst weit mehr als der Ruhrpott-Stahlkocher. Zum Konzern gehören sechs kleinere Konzerne. Am profitabelsten ist mit einem operativen Gewinn von 740 Millionen Euro die Sparte „Industrial Solutions“. Sie ist vor allem ein Anlagenbauer, der zuletzt unter anderem ein Zementwerk in Algerien  fertiggestellt hat. Die Ingenieure errichten aber auch Chemiewerke oder Raffinerien.

Zweiter Hoffnungsträger ist die „Elevator Technology“, die Aufzüge und Fahrtreppen installiert. Hier profitiert Thyssen-Krupp stark von den vielen neuen  Einkaufzentren oder Flughäfen, die in Schwellenländern entstehen. Als Autozulieferer ist Thyssen-Krupp mit fast allen namhaften Herstellern weltweit  im Geschäft: Mercedes wird mit Lenkungen, VW mit Komponenten für die Federung beliefert.

Entspannung bei den Sorgenkinder

Bei den Sorgenkindern in Amerika hat sich die Lage entspannt. Das Stahlwerk in den USA wurde verkauft. Es wird aber noch mit Rohstahl aus dem brasilianischen Thyssen-Krupp-Werk beliefert. Hier wurden höhere Preise erzielt und die Kosten gedrückt  – „Steel Americas“ konnte nach Riesenverlusten einen operativen Gewinn von 72 Millionen Euro einfahren. Auch die Sparte, die einst den Konzern ausmachte und heute „Steel Europe“ heißt, konnte den Profit aus dem eigentlichen Geschäft auf 193 Millionen Euro mehr als verdreifachen  - dank der guten Konjunktur in Europa. 

Die ist inzwischen aber merklich abgeflaut.  Viele Analysten erwarten, dass es im nächsten Jahr für die Stahlkocher eng werden könnte. Denn in Europa gibt es noch immer Überkapazitäten. Die Menge des importierten billigen Stahls wächst zudem. Hiesinger hat es mit einigen weiteren Baustellen zu tun. Die Edelstahltöchter VDM und Terni müssen umgebaut werden. Der Konzern verfügt außerdem noch immer über relativ wenig Eigenkapital. Große Sprünge kann er sich nicht erlauben. Deshalb hat der Konzernchef die Devise ausgegeben, dass der operative Gewinn auf zwei Milliarden steigen soll. Wann er das Ziel erreichen will, sagte er nicht. Im zurückliegenden Geschäftsjahr waren es gut 1,3 Milliarden, im kommenden sollen es 1,5 Milliarden werden. Der Manager sagte aber auch, wie er vorankommen will. Er will Kosten drücken, auch Stellen streichen und unter  anderem mehr hochwertigen Stahl verkaufen. Sein Lieblingsbegriff bei der Präsentation der Geschäftszahlen am Donnerstag war aber „Verbundeffekte“. Das musste er sagen. Denn in den Krisenjahren wurde unter Anlegern und Analysten heftig über eine Zerschlagung von Thyssen-Krupp diskutiert, da die Teile mehr als das Ganze wert seien, zumal die Sparten nebeneinander her werkelten. Hiesinger will nun insbesondere bei Forschung  und Entwicklung aber auch im Vertrieb  mehr interdisziplinäre Projekte auf den Weg bringen. Gelegenheit dazu hat der Manager. Sein Vertrag wurde gerade um fünf Jahre bis 2020 verlängert.                   



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