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Urheberrecht: 10.000 Euro Abmahnpotential auf jeder Pinnwand

Zu Hause darf man an seine Pinnwand heften, was man will, im Netz sollte man vorsichtig sein.

Zu Hause darf man an seine Pinnwand heften, was man will, im Netz sollte man vorsichtig sein.

Foto:

afp (2), dapd, dpa, Montage FR/Arntzen

Eine gelbe Gummiente sorgt derzeit bei Anwälten für Aufregung. Das Foto eines Schwimmtiers hatte jemand auf die virtuelle Facebook-Pinnwand eines anderen Nutzers gestellt. Letzterer wurde nun abgemahnt, da das Bild urheberrechtlich geschützt ist.

Ein Fall, den es so bisher nicht gab. Denn besagter Facebook-Nutzer wird nicht dafür belangt, ein Bild widerrechtlich verbreitet zu haben. Er soll vielmehr für die Aktivitäten eines anderen auf seinem Profil haftbar gemacht werden.

Nun wird über die Zulässigkeit einer solchen Abmahnung gestritten. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die Risiken, die Nutzer sozialer Netzwerke eingehen. „Man kann soziale Medien praktisch nicht benutzen, ohne Urheberrechtsverletzungen zu begehen“, sagt der Berliner Rechtsanwalt Thomas Schwenke, Autor eines Buches zu Social-Media-Recht.

Teure Klicks

Soziale Netzwerke sind darauf angelegt, dass Nutzer Inhalte teilen. „Doch den meisten Nutzern fehlt jedes Bewusstsein, dass ein Klick auf den Teilen-Button sie zu Urheberrechtsverletzern machen kann,“ sagt Schwenke. Bis zu 1.000 Euro können fällig werden für ein gedankenlos hochgeladenes Bild.

Abmahnungen drohen selbst dann, wenn der Nutzer gar kein Bild postet, sondern nur den Link zu einem Artikel, sagt Medienanwalt Christian Solmecke. Denn Netzwerke wie Facebook oder Google Plus zeigen automatisch ein kleines Vorschaubild auf der Pinnwand des Nutzers an, wenn dieser einen Artikel verlinkt. „Doch diese Bilder sind im Allgemeinen urheberrechtlich geschützt – und so begehen Nutzer eine Urheberrechtsverletzung.“

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Die durchschnittliche Facebook-Pinnwand eines Teenagers schätzt Medienanwalt Solmecke auf einen Wert von 10.000 Euro – an potenziellen Abmahngebühren. Auch ein Link zu einem Youtube-Video kann zur Gefahr werden.

Das Problem: Postet der Nutzer den Link zu einem illegal eingestellten Musikvideo, bettet Facebook das illegale Musikvideo automatisch in einem Player auf der Pinnwand ein. „Auch wenn der Nutzer nicht wusste, dass das Video illegal eingestellt wurde, wird er rechtlich gesehen zum Täter – und haftet sogar in größerem Ausmaß als Youtube selbst.“

Denn die Video-Plattform selbst stellt nur die Technik zur Verbreitung des illegalen Videos zur Verfügung. Entfernt sie den Clip nach Inkenntnissetzung über die Rechtsverletzung, droht ihr keine Strafe. Anders der Facebook-Nutzer, der das Youtube-Video auf seiner Pinnwand geteilt hat. Er gilt als Täter, da er das Video aktiv verbreitet hat.

Weiter: Schon ein Zitat kann unters Urheberrecht fallen

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