02.02.2012

Verkehrsunternehmen: Schwarzfahrer sollen mehr zahlen

Von Peter Kirnich
Schwarzfahren soll künftig teurer werden.
Schwarzfahren soll künftig teurer werden.
Foto: imago stock&people

Jährlich fahren rund 340 Millionen Menschen schwarz und richten damit einen Millionen-Schaden für die Verkehrsunternehmen an. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen sieht die Belastungsgrenze erreicht und fordert Konsequenzen.

Jedes Hobby hat seinen Preis – bei uns kostet es nur 40 Euro. Schwarzfahrer-Humor. Rund 340 Millionen Menschen nutzen jährlich Busse und Bahnen des öffentlichen Nahverkehrs, ohne dafür zu bezahlen. Das sind 3,5 Prozent aller Reisenden. Für viele ist Schwarzfahren ein Kavaliersdelikt, für die Unternehmen indes eine teure Angelegenheit: „Ihnen entgehen dadurch pro Jahr bis zu 250 Millionen Euro an Einnahmen“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen, Oliver Wolff, am Mittwoch. Hinzu kämen Kosten von 100 Millionen Euro für den Einsatz von Kontrolleuren. „Das sind 350 Millionen Euro, die die Unternehmen jedes Jahr kompensieren müssen.“

Die Zeche dafür zahlten nicht nur sie, sondern auch die ehrlichen Kunden durch höhere Fahrpreise und die Kommunen, die das Defizit ausgleichen müssten. Für die Branche sei das ein unhaltbarer Zustand. Der VDV appellierte an Bund und Landesregierungen, die Strafen für Schwarzfahrer deutlich zu erhöhen. Bisher müssen Reisende, die ohne Ticket ertappt werden, 40 Euro Strafe zahlen. Künftig sollten Unternehmen 60 Euro und bei Wiederholungstätern 120 Euro Strafe erheben dürfen, schlug der Verband vor. „Nur so kann die Abschreckungswirkung gerade für notorische Schwarzfahrer deutlich erhöht werden“, so Wolff.

Das Strafgeld wird von den Verkehrsunternehmen eingetrieben und verbleibt in deren Kasse. Die bisherige Strafe von 40 Euro entspreche in etwa dem Fahrpreis von 16 Fahrten in der Stadt. Wolff: „Damit erzielt man kaum Abschreckung, das rechnet sich vielmehr für Schwarzfahrer.“

RMV plädiert für Staffelung

Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) hält höhere Strafen bei Wiederholung durchaus für sinnvoll. „Wir könnten uns eine Staffelung der Strafen für notorische Schwarzfahrer vorstellen“, sagte RMV-Sprecher Peter Vollmer. „Man muss aber mit viel Fingerspitzengefühl vorgehen, zumal es auch Reisende gibt, die ihr Ticket einfach mal vergessen haben oder die sich sofort einsichtig zeigen.“ Genau so wichtig sei es, die Kontrollen zu verstärken. Im RMV liege die Schwarzfahrerquote „schätzungsweise zwischen vier und sieben Prozent“. Jedes Prozent mehr Fahrgäste mit Fahrschein bedeute Mehreinnahmen von sieben Millionen Euro.

Der Verkehrsexperte und Europa-Abgeordnete der Grünen, Michael Cramer, lehnt höhere Strafen ab: „40 Euro sind genug. Viele Schwarzfahrer sind nicht einmal in der Lage, diese Strafe zu zahlen.“ Zudem sei er für eine Gleichbehandlung von Schwarzfahrern und Schwarzparkern. „Es kann nicht sein, dass Schwarzfahrer 40 Euro und Autofahrer, die einen ganzen Tag lang falsch parken, nur 25 Euro bezahlen müssen.“

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