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Vorerst keine Streiks: Lufthansa und Flugbegleiter einigen sich auf Kompromiss

Der Streit über Gehalt und Rente zwischen der Lufthansa und ihren Flugbegleitern ist beigelegt.

Der Streit über Gehalt und Rente zwischen der Lufthansa und ihren Flugbegleitern ist beigelegt.

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dpa

Das Statement von Nicoley Baublies kommt etwas technokratisch geschraubt daher: Es sei gelungen, offene Fragen „einem Lösungsmechanismus zuzuführen“ und den Mitarbeitern Planungssicherheit zu geben, so der Chef der Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO. Dahinter steckt ein ganz großer Schritt zu einer Einigung in einem der härtesten Tarifkonflikte in der Geschichte der deutschen Luftfahrt. Kabinen-Personal gegen Lufthansa-Management.

Noch ist nicht alles unter Dach und Fach. Aber Baublies‘ Aussage macht deutlich, dass beide Seiten nun bereit sind, einen Kompromiss auszuhandeln. Das sah lange ganz anders aus.

Fest steht, für die Flugbegleiter gibt es mehr Geld: Erstens gibt es eine Einmalzahlung von 3000 Euro für das vergangene Jahr und rückwirkend zum 1. Januar und bis Ende September einen Aufschlag von 2,2 Prozent. Auch bei der komplexen Materie der Betriebsrenten für die Kabinen-Crews wurde ein Konsens gefunden. Eine Vereinbarung sei bereits unterzeichnet, teilt die Lufthansa mit, nennt aber keine Einzelheiten.

Strittige Details werden noch verhandelt

Allerdings gibt es da noch strittige Details. Die sollen bis zum 15. Februar verhandelt werden. Falls es keine Einigung gibt, werden diese Themen in einem Schlichtungsverfahren weiter diskutiert. Dabei soll auch darüber gesprochen werden, wie es vom 1. Oktober an mit der Bezahlung weitergeht. Als Schlichter agiert der frühere brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD). Sein Mandat läuft bis zum 30. Juni. So lange dürfen die Flugbegleiter auch nicht streiken.

In einer Art Parallelaktion wird zudem darüber gesprochen, wie es um die Flugbegleiter angesichts der neuen Lufthansa-Strategie künftig bestellt sein soll. Deutschlands größte Airline hat sich mit dem Jahresbeginn de facto in zwei Unternehmen geteilt. In einen europäischen Billigflieger, der Eurowings heißt und Ryanair und Easyjet Konkurrenz machen soll. Daneben gibt es nach wie vor die blau-gelbe Lufthansa-Klassik, die vor allem auf der Langstrecke reüssieren will.

Das Low-Cost-Prinzip funktioniert aber nur, wenn auch die Flugbegleiter weniger verdienen als die Kollegen der Nobel-Abteilung – das haben auch die UFO-Leute eingesehen. Aber Baublies und seine Mitstreiterinnen wollen erreichen, dass es für die Kabinen-Arbeiter Aufstiegsmöglichkeiten nebst Gehaltserhöhungen geben kann – von Eurowings zu den Blau-Gelben. Über Arbeitsbedingungen im Low-Cost-Segment und die Voraussetzungen für einen Wechsel innerhalb des Lufthansa-Konzerns hätten Gespräche bereits begonnen - begleitend zur Schlichtung. So die Lufthansa.

500.000 Passagiere waren betroffen

Es geht insgesamt um 19.000 Beschäftigte. Der allergrößte Teil davon streikte im November eine Woche lang. Es war der längste Arbeitskampf in der Geschichte der Lufthansa. Etwa 500.000 Passagiere waren von Flugausfällen betroffen. „Wir freuen uns sehr, dass wir die Schlichtung beginnen und an einem gemeinsamen Ziel arbeiten“, sagt Lufthansa-Personalvorstand Bettina Volkens.

Management und Gewerkschaft haben für die Zeit des Vermittlungsverfahrens ein striktes Schweigegelübde abgelegt. Das ist Platzeck extrem wichtig: „Das Motto lautet: Schlichten und Schweigen.“ Mit diesem Prinzip war er voriges Jahr gemeinsam mit Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) extrem erfolgreich. Die beiden schafften es, als Schlichter im extrem verfahrenen Konflikt um die Lokführer der Deutschen Bahn einen Tarifvertrag zu zimmern.