Neuer Inhalt
Berliner Zeitung | Wirtschaft und Technologie: Berlin hat Nachholbedarf auf der digitalen Autobahn
26. January 2016
http://www.berliner-zeitung.de/23565880
©

Wirtschaft und Technologie: Berlin hat Nachholbedarf auf der digitalen Autobahn

Willkommen: Am Hightech-Standort ist noch Platz für kreative Firmen.

Willkommen: Am Hightech-Standort ist noch Platz für kreative Firmen.

Foto:

WISTA

Berlins Anziehungskraft als Standort für innovative Unternehmen ist ungebrochen. Beispielsweise in der Games-Branche: Im vergangenen Jahr siedelten sich fünf Spiele-Entwickler aus Japan und Korea in der Hauptstadt an. Rund 300 neue Arbeitsplätze entstehen. Oder in der Energietechnik: Die Interbran Systems AG aus Karlsruhe eröffnete in Adlershof einen Produktions-und Vertriebsstandort.

Das Unternehmen entwickelt und fertigt hocheffiziente Wärmedämmverbundsysteme und schafft 40 neue Stellen. Aber auch Berliner Unternehmen expandieren. Das Institut für Produktqualität (ifp) nutzt ebenfalls das Potenzial des Hochtechnologie-Standortes Adlershof und hat dort nach seinem Umzug in einen Neubau bereits einen Anbau für weitere Mitarbeiter fertiggestellt. Das ifp analysiert Lebens- und Futtermittel, Trinkwasser und Arzneimittel.

Wachstum höher als im Bund

All das sind Beispiele für Neuansiedlungen und Erweiterungen von Firmen in Berlin, die mit Hilfe der Förderer von Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie im zurückliegenden Jahr realisiert wurden. Die Bilanz fällt erneut besser als im Vorjahr aus. Die Gesellschaft engagierte sich in 289 Projekten, 55 mehr als im Vorjahr, wie sie am Montag in Berlin mitteilte. Darunter waren 99 Ansiedlungen von Unternehmen (Vorjahr: 58), bei den übrigen ging es um den Ausbau von Standorten. Etwa die Hälfte der Unternehmen stammt aus Deutschland, ein weiteres Viertel aus Westeuropa. Das Investitionsvolumen summiere sich bis 2017 auf 723 Millionen Euro – ein Plus von einem Viertel im Vergleich zu den Ergebnissen aus dem Jahr 2014.

Von allen Projekten zusammen erwartet Berlin Partner 6 650 neue Arbeitsplätze. Das aber sind nur die direkt geschaffenen Stellen. Weil alle Unternehmen Zulieferer und Dienstleister brauchen, schätzt Berlin Partner, dass in der Folge weitere knapp 6000 Arbeitsplätze in Berliner Firmen neu geschaffen oder zumindest gesichert werden.

„Immer mehr nationale und internationale Unternehmen siedeln in Berlin ihre Entwicklungs- und Innovationszentren an“, sagte Berliner-Partner-Geschäftsführer Stefan Franzke. Mit Hilfe der Berliner Start-up-Szene führten sie ihre Unternehmen „aus Berlin heraus ins digitale Zeitalter“. Auf den Bereich Informationstechnologien/Kommunikation beziehungsweise die Digitalbranche entfällt sowohl bei den Investitionen als auch bei den neuen Stellen der größte Anteil.

Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer hob denn auch die „enorme wirtschaftliche Dynamik“ hervor, die in der Stadt herrsche, und von der auch die Millioneninvestitionen der Konzerne Daimler, General Electric und BMW zeugten. Die Wirtschaftsleistung in Berlin habe sich im vergangenen Jahr um 2,2 Prozent erhöht, was klar über dem Bundesdurchschnitt von 1,7 Prozent liege. Sie betonte, dass die Wirtschaftsverwaltung „die Zukunftsthemen früh erkannt und entsprechende Rahmenbedingungen gesetzt“ habe. Der Erfolg zeige sich unter anderem daran, dass in keine andere europäische Stadt soviel Wagniskapital wie nach Berlin geflossen sei.

Flächendeckendes WLAN

Es gehe allerdings auch darum, jetzt „gemeinsam die notwendige digitale Infrastruktur für die Wirtschaft zur Verfügung zu stellen“, sagte Yzer. Zwar sei die Daten-Versorgung mit 50 Mbit fast überall in der Stadt gewährleistet, nur in den Randbezirken noch nicht. Die digitalen Zentren in der Stadt müssten aber mit mindestens 200 Mbit versorgt werden. Darüber sei man mit den Telekommunikationsfirmen im Gespräch. „Die digitale Ausstattung der Stadt ist eine Gesamtaufgabe des Senats“, betonte sie. Entsprechende Bundesmittel müssten auch ausgegeben werden. Dass Berlin die Digitalhauptstadt Deutschlands sei, habe man in erster Linie den Firmen zu verdanken.

„Berlin hat Nachholbedarf“, sagte die Senatorin. So sei derzeit eine Arbeit mit Echtzeitdaten noch nicht möglich. Sie forderte zugleich ein flächendeckendes WLAN in der Innenstadt. Es sei zwar zu begrüßen, dass es demnächst kostenfreie Hotspots geben werde, diese seien aber nicht ausreichend. Außerdem würden sie, wenn sie erst einmal in Aktion sind, den Bedarf der Nutzer auf jeden Fall erhöhen.