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Wissenschaftsförderung in Berlin: Neues Gründerzentrum der TU Berlin

Firmengründer Benjamin Westerheide von der Firma Siut.

Firmengründer Benjamin Westerheide von der Firma Siut.

Foto:

Berliner Zeitung/Tobias Miller

Berlin -

Einen schöneren Platz, um den Epochenwandel zu demonstrieren, kann man in Berlin fast nicht finden: Direkt am tristen Ernst-Reuter-Platz entsteht in den leer stehenden Räumen des Fachbereichs Bergbau und Hüttenwesen (gibt es wirklich) das neue Gründerzentrum der Technischen Universität. Existenzgründer wie Studenten sollen dort Produkte entwickeln, in der künftigen Prototypen-Werkstatt bauen und erste Schritte in die Selbstständigkeit wagen.

Die Technische Universität war schon in der Vergangenheit erfolgreich bei Ausgründungen aus ihren Forscherreihen. Stolz erinnerte Präsident Christian Thomsen am Dienstag daran, dass TU-Gründer mindestens 20.000 Arbeitsplätze geschaffen haben und zuletzt Umsätze von rund 2,7 Milliarden Euro pro Jahr verbuchten. Und diese Zahlen sind schon zwei Jahre alt.

„Der Bedarf an Gründerzentren ist sehr hoch“, erklärte Thomsen in den noch unfertigen Räumen im Erdgeschoss des TU-Gebäudes. Solche geschützten Räume seien gerade in der Anfangsphase eines Unternehmens wichtig, sagte der Regierende Bürgermeister Michael Müller, der mit Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (beide SPD) den Umbau quasi eröffnete. Berlin brauche mehr solcher Gründerzentren. Das werde, angesichts knapper werdender Flächen und möglicher Nachbarschaftskonflikte, nicht einfacher, sagte Müller. Für die Entwicklung der Stadt sei es aber zentral.

Wissenschaftler haben in der Regel keine Ahnung von Wirtschaft

Das Land ist mit 2,7 Millionen Euro der größte Geldgeber für das neue Gründerzentrum der TNeuesU. Das Geld sind frei gewordene Bafög-Mittel. Dazu hat die Uni noch 230.000 Euro eingetrieben, unter anderem von der Volksbank. „Gute Ideen brauchen Platz“, sagte Carsten Jung, Vorstandsvize der Berliner Volksbank. Ihn freue vor allem, dass gerade in den TU-Gründerzentren nicht nur weitere E-Commerce-Apps entstehen.

Sondern was Handfesteres, meinte er wohl damit. Wie etwa die Betonplatte, die Vincent Genz und Benjamin Westerheide von der Firma Siut präsentierten. Per Knopfdruck leuchten kleine Punkte in der Platte, sie können Zierde sein, aber auch Wegweiser zum Beispiel zu Notausgängen. Es gibt keine Kabel, man sieht keine Glühlampen.

Wie das funktioniert? „Sagen wir erst, wenn unser Patentverfahren abgeschlossen ist“, sagt Westerheide. Dann hofft man auch auf öffentliche Aufträge.

Matan Beery ist schon weiter. Der frühere TU-Wissenschaftler hat ein Verfahren zur Wasseraufbereitung entwickelt, das rund 90 Prozent weniger Energie benötigt als herkömmliche Verfahren. 20 Mitarbeiter hat er bereits. Gründerzentren an Universitäten seien wichtig, sagt er, „weil Wissenschaftler in der Regel keine Ahnung von Wirtschaft haben“.

Die TU ist nicht das einzige aktuelle Start-up-Projekt im Westen. Der Regierende Bürgermeister musste nur wenige Schritte gehen, bis er in der Bismarck-Straße im ehemaligen Gerling-Haus das Charlottenburger Gründungs- und Innovationszentrum erreichte. Betrieben wird es von der Adlershofer Wista-Tochter Innovationszentrum Berlin-Managment GmbH. Das wird noch eine Nummer größer, offizielle Eröffnung ist im September. 50 Start-ups arbeiten schon in dem Haus, damit sind 80 Prozent der 5500 Quadratmeter Fläche belegt.