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Zukunftsdialog: Gründen mit Erfolg

Zukunftsdialog im Berliner Verlag.

Zukunftsdialog im Berliner Verlag.

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Berliner Zeitung/Gerd Engelsmann

Berlin -

Einen Titel kann der Wirtschaftsstandort Berlin seit vielen Jahren mit vollem Recht für sich reklamieren: den der Gründer-Hauptstadt Deutschlands. Nirgendwo anders machen sich so viele Menschen selbstständig und gründen ihr eigenes Unternehmen wie in Berlin. 2011 wagten fast 45.000 diesen Schritt. Im ersten Halbjahr folgten ihnen weitere 22.500 Gründer. Gerade im Bereich Informationstechnologie/Kommunikation/Internet sehen viele in Berlin schon das Silicon Valley von Europa.

Grund genug, sich genauer mit dem Unternehmergeist in Berlin zu befassen. „Selbstständig machen – und bleiben“ war das Thema des Zukunftsdialogs, zu dem Berliner Zeitung und Berliner Bank am Dienstagabend in das Haus des Berliner Verlages am Alexanderplatz eingeladen hatten. Welche Probleme haben Neugründer, welche Lösungen gibt es, und wie bleibt man im Wettbewerb erfolgreich? 150 Gäste waren zur Veranstaltung gekommen, die Robert Heusinger, stellvertretender Chefredakteur der Berliner Zeitung, moderierte.

13.500 Arbeitsplätze dank Neugründern

In seinem Impulsvortrag unterstrich Jürgen Werner, Mitglied der Geschäftsleitung der Berliner Bank, die enorme Bedeutung der Gründer für die Stadt. Zwar würde nur etwa jeder Vierte schon im ersten Jahr Mitarbeiter einstellen, aber diese Unternehmen schaffen im Schnitt 3,3 zusätzliche Stellen. Neugründer hätten damit allein im Jahr 2011 netto fast 13.500 Arbeitsplätze geschaffen.

Werner sprach sich dafür aus, an allen Universitäten einen „Grundkurs Entrepeneurship“ zur Pflicht zu machen. Gleichzeitig sah er großes Potenzial für Frauen, sich selbstständig zu machen. Nur jeder dritte Gründer ist eine Frau, aber sie würden mit Geld risikobewusst umgehen, ihre Finanzplanung genau durchdenken und ihre Gründungsprojekte besonders reiflich abwägen.

Das fand Unterstützung bei Gisela Pfeifer-Mellar, Geschäftsführerin der Goldnetz gGmbH. 1991gegründet, bietet das Unternehmen Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen an und unterstützt Erwerbslose bei der beruflichen Neuorientierung. Pfeifer-Mellar betonte, wie wichtig ein gutes Team für die Firma ist und dass man klare Entscheidungen treffen und kommunizieren muss, auch wenn die wie in Personalfragen „keinen Spaß machen“. Goldnetz hat derzeit rund 1000 Teilnehmer in verschiedenen Projekten.

Berlins gutes Gründer-Klima

Bartosz Kazimierz Kosmecki, geschäftsführender Gesellschafter der Scopis GmbH, stellte in der anregenden Diskussion das gute Klima für Gründer in Berlin heraus. Sein Unternehmen stellt hochgenaue, laserbasierte Mess- und Navigationssysteme für die minimal-invasive Chirurgie her. Er habe beispielsweise bei seinem Wechsel auf die Unternehmerseite über das Gründernetzwerk an der TU Berlin erfahren, dass es ein Stipendium im Bereich des Forschungstransfers gibt. Das habe mitgeholfen, einen Prototypen herzustellen, mit dem man weitere Geldgeber gewinnen konnte. Inzwischen hat Scopis die Gewinnschwelle erreicht.

Heinrich Alt, Vorstand der Bundesagentur für Arbeit, machte auf ein Problem des Gründertums aufmerksam. Es gebe in Deutschland 127.000 Selbstständige, deren Einkommen nicht für den Lebensunterhalt reicht. 20.000 davon kommen aus Berlin. Sie müssten zugleich Leistungen aus der Grundsicherung, also aus Hartz IV beziehen.

Alt schlug vor, eine Grenze zu ziehen: Nach einem oder zwei Jahren müsse klar sein, ob man selbst genug verdient oder man müsse wieder dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Alt zeigte sich auch ein wenig skeptisch, ob Deutschland schon die richtige Willkommenskultur für Selbstständige habe. Jeder, der scheitere, müsse auch eine zweite Chance bekommen.



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