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Akademie der Wissenschaften Martin Grötschel: Ein lebensnaher Mathematiker

Martin Grötschel, neuer Akademie-Präsident

Martin Grötschel, neuer Akademie-Präsident

Die Mathematik muss sich öffnen, hinein ins Leben! Das forderte Martin Grötschel schon vor zwei Jahrzehnten. Dass Berlin heute die Welt-Hauptstadt der angewandten Mathematik ist, verdankt die Stadt auch diesem Mann, der am Freitag zum neuen Präsidenten der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) gewählt worden ist. Grötschel löst den Physiologen Günter Stock ab, dessen zehnjährige Amtszeit 2015 endet.

Bereits während seines Mathe-Studiums in Bochum hatte Grötschel, 1948 im westfälischen Schwelm geboren, den Spaß an der Anwendung seines Fachs entdeckt. Inzwischen findet sich – auch dank seiner Arbeiten – Mathematik in effizienteren Fahrplänen, Mobilfunknetzen, Aufzugssystemen, Produktionsabläufen oder Risikomodellen für Banken wieder.

Grötschel, der schon mit 34 Jahren Professor in Augsburg wurde, wird als Frohnatur beschrieben, als einsatzfreudiger Reformer. Unablässig knüpfte er Kontakte, warb für seine Ideen, hielt Vorträge. Oft blieben dem Vater dreier Töchter nur die Nächte, um mathematisch zu arbeiten.

Es war ein Glücksfall, dass er vor 23 Jahren nach Berlin kam, auf einen Lehrstuhl an der Technischen Universität (TU). Er ist Präsident des Konrad-Zuse-Zentrums und wurde 2007 – als erster Deutscher – Generalsekretär der Internationalen Mathematischen Union. Als Mitbegründer des Matheon-Zentrums tat er viel für die Vernetzung von Universitäten und Instituten in der Hauptstadt. Hier werden mathematische Lösungen für praktische Probleme gesucht. Für sein Wirken erhielt Grötschel im Jahre 2008 als Erster überhaupt den Berliner Wissenschaftspreis.

„Ich war viele Jahre lang in erster Linie Forscher und Professor“, sagte er 2011. Doch irgendwann müsse man der Wissenschaft etwas zurückgeben und Verantwortung übernehmen. Bereits 2009 bewarb er sich für das Präsidentenamt an der TU Berlin. Er scheiterte knapp, obwohl ihn viele Forscher unterstützten. Schließlich übernahm er den Vorsitz der Berliner Einstein-Stiftung, die hochkarätige Forscher aus aller Welt an Berlin binden will – und zwar auf Gebieten, die in die Forschungslandschaft Berlins passen. Die Stiftung fördert etwa die Antikeforschung oder das erste deutsch-israelische Graduiertenkolleg zum Thema Menschenrechte. Und natürlich auch die Mathematik. Nun wird Martin Grötschel seine Zeichen auch als Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie setzen, der er seit fast zwanzig Jahren angehört.