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Alkoholkonsum: Auch in Maßen ist Alkohol nicht gesund

Das Gläschen in Ehren ist, anders als bislang angenommen, nicht förderlich für die Gesundheit. Nur schadet es auch nicht unbedingt - jedenfalls nicht, wenn man ohnehin gesund ist.

Das Gläschen in Ehren ist, anders als bislang angenommen, nicht förderlich für die Gesundheit. Nur schadet es auch nicht unbedingt - jedenfalls nicht, wenn man ohnehin gesund ist.

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dpa/Uwe Anspach

Das viel zitierte Gläschen in Ehren wollen Wissenschaftler auch künftig den Leuten nicht verwehren. Sie hegen jedoch zunehmend Zweifel daran, ob moderater Alkoholkonsum tatsächlich vor bestimmten Erkrankungen schützt – wie eine Reihe von Studien es in der Vergangenheit gezeigt hat.

Ein Team um Manuela Bergmann und Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke wollte es genau wissen und hat sich den Datenschatz der europaweiten Epic-Studie vorgeknöpft, die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Krebs und anderen chronischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes untersucht. Die Forscher analysierte Angaben zur Gesundheit und zum Trinkverhalten von mehr als 380.000 Männern und Frauen. Dabei berücksichtigten sie, anders als in vielen anderen Studien, auch das frühere Trinkverhalten der Probanden vom zwanzigsten Lebensjahr an.

Gesunde verkraften maßvollen Konsum

Ihr Fazit: Wer vom 20. Lebensjahr an durchschnittlich nicht mehr als die maximal empfohlene Menge Alkohol pro Tag konsumiert, hat ein um 9 bis 14 Prozent vermindertes Sterberisiko. Vor allem das Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben, war in dieser Personengruppe vermindert. Daraus schließen Bergmann und ihre Kollegen aber nicht, dass moderater Alkoholkonsum das Herz schützt. „Denn wir haben diesen günstigen Zusammenhang nur bei Menschen beobachtet, die zu Beginn der Studie gesund waren und auch in ihrer Vergangenheit nie zu den Vieltrinkern zählten“, erläutert die Epidemiologin.

Man könnte es demnach auch so formulieren: Nur solche Teilnehmer, die bei Studieneintritt nicht an Bluthochdruck, Diabetes, Krebs, Herzinfarkt oder Schlaganfall erkrankt waren und die moderate Mengen Alkohol konsumierten, hatten ein geringeres Sterberisiko. „Unsere Ergebnisse bestärken die Vermutung, dass gesunde Menschen Alkohol in moderaten Mengen ohne größere nachteilige Folgen für ihre Gesundheit verkraften, der Alkohol aber nicht die Ursache für ihre Gesundheit ist“, ergänzt Heiner Boeing.

Glas Rotwein ist nicht gesundheitsfördernd

Auch Jugendsünden vergisst der Körper offenbar nicht, geht aus der in der Fachzeitschrift International Journal of Epidemiology veröffentlichten Studie hervor: „Ehemalige Vieltrinker, die zu Beginn der Studie nur noch ein bis zwei Gläser Alkohol pro Tag konsumierten, hatten dennoch ein deutlich erhöhtes Sterberisiko im Vergleich zu Personen, die lebenslang nicht über diese Trinkmenge kamen“, sagt Manuela Bergmann. Ehemalige Vieltrinker hatten ein 7-fach erhöhtes Risiko, an bestimmten alkoholbedingten Todesursachen zu sterben, ihr Risiko, an einer koronaren Herzerkrankung, Krebs oder einer anderen Erkrankung zu sterben, war 1,2- bis 1,8-fach erhöht.

Manuela Bergmann will es niemandem vermiesen, ab und zu ein Glas Rotwein zu trinken. „Man muss sich dabei nicht unbedingt einbilden, etwas für die Gesundheit zu tun“, sagt sie. „Es schadet aber auch nicht, wenn ansonsten alles im Lot ist.“

Als Grenze für moderaten Alkoholkonsum gilt für Frauen nicht mehr als ein Glas Wein, Bier oder Schnaps am Tag, Männer dürfen sich ohne schlechtes Gewissen auch zwei Gläser genehmigen. Bergmann: „Es sollte aber nicht täglich sein. Und sich die Rationen fürs Wochenende aufzusparen und dann alle auf einmal zu trinken ist auch nicht empfehlenswert.“



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