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Ausbildung: Lehrerberuf für die Besten nicht attraktiv

Lehrerin an der Tafel: Zu wenig Männer wollen Lehrer werden.

Lehrerin an der Tafel: Zu wenig Männer wollen Lehrer werden.

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dpa

Jahrelang die Schulbank drücken, um anschließend selbst Lehrer zu werden? Vor den Reihen stehen, statt in den Reihen sitzen? Lieber nicht, finden ausgerechnet die besten Schüler Deutschlands. Nur 17 Prozent aller guten Abiturienten können sich vorstellen, Lehrer zu werden. Das geht aus dem am Mittwoch in Berlin vorgestellten Hochschulbildungs-Report vor, der vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und dem Unternehmen McKinsey in Auftrag gegeben wurde.

Demnach erscheint der Lehrerberuf für die meisten unattraktiv, weil er keine Karrierechancen bietet: Nur 28 Prozent der befragten 500 Abiturienten gehen davon aus, dass es im Lehrerberuf gute Aufstiegsmöglichkeiten gibt – rund 80 Prozent bezeichnen diese aber als wichtig für die Berufswahl. Erschreckend sei, so Volker Meyer-Guckel vom Stifterverband, „dass ein Großteil der Schüler, die am Lehrerberuf interessiert sind, nicht davon ausgeht, vor einer größeren Gruppe von Menschen reden zu können.“ Nur 13 Prozent der ohnehin wenigen, die sich vorstellen können, später vor einer Klasse zu stehen, glauben, dass sie sich gut durchsetzen können. Zudem wollen der Umfrage zufolge nicht die Lehrer werden, die gut in der Schule abschneiden – sondern die, die mittelmäßige Noten haben. Während fast die Hälfte aller Abiturienten mit einer Durchschnittsnote zwischen 2,1 und 4,0 am Lehrerberuf „eher“ bis „sehr“ interessiert ist, trifft dies nur für 38 Prozent der Abiturienten mit einem Schnitt zwischen 1,0 und 2,0 zu. Noch immer gebe es der Umfrage zufolge zu wenig Männer, die Lehrer werden möchten.

Der Stifterverband fordert als Konsequenz aus den Ergebnissen, die Aufstiegsmöglichkeiten für Lehrer auszubauen. Zudem regt er an, neue Berufe wie Unterrichtsassistenten einzuführen, um Lehrer zu entlasten. Auch der Praxisbezug des Studiums sollte nach Ansicht der Autoren verbessert werden. „Die Ergebnisse müssen uns wachrütteln“, sagte Meyer-Guckel.

Zu wenig praxisorientiert

Und damit nicht genug: Kritisiert wird in der Studie zudem, dass es im gesamten Hochschulsystem im Vergleich zu den Vorjahren keine ausreichenden Verbesserungen gegeben habe. Demnach sei für Studenten bezahlbarer Wohnraum vielerorts noch immer Mangelware. Generell werde an Unis darüber geklagt, dass die Studiengänge zu wenig praxisorientiert sind. Zudem gebe es dem Bericht zufolge nach wie vor zu wenig Absolventen der mathematischen und technischen Fächer.

Mit der höchsten Abbrecherquote hätten die Institute für Elektrotechnik zu kämpfen – mehr als die Hälfte der Studenten dieses Fachs würden es vorzeitig beenden. Etwas besser sieht es dafür in puncto Chancengleichheit aus: Bildungsferne Schichten würden besser betreut als früher. Positiv erwähnt wird außerdem, dass die Zahl der Studenten aus EU-Krisenländern wachse. „Deutsche Hochschulen sind attraktiv für ausländische Studenten“, heißt es in dem Papier.

Um zu ihrem Urteil zu gelangen, werteten die Autoren verschiedene Statistiken aus – und analysierten wie sich das Hochschulsystem entwickelt.