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Beschleuniger Fair will mit Teilchen die Welt erklären

Ein Computerbild des Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung (GSI) in Darmstadt und die geplante Anlage des Teilchenbeschleunigers FAIR (oben rechts). Foto: FAIR GmbH

Ein Computerbild des Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung (GSI) in Darmstadt und die geplante Anlage des Teilchenbeschleunigers FAIR (oben rechts). Foto: FAIR GmbH

Darmstadt. Eines der weltweit größten Vorhaben für die physikalische Grundlagenforschung hat eine entscheidende Hürde genommen.

In dem teilweise unterirdischen Teilchenbeschleuniger Fair in Darmstadt wollen Forscher ab 2018 besonders präzise und intensive Strahlen von Antiprotonen und Ionen erzeugen, um die letzten Geheimnisse des Universums zu lösen.

Hessens Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU) übergab am Dienstag die erste strahlenschutzrechtliche Teilerrichtungsgenehmigung. Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) teilte mit: «Fair wird der Wissenschaft neue, weltweit einzigartige Forschungsmöglichkeiten bieten. Deutschland sichert sich mit seiner Beteiligung langfristig einen Spitzenplatz in der physikalischen Grundlagenforschung.»

Fair steht für «Facility for Antiproton and Ion Research in Europe». Rund 3000 Wissenschaftler aus über 50 Ländern wollen damit Rätsel um verschiedene Eigenschaften von Materie lösen, «die wir bisher noch überhaupt nicht verstehen», wie Forschungsdirektor Professor Günther Rosner sagte. «Es geht nicht nur um den Urknall, sondern auch um die bestehende Welt.» Beantwortet werden sollen aber auch Fragen wie «Warum existieren wir überhaupt?» oder «Wie ist das Universum vor etwa 13,8 Milliarden Jahren entstanden?»

Die Gesamtkosten bis 2018 werden auf rund 1,6 Milliarden Euro geschätzt. An dem Projekt sind bisher neun Nationen beteiligt. In unmittelbarer Nachbarschaft des GSI Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung wird eine 20 Hektar große Fläche genutzt. Hier entstehen Forschungsgebäude, die wegen der Strahlung bei dem Projekt bis zu acht Meter dicke Betonwände haben.

Zunächst werden die Teilchen im alten Teil der Anlage beschleunigt. Im neuen runden Doppelringbeschleuniger von Fair geben Elektro-Magnetfehler ihnen dann noch mehr Tempo. Schließlich rasen sie in die Forschungsgebäude, prallen dort auf eine Zielscheibe, zersplittern, lösen Reaktionen aus. Dabei entsteht pro Teilchen etwa eine Billion Mal so viel Energie wie bei einem Aufprall eines Autos gegen einen Baum.

Da die Forschungsgebäude durch ihre massiven Betonwände zwar die Strahlung abfangen, aber auch enorm schwer sind, würden sie im Boden versinken. Im Herbst werden deshalb 1500 Löcher gebohrt und mit Beton gefüllt - auf diesen Stützen sollen die Gebäude dann sicher stehen. Das 1,1 Kilometer lange Herzstück von Fair, der kreisförmige Beschleuniger, wird 10 bis 15 Meter unter der Erde verlegt - natürlich mit extra dicken Betonwänden. «Spaziergänger können auf dem Beschleuniger rumlaufen und picknicken», sagte Rosner. (dpa)