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Erforschung der Badekultur: Planschen gegen den Stress

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Geselliges Beisammensein: So stellte sich der Maler Lawrence Alma-Tadema
im 19. Jahrhundert die römischen Caracalla-Therme vor.

Foto:

imago/United Archives Internatio

Sie duften nach Lavendel oder Kakao und versprechen ein paar Minuten wohliges Glück. Badeöle und -salze gibt es mittlerweile in zig Varianten. Die Freude am Baden ist aber kein Phänomen der Neuzeit, sondern mehr als 2000 Jahre alt. Archäologin Monika Trümper erforscht die Entwicklung von Technik und Badepraktiken in der Antike. Dazu war sie bereits zu Ausgrabungen römischer Bäder in Pompeji sowie auf Sizilien, um antike Anlagen der Griechen zu untersuchen.

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Wunderbar erhalten: Die Stabianer-Therme in der antike Stadt Pompeji.

Foto:

imago/imagebroker

Auch mit der damaligen Körperkultur beschäftigt sich die Wissenschaftlerin der Freien Universität (FU) Berlin. „Nackt gebadet haben sowohl die Griechen als auch die Römer, wie Zeichnungen und Schriftquellen zeigen“, sagt Monika Trümper. Doch während die Griechen im Gymnasium auch nackt Sport machten, waren die Römer ausgesprochen prüde. „Deshalb ist es bemerkenswert, dass sie nackt und offenbar in öffentlichen Anlagen badeten“, erklärt die Forscherin.

Trennung von Männern und Frauen

Ausgiebige Bäder haben in der Antike aber Männer und Frauen genossen – jedoch meist in unterschiedlichen Räumen.“ Und die Herrentrakte waren gewöhnlich die schöneren und größeren“, sagt Trümper. Gab es keine separaten Bereiche, nutzten Männer und Frauen die Räume zu unterschiedlichen Zeiten. Offenbar badeten die Römer auch gemischt, was aber später durch den Kaiser verboten wurde. Das ließ sich aber nicht überall kontrollieren.

In den Bädern waren Menschen aus allen Bevölkerungsschichten anzutreffen, aber sie sind sich nicht auf Augenhöhe begegnet. „Die Verfassung der Körper sagt viel über Wohlstand und Lebenssituation der Menschen – damals wie heute“, sagt Monika Trümper. „Zum Beispiel, wenn sie wohlgenährt oder trainiert waren. Vielleicht sind die Reicheren auch von Sklaven umgeben gewesen. Den Unterschied wird man auf jeden Fall gesehen haben.“ Die Menschen kamen aus unterschiedlichen Gründen in die Bäder. „Viele Besucher kamen zur Reinigung, aber auch, um gesehen zu werden und Geschäfte abzumachen – das ist auch heute in Japan noch so“, sagt die FU-Forscherin. Denn viele Bäder waren nicht sehr groß, man konnte sich sehen und unterhalten. Baden hatte vor allem eine gesellige Komponente – es ging darum, Zeit miteinander zu verbringen. Doch schon in der Antike war die heilende Wirkung von Bädern und heißen Quellen bekannt. Monika Trümper vermutet, dass Thermal- und Kurbäder vor allem zur Behandlung von Rheuma sowie Gallen- und Nierenproblemen genutzt wurden.

Heilende Wirkung von Wasser

„Erst im 19. Jahrhundert haben einzelne Mediziner systematische Untersuchungen angestellt, wie zum Beispiel Sebastian Kneipp. Er hat genau beobachtet, welche Wirkung Wasser mit unterschiedlichen Eigenschaften hat“, sagt Almut Tempka, Oberärztin im Bereich Rehabilitation und physikalische Therapie an der Berliner Charité. Sie ist als Balneologin gleichzeitig Expertin für die therapeutische Anwendung von Bädern. „Die heilende Wirkung von Bädern und Wasseranwendungen kennt man aber schon seit Jahrtausenden. Die Vermischungen von Zusätzen und die Nutzung verschiedener Wassertemperaturen, war ein alltägliches Heilmittel.“

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Das Becken ist umgeben von prachtvollen Säulen. Ein römisches Bad im britischen Somerset.

Foto:

 imago/Joana Kruse

Dieses Wissen habe man vor allem durch Erfahrung gewonnen. Dass ein heißes Bad oder eine Wärmflasche bei Verspannung hilft, sei gemeinhin bekannt. „Wasser kann man auch mit anderen Substanzen vermischen, wie zum Beispiel Milch, die eine beruhigende Wirkung auf die Haut hat“, sagt Tempka. Schließlich habe die ägyptische Pharaonin Kleopatra nicht ohne Grund in Milch gebadet. Außerdem wird Wasser als Leitmittel genutzt, zum Beispiel für elektrischen Strom. „Damit kann man beispielsweise Spastiken und Durchblutungsstörungen beeinflussen“, sagt die Balneologin. Doch es gebe zu wenige Studien darüber, Geld und Interesse fehlten. Aber selbst die natürlichen Schwefel- und Solebäder hätten Menschen schon seit Jahrtausenden genutzt.

Besucher haben das Wannseebad genossen

„Die Bäderkultur wäre ohne Technik und Innovation aber nicht denkbar gewesen. Die Heiztechnik, die Wasser- und Gewölbetechnik wurden stetig weiter entwickelt“, sagt Monika Trümper. „Die Bäderanlagen, vor allem zur Römischen Zeit, müssen ein ästhetischer Genuss gewesen sein. Menschen seien auch dahin gegangen, weil die Bäder so schön ausgesehen haben. „Das ist vergleichbar mit Berlin: Es gibt zum Beispiel das schöne Wannseebad. Menschen, die damals in engen, dunklen Mietshäusern gewohnt haben, haben auch die Schönheit des Bades und in diesem Fall die freie Natur genossen“, sagt die FU-Forscherin.

Aber die öffentlichen Bäder waren anfangs nicht so gemütlich wie heutige Wellness-Oasen. „Zunächst hatten die Menschen Sitzbadewannen – das heißt sie saßen in einer kleinen, engen Wanne und hatten ein Gefäß, mit dem sie sich immer wieder warmes Wasser über den Körper gegossen haben. Also im Prinzip waren es Duschen“, sagt Trümper. „Später kamen Liegebadewannen dazu – ähnlich denen heute.“ Für die Geselligkeit wurden mehrere Wannen nebeneinandergestellt. Später kamen die großen Tauch- und Schwimmbecken. Unverzichtbar dafür waren Angestellte. „Das Badepersonal hat Wasser erhitzt und in die Baderäume gebracht. Sie mussten ständig heizen und Wasser erwärmen“, sagt Trümper. Auch dabei gab es Neuerungen: Von händischem Wasser holen mit Eimer aus der Zisterne hin zu Flaschenzug, später gab es Wasserräder mit Hebevorrichtung und große Pools mit Wasserleitungen.

Viele Schwimmbäder geschlossen

Heute zeigt sich jedoch ein anderes Bild. „Viele der Schwimm- und Thermalbäder, die in Deutschland in den 1960er-Jahren gebaut wurden, sind geschlossen oder desolat. Grund dafür ist oft die fehlende Finanzierung durch die Kommunen“, sagt Almut Tempka. „So können immer weniger Menschen regelmäßig schwimmen oder zur Wassergymnastik gehen. Dabei ist das ein toller Sport für alle Alters- und Gewichtsklassen.“

Strandbad Wannsee

Das Strandbad Wannsee gilt damals wie heute als begehrtes Ausflugsziel.

Foto:

imago/Stefan Zeitz

Zwar seien in den vergangenen Jahren viele Spa-Landschaften eröffnet worden. „Aber das nutzen meist auch nur Leute, die sich das leisten können. Außerdem hält man sich da nur für ein verlängertes Wochenende auf. Früher haben Bäderkuren drei bis sechs Wochen gedauert“, kritisiert Tempka. Auch das Bäder- und Kurwesen sei eingebrochen, da Krankenkassen und Rentenversicherer nur noch selten bezahlen. Doch es fehlt nicht nur an Geld, sondern auch an öffentlicher Bedeutung. „Die Gesellschaft ist schnelllebiger geworden. Sich in ein Bad zu begeben, hat keinen hohen Stellenwert mehr. Wenn man jeden Morgen 10000 Meter schwimmen würde, fänden das alle bewundernswert“, sagt Tempka. „Würde man einmal in der Woche in eine Schwebebad gehen, würden das viele Menschen eher schräg finden – und vielleicht auch denken, dass man faul ist.“ Das öffentliche Verständnis dafür, dass ein Mensch Entspannung braucht, ist auf der Strecke geblieben.

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