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Ergebnisse von US-Studie: Moral ist ansteckend

Fairness gilt im Sport als höchste moralische Einheit.

Fairness gilt im Sport als höchste moralische Einheit.

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dpa/Swen Pförtner

Moral wirkt ansteckend. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Sozialpsychologen Wilhelm Hofmann. „Wer sich gut behandelt fühlt, handelt mit hoher Wahrscheinlichkeit auch selbst so“, sagt der Kölner Wissenschaftler, der sich für seine Forschung in den USA einer neuen Methode bediente: 1200 Versuchsteilnehmern sandte er drei Tage lang jeweils fünf SMS mit der Bitte, in einem Online-Fragebogen zu notieren, welches moralische oder unmoralische Verhalten sie in der Stunde zuvor an den Tag gelegt oder bei anderen erlebt hätten.

Von insgesamt 13.000 Handlungen hatte nach Auskunft der Probanden etwa ein Drittel moralische Qualität. Dabei ging es konkret um Fairness, Wahrhaftigkeit, Loyalität, aber auch um so etwas wie „Anstand“. Am häufigsten nannten die Teilnehmer alles, was mit der Sorge für andere – oder negativ mit deren Schädigung – zu tun hat.

„Wir haben auf die momentane Selbstauskunft der Leute gesetzt und es bewusst vermieden, ihnen eine Vorgabe zu machen, was als moralisch zu gelten hat“, sagt Hofmann. Die Methode könnte einen Paradigmenwechsel in der Moralforschung einleiten. An die Stelle oftmals künstlicher „Was wäre, wenn“-Szenarien tritt die Frage nach den tatsächlichen Nettigkeiten und Boshaftigkeiten der Menschen in ihrem Alltag.

Sozialisation statt Religion

Ein weiterer interessanter Befund der feldpsychologischen Studie: Die Religiosität der Teilnehmer hatte kaum einen Einfluss darauf, wie häufig und wie stark sie im Alltag moralisch handelten. Selbst unabhängige Beurteiler fanden keinen Qualitätsunterschied in den Beschreibungen religiöser und nichtreligiöser Teilnehmer. Das könnte einen empirischen Beitrag zu der Debatte liefern, ob Religion notwendiges Fundament von Moral ist.

Denker wie Richard Dawkins bestreiten dies, indem sie auf die evolutionären Grundlagen moralischen Verhaltens und die Möglichkeit säkularer Moralregelwerke verweisen. Hofmann gibt zu bedenken: „Wir alle sind in unserer moralischen Entwicklung nachhaltig prägenden Sozialisationseinflüssen ausgesetzt, die in der Regel sowohl religiöse als auch säkulare Ursprünge haben.“

Auch den moralischen Ansteckungseffekt erklärt Hofmann mit der Macht der Sozialisation: „Wir haben es gelernt, Gutes mit Gutem zu erwidern. Das ist fast wie ein körperlicher Reflex.“ Dazu passt das Hochgefühl seiner Probanden nach moralischem Verhalten – am stärksten ausgeprägt dann, wenn ihnen selbst Gutes zuteil wurde. „Das Glückserleben steigt, wenn man sich moralisch gut behandelt fühlt“, so Hofmann. Hingegen stärke eigenes moralisches Verhalten vor allem die Erfahrung von Sinn im Leben.