01.02.2012

Ernährung: Leinöl - der Alleskönner

Von Oliver Ristau

Denn hierzulande ist die Fetternährung in einer Schieflage. Zwar nehmen die Deutschen laut Erhebungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) mit über 35 Prozent des täglichen Energiebedarfs mehr als genug Fett auf, allerdings vor allem qualitativ minderwertige gesättigte Fettsäuren sowie die in vielen Ölen vorkommenden einfach ungesättigten Säuren. Dagegen liegt der Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren bei den Meisten unter der Empfehlung von sieben Prozent. Die in Speiseölen in wesentlich höheren Konzentrationen vorhandenen Omega-6-Fettsäuren sollten laut DGE gegenüber den Omega-3-Vertretern idealerweise im Verhältnis 5:1 aufgenommen werden. Tatsächlich aber ist die Zufuhr der Omega-6-Vertreter sieben bis achtmal so hoch. Das bedeutet angesichts der ohnehin zu geringen Aufnahme von ungesättigten Fettsäuren, dass die meisten Menschen einen Mangel an Omega-3-Fettsäuren haben.

        

 Fruchtkapseln der reifen Leinpflanze.
Fruchtkapseln der reifen Leinpflanze.

Eine Alternative zur Deckung des notwendigen Bedarfs ist laut Lebensmittelchemiker Brühl Rapsöl, das allerdings mit einem Anteil von zehn Prozent deutlich weniger Linolensäure enthält als Leinöl. Daneben sind insbesondere Salzwasserfische Lieferanten von längerkettigen Omega-3-Fettsäuren.

Promilleanteil am Speiseölmarkt

Trotz der positiven Eigenschaften frischen Leinöls dominieren Raps, Soja, Sonnenblume und Olivenöl die Regale in den Supermärkten. Leinöl erreicht wie viele andere Spezialöle nur einen Promilleanteil am Speiseölmarkt. Doch immerhin: der Flachsanbau nimmt in Deutschland wieder zu. 2010 wuchs die Anbaufläche nach Auskunft des statistischen Bundesamtes das erste Mal seit vier Jahren, auch wenn sie mit 7 000 Hektar immer noch bei gerade einmal 0,5 Prozent der gesamten Fläche für Ölsaaten-Pflanzen in Deutschland lag.

Nach Auskunft des Bundesverbandes dezentraler Ölmühlen in Deutschland gibt es viele kleinere Ölmühlen, die sich verstärkt vom Biokraftstoff den Speiseölen zuwenden und dabei auch den Lein im Blick haben. Laut Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen hat sich die Verarbeitung von Lein und Leindotter bei den dezentralen Ölmühlen 2010 im Vergleich zum Vorjahr auf 1 200 Tonnen verdoppelt.

„Absolut betrachtet ist ein Produkt wie Leinöl zwar nur eine Nische“, sagt Geschäftsführer Ralf Gebhard. „Doch eine, über die kleinere Ölmühlen immer öfter sprechen.“

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