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Geschlechterlehre: Gesunde Faulheit zählt nicht mehr

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Ausgeprägtes Selbstbewusstsein: „Jungen sehen Lernanstrengung als Beweis für das Fehlen natürlicher Begabung – die sie für sich in Anspruch nehmen.“
Ausgeprägtes Selbstbewusstsein: „Jungen sehen Lernanstrengung als Beweis für das Fehlen natürlicher Begabung – die sie für sich in Anspruch nehmen.“
Foto: dpa

Wenn Mädchen häufiger Abitur als Jungen machen, könne man das nicht auf eine Krise der Junge zurückführen. Mädchen sind schlichtweg leistungsbereiter - zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls eine Studie des Wissenschaftszentrums Berlin.

Der Begriff von der Krise der Jungen geistert durch die Bildungsdebatte – spätestens, seit Studien feststellten, dass die weiblich dominierte Grundschule Jungen zu wenig fördere. Das Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) wirft nun einen eigenen Blick auf diese Krise.

„Das Geschlecht der Lehrkraft hat keinen Einfluss auf den Schulerfolg von Mädchen und Jungen“, schreibt der Bildungssoziologie Marcel Helbig. Das hätten mittlerweile gründlichere Untersuchungen gezeigt. Dennoch sei es zum Beispiel eine Tatsache, dass Mädchen häufiger Abitur machen. Das hängt laut Helbig mit gesellschaftlichen Bildern zusammen. „Noch in den 50er-Jahren lagen in Deutschland die Jungen beim Abitur zahlenmäßig deutlich vorn“, sagt er. Der Grund waren aber nicht bessere Leistungen. Nein, das Abitur war für Mädchen deutlich weniger erstrebenswert als für Jungen. Seit den 70er-Jahren fand ein tiefgreifender Wandel statt. Dazu trug auch die Reform des Ehe- und Familienrechts von 1977 bei, die Frauen weitgehende Autonomie im Geschäfts- und Berufsleben sicherte. Statt von einer Krise der Jungen könne man eher von einer Erfolgsgeschichte der Mädchen sprechen, sagt Helbig.

Keine Diskriminierung

Mädchen erhalten bessere Noten als Jungen. Das sei jedoch keine neuere Entwicklung, sondern „wurde seit dem Ende des 19. Jahrhunderts mehrfach nachgewiesen“. Jungen sind besser in Mathe und Naturwissenschaften, Mädchen in Sprachen. Dennoch erhalten Mädchen in den meisten Fächern bessere Noten als Jungen, auch dort, wo sie im Durchschnitt geringere Kompetenzen haben. Das liegt nach Auffassung von Helbig jedoch nicht an einer Diskriminierung der Jungen durch weibliche Lehrkräfte, sondern daran, dass Mädchen ihr Potenzial stärker ausschöpfen. Sie erhalten bessere Noten aufgrund größerer Leistungsbereitschaft.

Helbig zufolge hat die allgemein geringere Leistungsbereitschaft der Jungen historische Ursachen. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die „gesunde Faulheit“ der Jungen positiv gewertet. Mannesmut und Tatkraft standen im Zentrum, nicht „krankhaftes“ Streben nach Wissen.

Dafür, dass Jungen heute noch immer lernfauler sind, hat Helbig eine These: Studien von Psychologen um Adrian Furnham zufolge halten Eltern Söhne gemeinhin für intelligenter als Töchter. Mädchen kompensieren ihre angeblich geringere Intelligenz durch Anstrengung. Jungen lehnen sich dagegen zurück. „Denn Jungen sehen Lernanstrengung als Beweis für das Fehlen natürlicher Begabung – die sie für sich in Anspruch nehmen.“

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