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Gesundheitsforum: Süß, süßer, Diabetes

Neben den regulären Blutzuckermess-Methoden wird es im Gesundheitsforum auch um neuen Therapieformen gehen.

Neben den regulären Blutzuckermess-Methoden wird es im Gesundheitsforum auch um neuen Therapieformen gehen.

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Berlin -

Es ist eine heimtückische Krankheit: Sie entwickelt sich über viele Jahre, tut nicht weh und wird oft erst entdeckt, wenn bereits Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall aufgetreten sind. Die Ursache ist ein anhaltend erhöhter Blutzuckerspiegel, ein Typ-2-Diabetes.

Unbehandelt setzt die Krankheit Herz, Hirn und Nieren zu, sie schadet den Augen bis hin zur Erblindung, belastet die Psyche, stört den Schlaf und sie kann zu Amputationen führen. Wer Diabetes hat, lebt mit einem höheren Krebsrisiko und hat eine kürzere Lebenserwartung.

Die chronische Stoffwechselkrankheit grassiert weltweit. Sie ist nicht nur eine schwere Bürde für die Betroffenen, auch die Gesundheitssysteme ächzen unter den steigenden Behandlungskosten. Kurz vor dem Weltdiabetestag am 14. November wird weltweit auf die gefährliche Epidemie hingewiesen.

Nach Auskunft der Internationalen Diabetes Föderation (IDF) wissen 366 Millionen Menschen, dass sie Diabetes haben, ein hohes Erkrankungsrisiko haben weitere 280 Millionen Menschen. Wenn nicht energisch gegengesteuert werde, sei im Jahr 2030 mit 552 Millionen Betroffenen zu rechnen, warnt die IDF.

Einen Überblick über die Situation in Deutschland bietet der gerade frisch erschienene Report „Diabetes 2013“. Demnach sind mehr als sieben Millionen Menschen hierzulande an Diabetes erkrankt: Rund 90 Prozent davon haben Diabetes vom Typ 2 und fünf bis zehn Prozent insulinpflichtigen Typ-1-Diabetes. Jeder neunte Deutsche ist bereits Diabetiker – Tendenz steigend. Vor allem unter jungen Menschen nimmt sowohl Diabetes Typ 1 als auch Typ 2 zu.

Für das Gesundheitssystem ist die Epidemie eine schwere Hypothek. Denn die direkten Gesundheitskosten von derzeit rund 6 000 Euro jährlich pro Patient schlagen auf die Gesamtzahl der Betroffenen hochgerechnet mit 48 Milliarden Euro pro Jahr zu Buche.

Bewegung hilft

Die Berliner Zeitung nimmt die besorgniserregende Entwicklung zum Anlass, am Donnerstag, 8. November, ein Gesundheitsforum zum Thema Diabetes auszurichten. Renommierte Berliner Mediziner erläutern, was die ärztliche Kunst heute gegen die Krankheit ausrichten kann und welche Fortschritte in Zukunft zu erwarten sind. Die Abendveranstaltung ist offen für alle Interessierten und findet statt in Kooperation mit dem Gesundheitsmagazin rbb Praxis.

In der Diskussion mit den Diabetes-Experten wird es auch um die Ursachen der Epidemie gehen. An erster Stelle steht das Übergewicht. „Zwischen dem zwanzigsten und fünfzigsten Lebensjahr nimmt ein Deutscher durchschnittlich 15 Kilogramm zu und damit verfünffacht sich sein Diabetesrisiko“, fasst Hans Hauner, der Ärztliche Direktor des Zentrums für Ernährungsmedizin an der Technischen Universität München, den aktuellen Erkenntnisstand zusammen. Ein Drittel der jungen Frauen seien übergewichtig und in Gefahr, ihre Kinder über den Mechanismus der fetalen Programmierung dem gleichen schweren Los auszusetzen.

Doch es gibt auch gute Nachrichten. So lassen sich allein durch Abspecken bis zu 90 Prozent aller Fälle von Typ-2-Diabetes vermeiden. Erreichen lässt sich das mitunter durch einfache Verhaltensänderungen. Zum Beispiel, indem man auf zuckersüße Limonaden verzichtet und stattdessen Wasser trinkt.

So ermittelten US-Forscher in einer zusammenfassenden Studie, dass bereits der Konsum von 0,35 Litern zuckerhaltiger Erfrischungsgetränke das Diabetesrisiko um 15 Prozent erhöht und mit jedem zusätzlichen Schluck steigt. Vor diesem Hintergrund ist das bald geltende Verbot von XXL-Bechern für Softdrinks in New York durchaus sinnvoll.

Der zweite große Risikofaktor für Typ-2-Diabetes ist mangelnde Bewegung. Umgekehrt lässt sich mit Sport vieles wiedergutmachen. Denn Bewegung hilft, das vorhandene Insulin besser zu verwerten und die Blutzuckerwerte zu senken. Die American Diabetes Association empfiehlt an fünf Tagen in der Woche aerobes Training wie Walking, Schwimmen oder Tanzen, zusätzlich an zwei bis drei Tagen Krafttraining mit Gewichten oder Therabändern, dazu fünf bis zehn Minuten Dehnübungen jeden Tag sowie ein tägliches Pensum von zehntausend Schritten. Auch wenn nur wenige dieses Ideal erreichen – es ist ein Ansporn im bequemen Alltag.

Wenn Sport und Diät nicht mehr ausreichen, um den Blutzucker zu kontrollieren, sind Medikamente nötig. Für die frühe Therapie gibt es mehrere Wirkstoffe in Tablettenform. Das Insulinspritzen, von vielen Diabetikern gefürchtet, ist beim Typ 2 erst in einem späten Stadium erforderlich. Denn dann produziert die Bauchspeicheldrüse kaum noch eigenes Insulin.

Auch wenn zahlreiche Verbesserungen in der Diabetestherapie in Aussicht sind: Eine komplette Heilung ist nicht abzusehen. Um die Folgen der Epidemie zu mildern, fordern Experten vehement einen Nationalen Diabetesplan. Eine zentrale Rolle kommt darin dem Bundesgesundheitsministerium zu: Es soll landesweit die Initiativen zur Prävention und Versorgung koordinieren und die Forschung stärken. Oder, wie die Vereinten Nationen es formulieren: „Nichtstun und abwarten ist bei Diabetes keine Option mehr.“