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Herzbericht 2015: Der Osten ist die Hochburg der Infarkte

Jährlich sterben mehr als 330 000 Menschen in Deutschland an Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Jährlich sterben mehr als 330 000 Menschen in Deutschland an Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

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Getty/iStockphoto

Herzerkrankungen können in Deutschland mittlerweile zwar gut behandelt werden. Trotzdem stellen sie nach wie vor ein großes Problem dar. Vor allem bei Frauen sowie bei Bewohnern der neuen Bundesländern verlaufen sie überdurchschnittlich häufig tödlich. Das geht aus dem Deutschen Herzbericht 2015 hervor, der am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Den jährlich erscheinenden Report gibt die Deutsche Herzstiftung in Zusammenarbeit mit den ärztlichen Fachgesellschaften für Kardiologie (DGK), Herzchirurgie (DGTHG) und Kinderkardiologie (DGPK) heraus.

Der Bericht zeigt, dass für Frauen vor allem Herzschwäche, Rhythmusstörungen und Klappenerkrankungen eine Gefahr darstellen. Fast 30 000 Frauen starben im Jahr 2013 an diesen Krankheiten, bei den Männern waren es knapp 16 000. „Die ungünstigere Prognose für Frauen bei diesen Erkrankungen lässt sich nicht ohne weiteres erklären und bedarf genauer Analysen“, sagte Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. Als mögliche Erklärungen nannte er geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Wirkung von Medikamenten, aber auch die Tatsache, dass viele Frauen im hohen Alter alleinstehend leben.

„Frauen begeben sich häufig erst später in Behandlung als Männer“, ergänzte DGK-Präsident Karl-Heinz Kuck. Auch die Tatsache, dass Herzkrankheiten bei Frauen generell etwa zehn Jahre später im Leben auftreten als bei Männern, trage vermutlich zur schlechten Prognose bei. Denn in höherem Alter liegen oft weitere, nicht-kardiologische Erkrankungen vor, die die Gesundheit zusätzlich beeinträchtigen.

Sorgenkind Sachsen-Anhalt

Dass die neuen Bundesländer, allen voran Sachsen-Anhalt, im Herzbericht deutlich schlechter abschneiden als der Rest der Republik ist kein neuer Befund. Auch in früheren Jahren war dieses Gefälle bereits beobachtet worden. Beispielsweise verlaufen Herzinfarkte dort viel häufiger tödlich. So starben in Sachsen-Anhalt von 100 000 Einwohnern 99 Menschen an einem Herzinfarkt, in Schleswig-Holstein etwa waren es nur 43 (siehe Karte). Auffällig gut stehen in dieser Statistik die Stadtstaaten Berlin und Hamburg da – was vermutlich mit den vielen und schnell zu erreichenden Kliniken zu erklären ist.

In Berlin zum Beispiel vergehen vom Anruf in der Rettungsstelle bis zum Eintreffen in der Notaufnahme in der Regel nur 20 bis 25 Minuten. Einen überlebenswichtigen Vorteil stellt auch die große Zahl der Herzkatheterlabore in der Stadt dar, in denen sofort damit begonnen werden kann, das infarktauslösende Gerinnsel aufzulösen.

Die überdurchschnittlich hohe Herzinfarktsterblichkeit in Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Sachsen lässt sich jedoch nicht allein mit weiten Wegen zu Katheterlaboren erklären. Andreas Stang, Leiter des Zentrums für Klinische Epidemiologie am Uniklinikum Essen, hat die Bundesländer hinsichtlich ihrer Risikofaktoren verglichen und kommt zu dem Schluss, dass vor allem soziale Faktoren die Unterschiede erklären. Wie er berichtete, fand er in den Bundesländern, die eine besonders hohe Herzinfarktsterblichkeit verzeichnen, auch eine Häufung der biomedizinischen Risikofaktoren für diese Erkrankung. Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck und Übergewicht sind dort verbreiteter.

„Diese Risikofaktoren, das wissen wir aus zahlreichen Studien, hängen direkt mit sozialen Risikofaktoren zusammen“, sagte Stang. Je schlechter die Bildung und je ungünstiger die soziale Lage sei, desto häufiger liege auch ein ungesunder Lebensstil vor. Sein Appell: „Es muss etwas getan werden, um die sozialen Faktoren zu verbessern.“ Als Beispiele nannte Stang die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, bessere Bildungschancen sowie gesundheitspolitische Prävention – etwa Bewegungsprogramme in Betrieben und Schulen, verschärften Nichtraucherschutz und die Vermittlung von Gesundheitswissen.

Attacken im Griff

Eine insgesamt positive Entwicklung verzeichnen die Experten im Bereich der Koronaren Herzkrankheiten, kurz KHK, zu denen Probleme durch verengte Herzkrankgefäße, Infarkte und plötzliches Auftreten von Schmerzen und Engegefühl im Brustraum (Angina pectoris) zählen. KHK sind hierzulande der häufigste Grund für Krankenhausaufenthalte. Mit Angina pectoris wurden im Jahr 2013 etwa 240 000 Menschen stationär aufgenommen, 221 000 waren es wegen eines akuten Herzinfarkts und 188 000 wegen chronischer Verengung der Herzkranzgefäße. Im Vergleich zu den Jahren zuvor hat sich die Zahl der KHK-Patienten nicht sonderlich erhöht. Zugleich verlaufen diese Krankheiten immer seltener tödlich. Im Jahr 1990 verstarben daran noch 216 von 100 000 Einwohnern, bis 2013 ging diese sogenannte Sterbeziffer auf knapp 160 zurück.

Im Gegensatz dazu verlaufen Herzklappenkrankheiten und Herzrhythmusstörungen heute viel häufiger tödlich als früher. Wie der Herzbericht zeigt, stieg die Sterbeziffer bei Herzklappenkrankheiten von knapp 8 im Jahr 1990 auf knapp 20 an. Bei Herzrhythmusstörungen steigerte sie sich von 17 auf 32. Für Karl-Heinz Kuck von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie ist dieser Anstieg rätselhaft. „Gerade bei diesen Erkrankungen haben wir heute viel bessere Behandlungsmöglichkeiten“, sagte er.

Er erklärt sich den Anstieg durch präzisere Zuordnung der Diagnosen auf den Totenscheinen. Für die Zukunft ist er optimistisch. Kuck: „Ich bin mir sicher, dass wir auch bei Herzklappenkrankheiten und Rhythmusstörungen die Sterblichkeit senken können.“

Infos zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen

erhalten Betroffene bei der Deutschen Herzstiftung, Tel. 069-95 51 28-400 oder unter www.herzstiftung.de

Infos zum neuen Herzbericht: www.herzstiftung.de/herzbericht


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