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Interview mit Sucht-Therapeutin: Ab Neujahr ist Schluss mit dem Rauchen

Schluß mit der Qualmerei - sagen viele am Jahresende.

Schluß mit der Qualmerei - sagen viele am Jahresende.

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imago/PEMAX

Wie oft haben sich Menschen schon vorgenommen, an Silvester die letzte Zigarette zu rauchen – und sind nur ein paar Tage später wieder rückfällig geworden? Leichter gelingt der Rauchstopp oft in der Gruppe. Isabelle Azoulay begleitet Berliner Aufhörwillige in ihren Kursen sechs Wochen lang.

Frau Azoulay, der Jahreswechsel ist ein beliebter Zeitpunkt, um mit dem Rauchen aufzuhören. Ist er auch besonders erfolgversprechend?

Ich halte Silvester für einen sehr geeigneten Termin, um ein rauchfreies Leben zu beginnen. Meist braucht es ja eine gewisse Anlaufzeit, um seinen Vorsatz, mit dem Rauchen aufzuhören, in die Tat umzusetzen. Die Psyche benötigt gewissermaßen Startlöcher und der letzte Tag im Jahr eignet sich dafür besonders gut.

Welche Menschen kommen in Ihre Kurse?

Natürlich bringt jeder seine eigene Geschichte mit. Ich habe aber dennoch die Erfahrung gemacht, dass die Bedingungen, unter denen meine Teilnehmer den Rauchstopp in Angriff nehmen, sich je nach Bezirk voneinander unterscheiden.

Inwiefern?

In Moabit und im Wedding kommen die meisten Menschen, weil ihr Arzt sie zu mir geschickt hat. Sie sind zwar auch oft hoch motiviert, haben aber gleichzeitig die Sorge, nach Abschluss des Kurses in ihren Familien und im Freundeskreis die einzigen zu sein, die nicht mehr rauchen – und entsprechend leicht rückfällig zu werden. Das ist in Wilmersdorf und Charlottenburg meist anders: Dort kommen die Menschen in meine Kurse, weil sie in ihrem Freundeskreis die Letzten sind, die immer noch rauchen.

Wie können sich besonders gefährdete Menschen vor einem Rückfall schützen?

Es muss ihnen klar sein, dass der Rauchstopp kein Verzicht ist. Im Gegenteil: Meist ist er mit völlig neuen Lebensqualitäten verbunden. Und die gilt es, zu Beginn des Kurses herauszuarbeiten. Oft zeigt sich zudem, dass die Sorge vor dem fehlenden Rückhalt im persönlichen Umfeld gar nicht begründet ist: Insbesondere dort, wo viele Menschen mit dem Thema Sucht vertraut sind, erfahren Ex-Raucher meist große Unterstützung und Respekt.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die das Rauchfrei-Programm, nach dem Sie arbeiten, entwickelt hat, gibt die Erfolgsquote der Kurse mit 38 Prozent an. Das heißt, nur 38 von 100 Teilnehmern sind ein Jahr später noch rauchfrei. Besonders motivierend klingt das für mich nicht.

Das liegt vor allem daran, dass es sich beim Nikotin um ein sehr starkes Suchtmittel handelt, das lange Zeit bagatellisiert wurde. Von 100 Jugendlichen, die regelmäßig rauchen, werden 31 noch als Erwachsene abhängig sein. Beim Alkohol sind es nur 15. Ich habe aber trotzdem den Eindruck, dass die Erfolgsquote in meinen Kursen höher ist.

Was, glauben Sie, macht Ihre Kurse besonders erfolgreich?

Ich lege großen Wert darauf, dass jeder Teilnehmer sich seine Beweggründe, mit dem Rauchen aufzuhören, vor Augen führt. Nur wer konkret weiß, welches Ziel er verfolgt, hat genug Energie, um dieses zu erreichen und um sich einen Schutzwall zu bauen, der vor Rückschlägen schützt. Auch Nachbetreuung ist elementar. Meine Klienten werden mit einem Gutschein für ein Einzelgespräch verabschiedet.

Interview: Anke Brodmerkel

Infos zum Rauchstopp: tabakentwoehnung-berlin.de; rauchfrei-programm.de



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