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Leben im All: Auch Berliner suchen nach der zweiten Erde

"Plato" auf der Suche nach Planeten. Die Sonde: rechts oben im Bild.

"Plato" auf der Suche nach Planeten. Die Sonde: rechts oben im Bild.

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DLR

Berliner Forscher sind dabei, wenn es darum geht, außerhalb unseres Sonnensystems im großen Stil sogenannte Exoplaneten zu suchen, auf denen Leben möglich ist. Ja, der große Traum ist es, eine zweite Erde zu finden. Dafür startet in einigen Jahren die Plato-Mission der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Geplant ist der Start für 2024 mit einer Sojus-Fregat-Rakete. Beteiligt an der Leitung des Unternehmens ist Heike Rauer, Professorin der Technischen Universität (TU) Berlin. Sie leitet unter anderem den Bau der für die Suche notwendigen Teleskope.

Exoplaneten werden von Forscherteams auf der ganzen Welt gesucht – mit Teleskopen auf der Erde oder mit Raumsonden. Die bekannteste ist wohl das Kepler-Weltraumteleskop, das von 2009 bis 2013 arbeitete und dabei einen festen Abschnitt im Sternbild Schwan mit 190.000 Sternen beobachtete. Es entdeckte bei fernen Sternen 2 740 Planetenkandidaten, darunter 816 Super-Erden, die die ein bis 14-fache Erdmasse aufweisen und keine Gasplaneten sind. Eine Reihe der entdeckten Planeten liegen in einer Zone, in denen Leben möglich sein könnte. Diese sogenannte habitable Zone befindet sich nicht zu nah am jeweiligen Stern, aber auch nicht zu weit weg. Die Temperatur muss stimmen, damit sich eine Atmosphäre, Wasser und damit vielleicht Leben entwickeln können.

Schwingungen von Sternen

„Wir werden Planeten finden, die ihren sonnenähnlichen Stern in der lebensfreundlichen, der habitablen Zone umkreisen“, hofft die TU-Professorin Heike Rauer. Sie spricht von „Planeten, auf deren Oberfläche Wasser vorhanden sein könnte und auf denen dann vielleicht sogar die Entwicklung von Leben, wie wir es kennen, möglich wäre“. Heike Rauer hat eine Professur für Planetenphysik am TU-Zentrum für Astronomie und Astrophysik inne. Zugleich arbeitet sie am Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR), an dem die Plato-Mission angesiedelt ist. Am DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof leitet sie den Bau der Teleskope, den Aufbau des wissenschaftlichen Datenzentrums und die Analyse der Daten.

Sechs Jahre lang soll Plato einen großen Teil des Weltalls absuchen. Dafür planen die Forscher, 34 Teleskope und Kameras auf einer Beobachtungsplattform zusammenzuschalten. Die Sonde soll in etwa 1,5 Millionen Kilometer Entfernung von der Erde im All stationiert werden. Ihr Name weist bereits auf das hin, was sie dort tun wird. Plato ist die Abkürzung für „Planetary Transits and Oscillations of Stars“. Das bedeutet übersetzt etwa: planetarische Vorbeiflüge und Schwingungen von Sternen.

Plato soll etwa eine Million Sterne untersuchen und dabei nach winzigen Lichtveränderungen suchen, die eintreten, wenn Planeten auf ihrer Umlaufbahn am Stern vorbeifliegen. Über diese indirekte Methode will man Tausende neuer Planeten entdecken. „Es geht zunächst einmal darum, ein Planetensystem zu finden, das unserem Sonnensystem ähnlich ist“, sagt die Astrophysikerin Rauer. Bei den Planeten sei man vor allem an Gesteinsplaneten mit Eisenkern interessiert, ähnlich der Erde. Außerdem soll Plato die seismische Aktivität von Sternen untersuchen. Dadurch erhofft man sich genaue Charakterisierung des Zentralgestirns jedes entdeckten Planeten, einschließlich Masse, Radius und Alter.