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Lebensmittelverschwendung: Deutsche werfen zu viel weg

Viele Lebensmittel werden nicht gegessen, sondern landen im Müll.

Viele Lebensmittel werden nicht gegessen, sondern landen im Müll.

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dpa

In den westlichen Industrieländern landen viele Lebensmittel im Müll, die man eigentlich noch essen könnte.  Schätzungen gehen davon aus, dass weltweit ein Drittel der produzierten Lebensmittel entsorgt wird, ohne konsumiert zu werden. Forscher der Fraunhofer-Gesellschaft und der Universität Gießen haben den deutschen Müll untersucht.

„Wir haben insgesamt fünf Tonnen Restmüll auf seine tierischen oder pflanzlichen Anteile untersucht, um herauszufinden, welche Produkte besonders häufig entsorgt werden“, sagt Frances Vaak vom Fraunhofer-Institut für Silicatforschung. Aus dem Müll entnahmen sie die  Abfälle, die noch einwandfrei waren, das heißt, die man noch hätte verspeisen können. Das waren 50 Prozent des Restmülls.  

Am häufigsten war darunter Obst und Gemüse (28 Prozent des Gesamtgewichts), gefolgt von Backwaren (20 Prozent), Fleisch und Wurst (11 Prozent) und Milchprodukten (10 Prozent).  Der Rest entfiel auf Tellerreste, Süßwaren, Getränke und nicht eindeutig klassifizierbare Bestandteile.

Außerdem stellten die Forscher fest, dass die Zusammensetzung des Mülls, stark von der Wohn- und Lebenssituation eines Verbrauchers abhängt. Im Abfall von Einfamilienhäusern fanden sie grundsätzlich weniger Lebensmittel im Restmüll als in den Tonnen von Mehrfamilienhäusern oder Wohnblöcken.   

Lebensform beeinflusst Wegwerf-Verhalten

Sie schließen daraus, dass Bewohner von Einfamilienhäusern bewusster mit Lebensmittel umgehen und sie besser sortieren. Außerdem beeinflusste die Lebensform das Wegwerf-Verhalten: Familien entsorgten eher Obst und Gemüse, ärmere Haushalte mehr Fertiggerichte.  

In Gegenden mit sehr gut situiertem Publikum fanden die Wissenschaftler allerdings auch eher teure Fertigprodukte im Abfall. Familien entsorgen eher Obst und Gemüse, Single-Haushalte mehr Fertiggerichte. Quer durch alle Tonnen fanden die Wissenschaftler jedoch auffällig viele noch geschlossene Produkte im Restmüll.

Anhand ihrer Erkenntnisse wollen die Forscher über Lösungen nachdenken, wie man Lebensmittelverschwendung besser verhindern könnte.  Verbraucher sollten stärker darüber informiert werden, wie man Lebensmittel lagert, damit sie länger haltbar bleiben, schlagen sie zum Beispiel vor.  

Für Hersteller wurde ein Zertifikat ("s:Lim - say: Less is more") entwickelt. Unternehmen, die es erhalten wollen, werden auf ihren nachhaltigen Umgang bei der Lebensmittelproduktion geprüft - unter anderem, ob die Produktionsprozesse und Materialströme optimiert sind, ob der Hersteller umweltschädliche Emissionen reduziert, ressourcenschonend mit Energie und Wasser umgeht und unnötigen Abfall vermeidet.