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Berliner Zeitung | Pinguine, Eisbären, Wale: Wie sich Tiere vor Kälte schützen
19. January 2016
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Pinguine, Eisbären, Wale: Wie sich Tiere vor Kälte schützen

Ausgestattet mit wasserabweisender Oberfläche: Der Eselspinguin.

Ausgestattet mit wasserabweisender Oberfläche: Der Eselspinguin.

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imago/Jan Huebner

Wie schaffen die das bloß, nicht zu frieren? Die Eisbären, die Pinguine, die arktischen Springschwänze und Grönlandwale, die Eisfische? Letztere haben zum Beispiel keine roten Blutkörperchen. Und da farbloses Blut dünner ist, gefriert es nicht so leicht. Was die anderen Polarbewohner gegen die Eiseskälte machen, lesen Sie hier.

Eselspinguin

In der Antarktis herrscht kein angenehmes Badewetter: Wenn die Pinguine das Meer verlassen und an Land watscheln, sind sie mit Temperaturen bis zu minus 40 Grad Celsius konfrontiert. Warum also friert das Wasser auf ihrem Körper nicht zu Eis? Pirouz Kavehpour von der University of California und seine Kollegen haben herausgefunden, dass Eselspinguine das gleich mit mehreren physikalischen Tricks verhindern. Zum einen schmieren sie ihr Gefieder mit einem Öl ein, das sie in speziellen Drüsen produzieren. Zum anderen finden sich in ihren Federn winzige, luftgefüllte Poren. Beides zusammen bewirkt, dass die Pinguin-Oberfläche extrem wasserabweisend ist. Wenn sie nass wird, bilden sich darauf kugelförmige Tropfen, die nur sehr langsam Wärme verlieren. Bevor sie Zeit zum Gefrieren haben, perlen sie vom Gefieder ab.

Grönlandwal

Vertreter seiner Spezies sollen die gewaltigste Fettschicht der gesamten Walfamilie besitzen. Dieser sogenannte Blubber kann mehr als 40 Zentimeter dick werden und isoliert die Tiere sehr effektiv. Die gute Dämmung wird manchmal allerdings zum Problem: Wenn die Muskeln bei anstrengenden Aktivitäten viel Wärme produzieren, droht das Gehirn zu überhitzen. Das aber verhindern die Wale mit einem speziellen Organ unter ihrem Gaumen, das Alexander Werth vom Hampden-Sydney College in den USA und seine Kollegen erst 2013 entdeckten. Dieser stabförmige Corpus Cavernosum Maxillaris ist ähnlich gebaut wie ein Penis: Strömt Blut in sein Gewebe, schwillt er an. Schwimmt das Tier dann mit offenem Maul durchs Meer, gibt das Organ viel Wärme an das Wasser ab.

Krokodileisfisch

Als einzige Wirbeltiere verzichten die im Südpolarmeer beheimateten Krokodil-Eisfische komplett auf rote Blutkörperchen und den roten Blutfarbstoff Hämoglobin. Denn so ein farbloses Blut ist dünnflüssiger und gefriert weniger leicht. Dafür kann es aber nicht so effektiv Sauerstoff transportieren. Um diesen Nachteil auszugleichen, haben sich die Tiere im Laufe ihrer Evolution ein besonders großes Herz und weite Adern, eine große Menge Blut und einen hohen Blutdruck zugelegt. Was Wissenschaftler an den farblosen Eisfischen besonders interessiert, sind aber vielmehr die Erbinformationen für die Blutbildung. Mediziner hoffen, durch deren Analyse die Entstehung von menschlichen Blutkrankheiten besser verstehen und neue Behandlungsmöglichkeiten entwickeln zu können.

Eisbär

Es ist kein Zufall, dass Eisbären mit einer Länge von bis zu 3,40 Metern und einem Gewicht von etwa 800 Kilogramm die größten Landraubtiere der Erde sind. Denn ein großer Körper hat im Verhältnis zu seinem Volumen eine relativ kleine Oberfläche und verliert daher wenig Wärme. Zudem hüllen sich die Polarjäger in einen dichten Pelz, der außer der Nasenspitze und den Fußsohlen den gesamten Körper bedeckt. Die äußeren Haare sind hohl und bilden daher ein zusätzlich isolierendes Luftpolster. Unter dem Fell liegt eine schwarze Haut, die einfallendes Sonnenlicht aufnimmt und in Wärme verwandelt. Darunter folgt dann noch eine fünf bis zehn Zentimeter dicke Fettschicht. Insgesamt funktioniert diese Dämmung so gut, dass Eisbären den Wärmesensoren von Infrarot-Kameras verborgen bleiben.

Arktischer Springschwanz

Die nur wenige Millimeter großen Tiere haben einen besonderen Trick auf Lager, um den Polarwinter zu überleben: Sie lassen sich vor der kalten Jahreszeit gefriertrocknen. Die unscheinbaren Springschwänze krabbeln im Sommer in den Moospolstern der Arktis umher. Doch wenn es ihnen im Herbst zu ungemütlich wird, suchen sie sich einen Unterschlupf und fangen an zu schrumpeln. Ihr Körper verliert große Mengen Wasser, bis nur noch eine scheinbar leblose Hülle übrig ist. Doch sobald die Bedingungen wieder besser werden, schwellen sie auf ihre alte Größe an, stauben ihren Körper ab und leben einfach weiter. Wissenschaftler hoffen, dieses Kunststück eines Tages für medizinische Zwecke nutzen zu können – etwa, um Gewebe und Organe für Transplantationen aufzubewahren.