21.02.2012

Schlafapnoe: Wenn der Atem im Schlaf aussetzt

Von Karl-Heinz Karisch
        

Nicht gemütlich, aber ungemein hilfreich: Die Maske hält die Atemwege offen, der erholsame Tiefschlaf wird nicht mehr unterbrochen.
Nicht gemütlich, aber ungemein hilfreich: Die Maske hält die Atemwege offen, der erholsame Tiefschlaf wird nicht mehr unterbrochen.
Foto: Weinmann

Viele Patienten mit Schlafapnoe ahnen nichts von ihrer lebensbedrohenden Krankheit. Unbehandelt drohen extreme Müdigkeit, Herz- und Kreislaufprobleme.

Torsten K. war oft müde. Zusätzlich erschöpften ihn die ständigen Klagen seiner Frau. „Ich habe wieder kein Auge zugemacht, du schnarchst wie verrückt“, beschwerte sie sich fast täglich. „Und dann diese merkwürdigen Aussetzer. Plötzlich ist es absolut still, ich denke jedes Mal, du bist gestorben.“ Häufig bäume er sich dann plötzlich auf, schilderte sie die Nächte und forderte ihn erneut auf: „Geh endlich mal in ein Schlaflabor.“

Eine Sache beunruhigte Torsten K. aber zusätzlich. Seit einigen Wochen stieg sein Blutdruck extrem an. Sein Hausarzt verordnete bereits zwei verschiedene Blutdrucksenker, dennoch musste die Dosis immer wieder angehoben werden. „Das ist ungewöhnlich“, stellte der Mediziner schließlich fest.

Torsten K. war zu diesem Zeitpunkt zwar fast 60 Jahre alt, aber sportlich und schlank. Sein Hausarzt überwies ihn – wie von seiner Frau vorgeschlagen – an ein Schlaflabor.

Dort gab es rasch Klarheit. Obwohl er verkabelt war – Gehirnströme, EKG, Atmung, Augenbewegungen und Zähneknirschen werden erfasst – schlief er sofort ein. Am nächsten Nachmittag rief ihn der behandelnde Arzt nach Auswertung der Diagramme zu den Atemaussetzern (Apnoe) an: „Sie sind ein besonders schwerer Fall, Sie müssen sofort eine Atemmaske bekommen.“ Unter Medizinern wird der so unterstützte Schlaf CPAP-Therapie (Continous Positiv Airway Pressure) genannt, die Patienten tragen nachts eine Atemmaske.

„Ein Hightech-Naturheilverfahren, es wird nur Luft benutzt“, meint Professor Winfried Randerath, Sprecher der Arbeitsgruppe Apnoe der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM). „Bei Apnoikern erschlaffen die Muskeln im Schlaf, die Atemwege gehen zu und es kommt zum Kollaps“, erläutert Randerath, der auch Chefarzt der Klinik für Pneumologie des Krankenhauses Bethanien in Solingen ist. „Die Luftzufuhr stützt die Atemwege von innen und verhindert den Kollaps. Diese Therapie ist effektiv, die Patienten erreichen wieder die Tiefschlafphase.“

Durch einen ängstlichen Patienten, dem eine aufwendige Operation drohte, kam der australische Mediziner Colin Sullivan 1980 auf die Idee, eine Überdruck-Therapie zu entwickeln. An einem einzigen Nachmittag bastelte Sullivan aus einer Atemmaske, Schläuchen und einem Gebläse einen Prototypen zur Überdruckbeatmung.

Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung rechnet mit rund drei Prozent Betroffenen in der Gesamtbevölkerung, bei übergewichtigen Männern über 40 Jahren sind es sogar mehr als zehn Prozent. Für die Lebensqualität ist die Apnoe äußerst belastend, vor allem im Berufsleben, denn es kommt zu starken Konzentrationsstörungen.

„Den meisten ist bekannt, dass Rauchen, Diabetes oder hohes Übergewicht wichtige Risikofaktoren sind“, sagt Schlafforscher Randerath. Heute wisse man, dass die Atemaussetzer vergleichbar gefährlich seien. „Bei jedem Atemstillstand“, so Randerath, „fällt der Sauerstoffgehalt des Blutes ab, der natürlich für Gehirn und Herz besonders wichtig ist.“

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