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Sprachreform Uni Leipzig: Hallo, Herr Professorin!

Lehrerstudenten sitzen in einem Hörsaal der Universität Leipzig bei einer Vorlesung von Professorin Dr. Thomas Hofsäss. (Archivbild)

Lehrerstudenten sitzen in einem Hörsaal der Universität Leipzig bei einer Vorlesung von Professorin Dr. Thomas Hofsäss. (Archivbild)

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dpa

Liebe Zuschauer und Zuschauerinnen vor den Fernsehern und Fernseherinnen! – Immer wieder hört man Witze darüber, welche Umstände es macht, die Geschlechtergleichstellung in der Sprache durchzusetzen. Neben der genannten Splitting-Methode gibt es unzählige Bemühungen, die vor allem in den Medien, der Politik und der Bildung verbreitet sind. Da heißt es „mensch“ statt „man“, „Studierende“ statt „Studenten“. Um möglichst genderneutral zu sein, kommt der gute alte Professor in vielen Formen daher: als Professor/in, ProfessorIn, Professor (m/w), Professor_in, Professor(in) oder Professor/Professorin.

Diese doch immer etwas verkrampft wirkenden Formen will die Universität Leipzig nun umgehen, indem sie eine einheitliche Form für alle einführt. Von nun an heißt es in Uni-Dokumenten nur noch Professorin. Eine Fußnote soll erklären, ob eine weibliche oder männliche Professorin gemeint ist. Der Fachbegriff dafür lautet generisches Femininum, im Gegensatz zum  generischen Maskulinum. Dieses geht  davon aus, dass Gruppenbezeichnungen wie Mediziner, Professoren, Studenten, Autofahrer oder Zuschauer automatisch die weibliche Form mit erzeugen, also generieren. Woran sich viele Frauen stoßen.

Lesbarkeit gehemmt

Anregung für die Leipziger Begriffsreform, die bereits in der Uni-Grundordnung festgeschrieben ist, haben aber nicht die Frauen selbst oder der Gleichstellungsbeauftragte gegeben, sondern Juristen der Leipziger Universität. Diese hatten sich beschwert, dass Formen wie Professor/Professorin die Lesbarkeit hemmten.

Natürlich gibt es Kritik. Das war zu erwarten. Der Beschluss widerspreche der historischen Sprachentwicklung und verwirre nur, sagte ein Rechtshistoriker. Doch nicht wenige frohlocken: Endlich mal müssten sich Männer daran gewöhnen, dass sie in einer allgemeinen Bezeichnung mit gemeint sind.  Die Uni-Rektorin – dieses Mal wirklich eine Frau – sagte, dass nun auch die vielen Frauen an der Hochschule sichtbarer würden. Immerhin seien 60 Prozent der Studierenden an der Universität Leipzig weiblich.

Gewöhnungsbedürftig ist es schon, wenn man plötzlich von Professorin redet und damit einen Mann meint. Was aber sicher nicht von vornherein gegen eine solche Entscheidung spricht. Neues ist ja am Anfang immer ungewohnt. Allerdings sollte man auch bedenken, dass  das Problem nicht damit gelöst wird, dass  man einfach den Spieß umdreht. Genauso wenig nützt es, aus dem kleinen Wörtchen „man“ eine „frau“ zu machen. Hunderte Jahre Sprachentwicklung löscht man damit nicht aus. Und Herrschaftsverhältnisse ändert man auch nicht mit solchen Federstrichen. Dazu gehört es viel mehr. Deshalb hält sich auch der Gleichstellungsbeauftragte der Uni mit Jubel zurück.

Gerade unter Professoren gibt es so manche Vorurteile gegen Professorinnen. Die höchste akademische Sphäre ist eher nicht weiblich geprägt. Nur jeder fünfte Professor bundesweit ist weiblich. Oder besser, nach neuester Form: Vier von fünf Professorinnen sind männlich.