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Stammzellforscherin Magdalena Götz: Die Erneuerung des Gehirns

Ehrung in Berlin für die Stammzellforscherin Magdalena Götz.

Ehrung in Berlin für die Stammzellforscherin Magdalena Götz.

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Privat

Als sie im Jahr 2000 auf einer Tagung in den USA ihre Erkenntnisse erstmals vortrug, reagierten ihre Kollegen mit großer Skepsis. Teilweise habe sie regelrechte Anfeindungen über sich ergehen lassen müssen, erinnert sich Magdalena Götz. Inzwischen jedoch sind alle Zweifel verschwunden, und die 52-jährige Stammzellforscherin gilt als eine der renommiertesten Wissenschaftlerinnen auf ihrem Gebiet. Für die Erforschung der molekularen Grundlagen der menschlichen Gehirnentwicklung erhält die Direktorin des Instituts für Stammzellforschung am Helmholtz-Zentrum München am heutigen Dienstagabend in Berlin den mit 50 000 Euro dotierten Ernst-Schering-Preis.

Götz’ Entdeckung, dass sich die Gliazellen des Gehirns in Nervenzellen verwandeln können, hätten zu einem Paradigmenwechsel in der Neurowissenschaft geführt und seien von zentraler Bedeutung für neue therapeutische Ansätze bei Gehirnverletzungen und -erkrankungen, teilte die Schering-Stiftung mit. Und das wiederum bedeutet, dass Götz eine der größten Hoffnungsträgerinnen für Alzheimer- und Parkinsonpatienten sowie für Menschen mit einer Querschnittslähmung oder nach einem Schlaganfall ist.

Zwei Arten von Zellen

Bis zum Jahr 2000 waren Hirnforscher übereinstimmend davon ausgegangen, dass es im Gehirn zwei Arten von Zellen gibt: die eigentlichen Nervenzellen, die für die Weiterleitung elektrischer Reize zuständig sind, und die Gliazellen, denen man nur eine Stütz- und Ernährungsfunktion zuschrieb.

Die Biologin und Philosophin Magdalena Götz war die erste, die bemerkte, dass diese Rolle der tatsächlichen Bedeutung der Gliazellen nicht gerecht wurde. Denn während der Entwicklung des Gehirns agieren die Gliazellen wie Stammzellen: Aus ihnen gehen alle möglichen Zellen hervor, auch die Nervenzellen des Gehirns.

Schon im Jahr 2007 erhielt Götz den mit 2,5 Millionen Euro dotierten Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Ihre Entdeckung brachte Götz auch dazu, das Verhalten der Gliazellen nach einer Gehirnverletzung zu untersuchen. Dabei stellte sie fest, dass Gliazellen zwar die Wundreaktion vermitteln, aber im erwachsenen Gehirn von Mäusen – ebenso wie beim Menschen – keine neuen Nervenzellen mehr generieren. Ganz anders sieht das jedoch beim Zebrafisch aus: Dieser ist sehr wohl in der Lage, mithilfe der Gliazellen abgestorbene Nervenzellen zu ersetzen.

Zur Selbstheilung anregen

Gemeinsam mit ihrem Team versucht Götz daher zurzeit, die biologischen Prinzipien zu erkennen, die den Unterschied ausmachen. Denn das Ziel der Forscherin ist es, die molekularen Strategien des Zebrafisches eines Tages nachahmen zu können. Dann ließe sich auch das menschliche Gehirn nach einer Verletzung oder Krankheit womöglich zur Selbstheilung anregen.

Eine öffentliche Vorlesung mit dem Titel „Mechanisms of Neurogenesis – from Glial Cells to Neural Repair“ hält Magdalena Götz am Mittwoch, 24.9., um 14 Uhr im Max Delbrück Communications Center, Robert-Rössle-Straße 10, in Berlin-Buch. Vortragssprache ist Englisch. Der Eintritt ist frei, um Anmeldung per E-Mail wird gebeten: welcome@mdc-berlin.de