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Studentenalltag: Ohne Master geht gar nichts

Die nackte Wahrheit: Studentinnen der Kunsthochschule Burg Giebichenstein setzen sich auf ihre Weise mit dem Leben auseinander.

Die nackte Wahrheit: Studentinnen der Kunsthochschule Burg Giebichenstein setzen sich auf ihre Weise mit dem Leben auseinander.

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Imago/Steffen Schellhorn

Es gab einmal eine große Idee, und sie hieß Bachelor-Abschluss. Eingeführt wurde der neue akademische Grad im Rahmen des europäischen Bologna-Prozesses, um Studiengänge innerhalb der EU zu vereinheitlichen. Er sollte die nötige Qualifikation für den Einstieg in den Job bieten. Weg mit den bisherigen Diplom- und Magister-Abschlüssen, die nur in Deutschland akzeptiert wurden – her mit den europaweit anerkannten Titeln Bachelor und Master, die Studenten in kürzerer Zeit erlangen können: Das war der Plan.

Die Wirklichkeit sieht so aus: Junge Leute an deutschen Hochschulen sind äußerst unzufrieden mit dem Bachelor-Abschluss. Weniger als ein Viertel der Männer und Frauen, die an Universitäten oder Fachhochschulen studieren, vertraten in einer neuen Allensbach-Umfrage die Meinung, dass der Bachelor-Abschluss ausreichend auf das Berufsleben vorbereitet. Vorgestellt wurde die Studie, für die rund 2000 junge Menschen aller Fachrichtungen zu ihren Studienbedingungen befragt wurden, am Dienstag in Berlin. Die Erhebung (PDF-Dokument) war vom Reemtsma Begabtenförderungswerk in Auftrag gegeben worden, alle Teilnehmer gaben per Online-Befragung Auskunft.

Abhängig von den Eltern

Der Studie zufolge planen 61 Prozent der Bachelor-Studenten, im Anschluss noch einen Master-Abschluss zu machen. „Dass der Bachelor-Abschluss erfüllt, wofür er gedacht war, wird von den Studenten in hohem Maße angezweifelt. Da sind viele sehr skeptisch“, sagte Michael Sommer vom Institut für Demoskopie Allensbach. 73 Prozent der Befragten erhoffen sich der Studie zufolge bessere Karriere- und Verdienstmöglichkeiten durch einen Master-Abschluss. Für die wenigsten geht es darum, im Master-Studium weiter wissenschaftlich zu arbeiten. Und mehr als die Hälfte der Studenten geht davon aus, dass auch Arbeitgeber an der Qualität des Bachelor-Abschlusses zweifeln.

Ein Blick auf die verschiedenen Bereiche, zu denen die Studenten befragt wurden, zeigt: Viele von ihnen sind mit ihrer Gesamtsituation unzufrieden. Sie fühlen sich verloren auf dem in Großstädten hart umkämpften Wohnungsmarkt. Und sie hängen vom Geld ihrer Eltern ab. 64 Prozent der Befragten gaben elterliche Zuschüsse als ihre wichtigste Einnahmequelle an, es folgen Jobs, die die Studenten neben dem Studium absolvieren. „Das durchschnittliche Budget der Hochschüler liegt bei gut 600 Euro im Monat“, sagte Michael Sommer. Die tatsächlichen Lebenshaltungskosten lägen aber noch höher, denn in die Berechnung sei auch das vergleichsweise niedrige Budget von Studenten eingeflossen, die noch zu Hause bei ihren Eltern wohnen.

Eine zumindest theoretische Möglichkeit, als Student finanziell besser über die Runden zu kommen, ist die Förderung durch Stiftungen. Von 25 Studenten kommt allerdings nur einer in den Genuss einer solchen Bezuschussung. Selbst eine Bewerbung um ein Stipendium versucht nur eine Minderheit. Die Hälfte derer, die es nie versucht haben, geht davon aus, dass ihnen die von den Sponsoren erwarteten guten Noten fehlen. 44 Prozent glauben, dass das eigene gesellschaftliche Engagement nicht ausreicht. „Dieser Anteil hat in der Entwicklung deutlich zugenommen“, sagte Michael Sommer. Die Unsicherheit ist groß: 38 Prozent geben an, sie wüssten nicht, an welche Stelle sie sich wegen eines Stipendiums wenden müssten,

Chancenbringer Ausland

Trotz der knappen Finanzen ist das Interesse der Studenten groß, einen Teil ihres Studiums im Ausland zu absolvieren. Die meisten sind auch durchaus zufrieden mit den Möglichkeiten, die die eigene Hochschule bietet, um einen Auslandsaufenthalt zu planen. Bemerkenswert hoch ist die Anzahl jener, die beabsichtigen, erst nach dem Studium ins Ausland zu gehen: jeder vierte nämlich. „Dabei spielen fachliche Beweggründe selten eine Rolle“, sagte Michael Sommer.

Für ein Semester in einem anderen Land, das deutsche Studenten meist innerhalb der EU absolvieren, spricht der Studie zufolge vor allem, dass man seine Sprachkenntnisse verbessern kann. Die Hälfte der Teilnehmer findet zudem, dass man durch einen Auslandsaufenthalt später bessere Chancen hat, um das zu bekommen, worum es letztendlich beim ganzen Studieren geht: eine Stelle.