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Studie der Nasa: Zivilisation ist dem Untergang geweiht

Unsere Zivilisation ist modern aber wir beuten die Ökosysteme aus.

Unsere Zivilisation ist modern aber wir beuten die Ökosysteme aus.

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imago stock&people

Die moderne Gesellschaft wird untergehen. Wann das genau passiert, ist noch nicht klar. Aber das Ende ist kaum noch abwendbar. Das behauptet eine Studie, die die Nasa in Auftrag gegeben hat. Diese geht davon aus, dass alle Hochkulturen der Menschheitsgeschichte dem Niedergang geweiht waren: das alte Rom, Ägypten, Babylon, die Maya. Forscher um den Mathematiker Safa Motesharrei von der Universität Maryland haben nun modellhaft berechnet, inwiefern solch ein Schicksal auch die heutige Zivilisation treffen kann. Die Studie ist in der britischen Tageszeitung The Guardian veröffentlicht worden.

Die heutige moderne Zivilisation besitzt scheinbar wesentlich größere technologische Ressourcen als frühere Gesellschaften. Sie scheint auf vielen Gebieten auch flexibler und lernfähiger zu sein. So zumindest ist der Eindruck, den viele von ihr haben, als einer Art Krönung der bisherigen Menschheitsgeschichte.

Für ihre Berechnungen am Computer nutzten die Forscher das sogenannte Räuber-Beute-Modell, das in den 1920er-Jahren von zwei Mathematikern entwickelt wurde. Es bezieht sich auf die Nahrungskette und sagt aus: Wenn es genug Beute gibt, nimmt die Anzahl der Räuber zu. Die Beute wird daraufhin kleiner, wodurch die Zahl der Räuber wieder sinkt. Dies gibt der Beute-Population die Möglichkeit, sich wieder zu erholen.

Fatale Spaltung

In der modernen Zivilisation bilden die Menschen die Räuber, die Beute sind die natürlichen Ressourcen. Dem mathematischen Modell zufolge führt die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen und die ungleiche Verteilung des Reichtums zum totalen Kollaps der Zivilisation.

Fünf Risiko-Faktoren haben die Forscher dabei ausgemacht: Bevölkerungswachstum, Klimawandel, Wasserversorgung, Landwirtschaftsentwicklung und Energieverbrauch. Bereits jetzt, so die Forscher, sei eine verheerende Dynamik eingetreten. Im Jahr verbrauchen allein die Menschen in der westlichen Welt 1,5-mal mehr Ressourcen, als im gleichen Zeitraum auf der Erde nachwachsen können. Schätzungen zufolge werden in absehbarer Zeit auf der Erde 10 Milliarden Menschen leben.

Nimmt man das Räuber-Beute-Modell der Natur zur Grundlage, dann müssten die natürlichen Ressourcen längst die Möglichkeit bekommen haben, sich wieder zu erholen – durch einen natürlichen Rückgang der Räuber. Im Grunde entspricht das dem Bevölkerungsgesetz, das der britische Ökonom Thomas Robert Malthus bereits Anfang des 19. Jahrhunderts formulierte. Allerdings hat es der Mensch seitdem durch technologischen Fortschritt – etwa mit Düngern und Pestiziden – erreicht, die Ressourcen weit über ihre natürlichen Grenze hinaus auszubeuten.

Besonders fatal ist nach Aussagen der Forscher, dass die Überausbeutung der Ökosysteme verbunden ist mit einer Aufspaltung der Gesellschaft in reiche Eliten und große arme Bevölkerungsschichten. Ein Effekt ist, dass die Teile der Menschheit, die sich höheren Wohlstand leisten, den drohenden Umweltkollaps viel später spüren als jene, die zum Beispiel durch Dürren, Fluten oder Hungersnöte direkt davon betroffen sind. Sie machen also weiter wie bisher. Vor allem die Eliten an den Hebeln der Macht.

Mit neuen Technologien – etwa dem Erschließen von Energieressourcen durch das Fracking – lässt sich der Kollaps nur herauszögern, nicht verhindern. Den Berechnungen zufolge könne man den Zusammenbruch nur vermeiden, „wenn die Pro-Kopf-Rate der Erschöpfung der Natur auf ein nachhaltiges Niveau reduziert wird und die Ressourcen in einigermaßen gerechter Weise verteilt werden“, so die Forscher. Aber dem stehe die Spaltung der Gesellschaft entgegen.

Im Grunde bestätigen die Forscher, was bereits die Autoren des Berichts „Die Grenzen des Wachstums“ gefordert hatten – vor mehr als vierzig Jahren.