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Berliner Zeitung | Studie der TU Berlin: Berliner Taxis könnten rein elektrisch fahren
02. June 2014
http://www.berliner-zeitung.de/1210524
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Studie der TU Berlin: Berliner Taxis könnten rein elektrisch fahren

Tankt nur Strom, ist aber noch selten: ein New Yorker E-Taxi.

Tankt nur Strom, ist aber noch selten: ein New Yorker E-Taxi.

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Nissan

London macht es vor. In der britischen Hauptstadt fahren seit Februar die ersten E-Taxis durch die Straßen. Statt Benzin aus der Zapfsäule tanken sie Strom aus der Steckdose. Bis 2018 sollen nur noch emissionsfreie Taxis durch die Straßen fahren, hat sich der Londoner Bürgermeister Boris Johnson vorgenommen. Denn die berühmten schwarzen Wagen produzieren den Angaben der Stadt zufolge rund ein Drittel aller Treibhausgase in der Metropole. Auch New York geht mit gutem Beispiel voran und erprobt seit einem Jahr den Betrieb von elektrischen „Cabs“.

Und Berlin? Wie es wäre, wenn auch in der deutschen Hauptstadt alle Taxis mit Strom unterwegs wären, haben Forscher der Technischen Universität Berlin (TU) und des Deutschen Zentrums für Luft-und Raumfahrt simuliert.

In Berlin gibt es mehr als 1,3 Millionen Fahrzeuge. Insgesamt verursachen sie einen CO2 -Ausstoß von zwei Millionen Tonnen im Jahr. Die Taxis alleine produzieren 72.000 Tonnen Kohlendioxid. Die Forscher haben zunächst untersucht, wie lange die Taxis mit einer Elektroladung auskommen würden. „Die meisten Taxis fahren in einer Schicht nicht mehr als 200 Kilometer“, sagt Kai Nagel, Professor für Verkehrssystemplanung und Verkehrstelematik an der TU und Leiter des Projektes eCab. So lange hält eine Akkuladung, bevor das Taxi zurück an die Steckdose muss. „Eine längere Fahrt nach Brandenburg müssten die Kunden dann wohl vorher anmelden“, sagt Nagel.

E-Autos pro Kilometer billiger

Flotten von Kurier- und Paketdiensten, Transport-Unternehmen oder Car-Sharing-Unternehmen wären die idealen urbanen Elektropioniere, denn sie können ihre Ladestationen so in der Stadt verteilen wie sie gebraucht werden. Außerdem rechnen sich E-Autos vor allem für Vielfahrer. „Pro Kilometer fährt man mit Strom billiger“, sagt Nagel.

Ein Problem sind jedoch noch die Energiekosten für die Heizung, die sehr viel Strom verbraucht. „Dafür müssen noch Alternativen gefunden werden“, sagt Nagel. Zum Beispiel eine Standheizung oder eine bessere Isolierung der Fahrzeugkabine. „Dann wäre der Betrieb insgesamt nicht teurer als der konventionelle und auch die Preise für die Kunden dürften nicht steigen.“

Zunächst kommen aber die Investitionskosten. Ein E-Auto kostet etwa 9000 Euro mehr als eines mit Verbrennungsmotor. Wenn alle Taxis auf einen Schlag elektronisch fahren sollten, müssten 300 Stationen in Berlin mit Ladesäulen ausgestattet werden, um einen reibungslosen Betrieb zu garantieren, haben die TU-Forscher ermittelt.

Die Ladesäulen müssen außerdem schnell sein, damit es nicht zu langen Wartezeiten kommt, in denen kein Kunde bedient werden kann. Privatpersonen, die bereits ein E-Auto fahren, laden dieses gewöhnlich acht Stunden über Nacht auf. Ladesäulen, die sich für Taxen eignen, sind zehnmal schneller, kosten aber auch das Zehnfache: Etwa 10.000 Euro pro Stück.

Anzustreben sei deshalb, die Taxiunternehmen nach und nach umzustellen, meint Nagel. Zunächst könnte nur ein kleiner Teil der Taxi-Flotte auf elektrischen Antrieb umsteigen.

Richtig umweltfreundlich wäre es, wenn der Strom für die Taxis aus erneuerbare Energien, Solar- und Windkraft oder Biogas geschöpft würde. Das macht sie außerdem unabhängig von fossilen Brennstoffen, die in Zukunft bekanntlich rar werden. Zudem sind E-Taxis leiser. Das könnte den Lärmpegel in der Stadt senken.