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Technische Universität Berlin: Das E-Book reagiert auf Augenzwinkern

Bald soll man die Finger nicht mehr brauchen, nur noch die Augen.

Bald soll man die Finger nicht mehr brauchen, nur noch die Augen.

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REUTERS/Max Rossi

Werden künftig in den Berliner Bahnen und Bussen lauter Leute mit E-Books und Smartphones sitzen, die intensiv mit den Augen zwinkern oder die Hände durch die Luft bewegen? Das könnte passieren, wenn die Entwicklungen junger Forscher des Quality and Usability Labs der Technischen Universität (TU) Berlin auf den Markt kommen sollten.

Jan-Niklas Antons klingt begeistert, während er von seinem Projekt erzählt. Der junge Wissenschaftler sucht mit seinem Kollegen Sebastian Arndt nach neuen Wegen zur Steuerung mobiler Geräte. Über die Messung von Körpersignalen soll es möglich sein, berührungslos auf dem E-Book durch die Seiten zu blättern oder Elemente in einem Spiel zu steuern. Das Ganze basiert auf Methoden, die bereits in der Medizin genutzt werden, um zum Beispiel vollständig gelähmten Menschen eine Kommunikation über Augenbewegungen zu ermöglichen.

Prominentestes Beispiel dafür ist wohl der britische Physiker Stephen Hawking, der mit seinen Augen einen Sprachcomputer steuert. Mittels einer Gehirn-Computer-Schnittstelle (englisch: Brain-Computer-Interface) ist es auch möglich, elektrische Hirnaktivität über Elektroden direkt in Steuersignale umzuwandeln.

„Unser Ansatz ist, solche Methoden für eine breitere Anwenderschicht nutzbar zu machen“, sagt Jan-Niklas Antons. Die Testperson der Forscher trägt bei den Versuchen ein Headset. Rechts und links neben dem Auge befinden sich kleine Elektroden. „Wir können uns vorstellen, dass diese einmal in irgendein Accessoire integriert werden: eine Brille, einen Kopfhörer, ein Schmuckstück, das in der Nähe der Ohren getragen wird und somit diese Signale messen kann.“

Über Magnet im Stift

In ihrem Fall ist es ein Augenzwinkern. Je nachdem, wie man zwinkert, werden Steuerbefehle ausgelöst. Die Geräte müsse man dafür nicht verändern, sagt Antons. Die Steuerbefehle könnten über Bluetooth zum E-Book-Reader übertragen werden. Ein Endprodukt – also eine marktfähige Brille – gibt es noch nicht. „Wir versuchen jetzt, im Gespräch mit Firmen, zu schauen, ob jemand die Idee praktisch umsetzen könnte.“

In einem weiteren TU-Projekt, genannt „MagiThings“, arbeitet der im Iran geborene Forscher Hamed Ketabdar an der berührungslosen Bedienung von Mobiltelefonen. Hier werden die in vielen Geräten integrierten elektromagnetischen Sensoren genutzt, um Eingaben vorzunehmen.

Dazu braucht es einen Magneten, eingearbeitet in einen Ring oder Stift. Das Telefon soll künftig Zahlen und Buchstaben erkennen können, die der Nutzer in die Luft schreibt – ob vor, neben oder hinter dem Gerät. So sei künftig eine dreidimensionale Bedienung möglich, sagt Antons. Dies sei auch deshalb interessant, weil viele Geräte immer kleiner werden.

Die E-Books der Berliner Zeitung finden Sie hier: berliner-zeitung.de/ebooks


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