22.02.2012

Weltraum-Forschung: Oberfläche des Mondes ist in Bewegung

        

Die Mondoberfläche dehnte sich, Gräben entstanden.
Die Mondoberfläche dehnte sich, Gräben entstanden.
Foto: NASA

Die Oberfläche des Mondes weist viele Dehnungsrisse auf - und das obwohl der Erdtrabant schrumpft. Forscher stehen vor einem Rätsel.

Auf der Mondoberfläche gibt es zahlreiche Dehnungsrisse – geologische Gräben –, obwohl der Erdtrabant langsam schrumpft. Das zeigen Aufnahmen der US-Sonde Lunar Reconnaissance Orbiter, die ein Forscherteam im Fachmagazin Nature Geoscience präsentiert. Die Gräben sind bis zu 1,8 Kilometer lang und bis zu 500 Meter breit. Da sie kaum von Kratern unterbrochen werden, müssen sie geologisch jung sein.

Die Wissenschaftler schätzen ihr Alter auf maximal 50 Millionen Jahre. „Aber sie können ebenso gut erst zehn Millionen oder eine Million Jahre alt sein“, sagt Thomas Watters von der Smithsonian Institution in Washington, ein Mitglied des Forscherteams. „Vielleicht sind sie sogar vor 40 Jahren entstanden. Das Verblüffende für uns ist, dass der Mond offenbar noch in jüngster Zeit geologisch aktiv war.“

Voller Falten

Erstaunlich für die Wissenschaftler ist außerdem, dass der Mond überhaupt Dehnungsrisse zeigt. „Wir denken, dass sich der Mond in einem Zustand der Kontraktion befindet, da sich sein heißes Inneres langsam abkühlt“, so Watters. „Die Gräben zeigen uns nun, dass es in einigen Gebieten Kräfte gibt, die dieser Schrumpfung entgegen wirken.“

Über die Mondoberfläche verstreute Falten bestätigen das Bild des schrumpfenden Erdtrabanten. Aus der Größe der Falten ergibt sich, dass der Mond seit seiner Entstehung um etwa 200 Meter geschrumpft ist. In den bisherigen Modellen der Mondentwicklung unterbindet dieser Schrumpfungsprozess die Bildung von geologischen Gräben. Diese Modelle gehen davon aus, dass der Erdtrabant einst vollkommen geschmolzen war.

Nach der heute von den Wissenschaftlern favorisierten Theorie hat sich der Mond vor vier Milliarden Jahren aus den Trümmern der Kollision eines marsgroßen Himmelskörpers mit der jungen Erde gebildet. Die Entdeckung der Dehnungsrisse spricht nun dafür, dass nur der äußere Teil des jungen Mondes aus flüssigem Magma bestanden hat, während der innere Teil fest war. (wsa)

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