blz_logo12,9

Wo fehlte Unterstützung?

Und schon wieder ein Dirigent, der nicht mehr will. Keine drei Wochen nach Ingo Metzmacher, Chefdirigent des Deutschen Symphonie-Orchesters, hat gestern Lothar Zagrosek, Chefdirigent des Konzerthausorchesters, verkündet, dass er seinen Vertrag nicht über 2011 hinaus verlängern wird. Ähnlich wie Metzmacher bedauert Zagrosek, dass seine "erfolgreiche Neupositionierung" des Konzerthauses keine "Unterstützung" erhält. Und ähnlich wie bei Metzmacher heißt das im Klartext: Das Konzerthausorchester hat keine Aussicht, in absehbarer Zeit auf jene 111 Stellen aufgestockt zu werden, die Zagrosek bei Vertragsunterzeichnung 2006 versprochen wurden. Es muss sich mit 105 begnügen.Ist das so schlimm? Die Besetzungsliste des Orchesters sieht entspannter aus als beim DSO, das mehrere wichtige Bläserstellen unbesetzt lassen muss. Beim Konzerthausorchester fehlt lediglich ein Solo-Horn, ansonsten sind hauptsächlich Streicherstellen vakant. Gibt es eventuell andere Gründe?Als Frank Schneider, der große, mit dieser Saison aus dem Amt scheidende Konzerthaus-Intendant, Lothar Zagrosek als Chefdirigenten verpflichten konnte, hatte man den Eindruck: Das ist endlich der richtige Mann am richtigen Platz. Schneider hatte das Konzerthaus neben der glitzernden Philharmonie als einen Ort des programmatischen Denkens profiliert. Zagrosek hatte an der Oper in Stuttgart bewiesen, dass er ein Dirigent ist, der solch ein programmatisches Denken musikalisch tragen kann. Entsprechend zuversichtlich trat Zagrosek sein Amt an, benannte das Berliner Sinfonie-Orchester in Konzerthausorchester um, verbesserte die Saal-Akustik, trug Programmideen bei. Aber es zündete am Ende doch nicht. Sei es, weil Zagrosek als Orchestererzieher nicht weiterführen konnte, was Eliahu Inbal begonnen hatte, sei es, weil er als Dirigent des sinfonischen Repertoires nur selten überzeugte und eher in den teuren Opernprojekten glänzte - die auf Kosten des Etats für Veranstaltungen ohne Orchester gingen. Auch sickerte durch, dass es zwischen dem Dirigenten und dem Orchester nicht zum besten stehen soll. Nicht zuletzt das älter werdende Publikum weckt Zweifel daran, wie erfolgreich die Neupositionierung des Orchesters war.Dennoch ist die politische Motivation für Zagroseks Rückzug ernst zu nehmen. Der Kultursenator und Regierende Bürgermeister hat noch nie viel Interesse für das Konzerthaus gezeigt. Dabei ist sein Gegengewicht zum Auftritt der Philharmonie für das Musikleben der Stadt unverzichtbar. Wenn der Senat keine Idee entwickelt, was er von dem letzten allein finanzierten Kulturorchester haben will, wird es keinen Dirigenten lange am Haus halten.