Ich möcht so gern Dave Dudley hör n, Hank Snow und Charlie Pride/ n richtig schönen Country-Song, doch AFN ist weit. " So heißt es im Refrain eines Lieds der westdeutschen Band Truckstop aus den siebziger Jahren. Ob das Stück zum schönsten deutschen Liedgut gehört, sei dahingestellt. Es zeigt zumindest, dass es eine Zeit gab, in der ein amerikanischer Armee-Radiosender so populär war, dass man ihn in den Refrain eines deutschen Schlagers einflechten konnte.Eine Ausstellung im Alliiertenmuseum in Berlin-Zehlendorf erinnert daran, dass noch vor zehn Jahren die Soldatensender der Amerikaner, Engländer und Franzosen in weiten Teilen Deutschlands zu hören waren. Sie heißt "The Link With Home - und die Deutschen hörten zu", und schon der Titel deutet an, welche Bedeutung die Stationen hatten, die die amerikanische und englische Armee gleich nach Kriegsende im besetzten Deutschland installierten: Jazz, Blues, Rock n Roll oder Country haben viele Deutsche damals zum ersten Mal auf AFN gehört. "Was beim NDR als Hit gefeiert wird, kann man hier schon acht Wochen vorher hören", schrieb eine Zeitung in den 50er Jahren über die "beste Musik zu dieser Zeit".AFN und BFBS waren eine Art "re-education" für die Ohren. "Die Botschaft ist keine politische, sondern eine unterhaltende", heißt es in der Ausstellung. Zwar sendeten die Sender eigentlich Nachrichten und Service-Programme für die alliierten Soldaten und ihre Familien. Aber von Anfang an hatten sie auch deutsche Zuhörer, denen sie nach dem Ende des Dritten Reichs einen neuen Lebensstil demonstrierten.Obwohl die meisten Mitarbeiter der Sender Soldaten waren, hörte man hier keinen Kasernenhofton. In einem Artikel der Zeitschrift "Radiospiegel" beschreibt 1949 ein verblüffter Reporter die morgendlichen Ansagen eines AFN-Moderators. Der hatte verschlafen und machte am offenen Mikrofon immer wieder Witze darüber, dass er seinen Wecker nicht gehört hatte. "Man stelle sich die gleiche Situation bei einem deutschen Wehrmachtssender vor!" schreibt der Journalist voll Staunen.Auch um die Verbreitung von moderner Musik machten sich die Sender in Deutschland verdient: In Hamburg gründete der englische Soldatensender nach dem Krieg den "British Forces Network Rhythm Club", der etwas veranstaltete, was man heute Clubnächte nennen würde: Veranstaltungen, auf denen die DJs das Publikum mit neuen Beats zum Tanzen brachte. Auf einem Foto aus dem Berlin der 50er Jahre sieht man, wie "Halbstarke" sich drängeln, um am Tag der offenen Tür einen Blick in die Studios von AFN in der Podbielskiallee 28 in Berlin-Dahlem zu werfen.Dort legten Moderatoren in Uniform die "platters that matter" auf, wenn sie nicht gerade Grüße aus der Heimat verlasen. Das Programm von AFN und BFBS bestach immer auch durch eine seltsame Mischung aus Exotik und Muffigkeit: Einerseits spielten die Sender internationale Popmusik; andererseits konnte man dort oft zur besten Sendezeit nicht enden wollende Reportagen von Kuchenback-Wettbewerben oder der Weihnachtsfeier in der Herforder Kaserne hören.Einige der Moderatoren der alliierten Sender machten Show-Karrieren, nachdem sie den Sender verlassen hatten: Bill Ramsey und Chris Howland waren im West-Deutschland der 50er- und 60er-Jahre als Sänger und Schauspieler erfolgreich. Alexis Korner wurde zu einem der erfolgreichsten weißen Blues-Gitarristen. David Rodigan, dessen Sendung "Rodigans Rockers" auf BFBS jahrelang zum Pflichtprogramm deutscher Rasta-Lockenträger gehörte, hat eine Reihe von herausragenden Reggae-Samplern herausgebracht und legt noch heute gelegentlich in Berlin auf. John Peel, der in den 70er- und 80er-Jahren über BFBS experimentellen Rock und New Wave in der BRD verbreitete, trug auch zur Verbreitung von deutschem Liedgut in Großbritannien bei: Der Erfolg von Bands wie Kraftwerk, Can und DAF in England war auch auf John Peels Engagement für die "Krauts", wie die Deutschen genannt werden, zurückzuführen.Nach dem Fall der Mauer verließen die Sender zusammen mit den alliierten Soldaten Berlin. Heute ist AFN nur noch in Süddeutschland in den Orten zu empfangen, in denen US-Soldaten stationiert sind. BFBS kann man lediglich in der Gegend um Oldenburg hören.Das Alliierten-Museum zeigt "The Link With Home" bis zum 17. Februar 2002.Mehr Informationen: www. alliiertenmuseum. de

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