Alan Kay kennen nur wenige Menschen, doch seine Erfindung tragen viele in der Tasche. Laptop, Palm Pilot oder E-Book - all diese kleinen Taschencomputer gehen auf eine Idee zurück, die der amerikanische Informatiker Anfang der 70er-Jahre hatte: einen kleinen, tragbaren Computer, nicht größer als ein normales Notizbuch - das "Dynabook". Für diese und andere Verdienste um die Entwicklung des Computers hat ihm die Universität der Künste (UdK) am Donnerstag den 01 Award verliehen.Kay (62) gilt als einer der Wissenschaftler, die die Entwicklung des Computers von der Rechen- zur Multimedia-Maschine vorangetrieben haben. Als er Mitte der 60er-Jahre als Programmierer zu arbeiten begann, waren Computer kühltruhengroße Kisten, die nur Spezialisten mit kryptischem Code oder gestanzten Lochkarten füttern durften. Kay wollte die mächtigen Maschinen dagegen jedermann, besonders Kindern, zugänglich machen; Computer sollten "Verstärker für die Fantasie" sein. Darum arbeitete er an der Entwicklung der Programmiersprache Smalltalk für Kinder mit. Als Mitarbeiter der University of Utah war er auch an der Entwicklung des ARPA-Net, dem Vorläufer des Internets, beteiligt. In den 70er-Jahren arbeitete er am Forschungslabor Xerox PARC am Alto mit, einem der ersten Rechner mit einem leicht zu bedienenden grafischen Interface. Den heute geläufigen Begriff des "Personal Computers" soll Kay in dieser Zeit geprägt haben. Auch sein Dynabook entstand in dieser Zeit, kam allerdings aus technischen Gründen über einen Prototyp nicht heraus. Anschließend war Kay bei Atari, Disney und Apple tätig. Heute hat er seine eigene Firma Squeakland, die Kindersoftware entwickelt.Besondere LeistungDer 01 Award der UdK wird einmal pro Jahr an Menschen vergeben, die "besondere künstlerische und wissenschaftliche Leistungen" im Multimedia-Bereich vollbracht haben. Die bisherigen Preisträgern, die an der Kunsthochschule auch Seminare geben sollen, waren der Komponist Brian Eno, die Filmhistoriker Frieda Grafe und Enno Patalas sowie MIT-Professor Nicholas Negroponte.Die Entscheidung, nun Kay einen 01 Award zu verleihen, wirkt etwas unhistorisch. Kay mag ein Pionier sein, und seine Vorstellung vom Computer als kleiner, intimer Maschine ist heute wichtiger denn je. Aber dazu, den Rechner zum alltäglichen Arbeitsinstrument zu machen, haben andere vor ihm mehr beigetragen. Dass wir wegen Alan Kay heute "mit dem Computer arbeiten können, ohne Programmiersprachen zu beherrschen", wie es in der Pressemitteilung der UdK heißt, stimmt so nicht. Auch Kays Rolle bei der Entwicklung des grafischen Interfaces für Computer ist nicht so groß, wie es die UdK in ihrer Begründung für den Preis behauptet. Wenn man jemand dafür ehren wollte, dass heute Laien den Computer per Mausklicks bedienen können, wäre das wohl eher Douglas Engelbart. Der hat ein grafisches Interface samt Mouse bereits 1969 vorgeführt und Kays Arbeit damit stark beeinflusst.