LICHTENBERG "Geschichten, die das Leben schrieb" können noch viele Karlshorster Senioren erzählen. Die Abteilung Sozialwesen gibt im Mai zur 100-Jahr-Feier des Ortsteils die Erinnerungen in einem Band heraus."Im Seepark habe ich als Kind oft gespielt", erinnert sich Traute Renatus. Die 73jährige, die ihr ganzes Leben in Karlshorst verbrachte, schwärmt von der prächtigen und gepflegten Anlage, die sich zwischen Liebnitz- und Trautenauer Straße erstreckte. "Sogar einen Parkwächter gab es, vor dem wir großen Respekt hatten." Den See selbst hat sie nicht mehr kennengelernt, der ist bereits um 1920 verschwunden. Aber aus den Erzählungen ihrer Mutter weiß sie, daß die Karlshorster früher auf ihm gerudert und Schlittschuh gelaufen sind. Bänke und Blumen Später wurde im Park ein künstlicher See angelegt. An seinen Ufern wuchsen Trauerweiden und abends quackten die Frösche. "Der Seepark war gärtnerisch sehr schön, mit Bänken und Blumenrabatten, kleinen Springbrunnen, Magnolienbäumen und Edelhölzern", berichtet die Seniorin. Immer, wenn die Familie Besuch bekam, sei ein Spaziergang durch diese Oase gemacht worden. Auch ihre Erinnerung an die evangelische Kirche mit ihrer imposanten historischen Orgel hat sie aufgeschrieben. Jugend wird lebendig Traute Renatus gehört zu den mehr als 20 älteren Karlshorstern, die der Initiative des Sozialamtes folgten und sich seit fast einem Jahr treffen, um die Vergangenheit lebendig werden zu lassen. "Es ist ein großes Bedürfnis bei den älteren Bürgern da, von früheren Zeiten zu erzählen. Und wenn jemand zuhört, kommt immer mehr zutage", sagt Waltraud Saalfrank vom Sozialamt, die die Gruppe betreut.Die jüngsten Teilnehmer sind Anfang 60, ettliche über 80 Jahre alt. Auch über 90jährige waren dabei. "Dem Seepark trauern fast alle nach", resümiert Waltraud Saalfrank. Aber auch die Rennbahn sei ein beliebtes Thema gewesen, besonders für jene, die dort mal gearbeitet haben. Die meisten Leute haben ihre Erinnerungen selbst niedergeschrieben, andere erzählten diese drei ABM-Mitarbeitern des Sozialamtes, die das Gehörte zu Papier brachten. Auch Gedichte, selbstgemalte Bilder - darunter ein kleines Ölbild vom Seepark - persönliche Fotos und alte Dokumente werden den Band anschaulich machen. "Es hat allen viel Spaß gemacht, in alten Kisten zu kramen", so Waltraud Saalfrank.Dabei wurden auch viele Gemeinsamkeiten festgestellt. Zwei alte Freunde, die sich aus den Augen verloren hatten, fanden sich wieder. Die offene Gruppe will sich weiter in der Freizeitstätte Gundelfingerstraße treffen. So soll eine Art Erzählcafe eingerichtet werden. Ehrung im Alter "Es ist eine Würdigung der alten Menschen, daß sie auf diese Weise in die Vorbereitung des Jubiläums einbezogen werden", freut sich Traute Renatus. Die 73jährige "Autorin" ist schon lange ehrenamtlich in der Sozialkommission ihres Wohngebietes tätig. Am 5. Mai wird Bürgermeister Gottfried Mucha (Bündnis 90/Grüne) bei einer kleinen Feier den Senioren "ihr Werk" überreichen. Zum Karlshorster Jubiläum im Mai ist es erhältlich. Der Erlös kommt der Altenhilfe zugute. +++