Am Kurfürstendamm/Ecke Augsburger Straße dominierte ab 1926 die Farbe Blau. Dort befand sich das Leinenhaus Grünfeld, das die blaue Flachsblüte als Markenzeichen hatte. Blau tauchte in den Uniformen der Angestellten, der Einrichtung und der Leuchtwerbung auf. Als zur Olympiade 1936 alle Häuser beflaggt werden sollten, wollte sich das jüdisch geführte Geschäft nicht mit Hakenkreuzen schmücken. Man flaggte Blau - nicht nur die Geschäftsfarbe, auch die der zionistischen Bewegung.Lesungen im Open-Air-CaféDiese und viele andere Geschichten über die Menschen und die Häuser, über Ereignisse und Pläne am Kurfürstendamm werden 2011 zwischen Breitscheidplatz und Halensee zu erfahren sein. Zum 125.Jubiläum des Boulevards soll es ab dem 5.Mai sechs Monate lang eine Ausstellung in 125 Vitrinen geben. Dafür stellen die Mieter der Glaskästen, Geschäftsleute vom Kudamm und seinen Seitenstraßen, den Ausstellungsmachern der Firma Pabst & Kuhrau Platz zur Verfügung. Die Exponate werden gemeinsam mit der beworbenen Ware in den Vitrinen gezeigt.Die Open-Air-Präsentation wird sich den 3,5 Kilometer langen Boulevard entlang ziehen, sagt der Historiker Sven Kurau. "In jeder Vitrine wird etwas über den jeweiligen Standort erzählt." So wird beispielsweise vor der Apotheke am Adenauerplatz an ein nie realisiertes Projekt zum Skulpturenboulevard 1987 erinnert: "The Dumb Dumb Duell". Dort sollten zwei Kräne mit daran hängenden großen Kondomen in Deutschlandfarben stehen, eins mit DDR-Wappen. Die beiden Kranfahrer hätten das jeweils andere Kondom zerstochen - eine Metapher für den Kampf der beiden Systeme.Zentraler Punkt der Ausstellung wird ein kleines Besucherzentrum in Höhe Grolmannstraße. Dort wird nicht nur ein temporäres Straßencafé eingerichtet, sondern auch ein Pavillon. Zu erwerben ist ein Ausstellungsführer mit allen Geschichten aus den Vitrinen, es werden auch verschiedene Publikationen über den Boulevard angeboten. Zweimal wöchentlich soll es zur Mittagszeit ein 30-minütiges kostenloses Kulturprogramm geben, wo auch zu den jeweiligen Standorten geführt wird. Im Info-Café werden ebenfalls Interviews mit Zeitzeugen, Lesungen und Open-Air-Kunstaktionen stattfinden. Das Projekt wird mit rund 340 000 Euro von der Lottostiftung gefördert.Charlottenburg-Wilmersdorfs Wirtschaftsstadtrat Marc Schulte (SPD) hofft auf weiteres Lotto-Geld in ähnlicher Höhe. Denn im Jubiläumsjahr will der Bezirk auch eine Schaustelle auf dem Breitscheidplatz einrichten, damit sich Besucher über Großprojekte in der City West informieren können. Zudem soll am 3./4. September der gesamte Kurfürstendamm 42 Stunden lang für Kunstaktionen gesperrt werden. Auch eine Lichtschau ist angedacht. Ende November soll über den Förderantrag entschieden werden.-----------------------Im Internet: www.125-jahre-kudamm.de