GUBEN/COTTBUS. Die angebliche rechtsextreme Attacke vom vorigen Sonntag auf eine 14-Jährige in Guben (Spree-Neiße) hat das Mädchen frei erfunden. Jenny S. habe gestanden, sich das etwa drei mal vier Zentimeter große Hakenkreuz selbst in die Wange geritzt zu haben. "Dazu benutzte sie eine Rasierklinge", sagte Cäcilia Cramer-Krahforst, die Sprecherin der Cottbuser Staatsanwaltschaft, am Freitag. Rechtsmediziner hätten die Wunde untersucht und erklärt, dass sich die Jugendliche das Hakenkreuz mit hoher Wahrscheinlichkeit selbst zugefügt hat. Bei der anschließenden Befragung von Jenny S. in Würzburg, dem Schulort des Mädchens, habe die Schülerin die Lüge eingeräumt. Zu dem Motiv wollte die Staatsanwaltschaft aus Rücksicht auf das jugendliche Alter von Jenny S. nichts sagen. Gegen das Mädchen werde wegen Vortäuschens einer Straftat ermittelt. Die Schülerin hatte bei der Polizei angegeben, sie sei am Sonntagvormittag auf dem Weg zu einem Bekannten in der Innenstadt von Guben von zwei Männern attackiert worden. Die Unbekannten seien aus einem schwarzen Honda des Typs Civic oder CRX gesprungen. Während sie der eine festgehalten habe, habe ihr der andere mit einem Messer das Hakenkreuz ins Gesicht geschnitten. Zudem sollen die Männer nach Aussage von Jenny S. dabei "Das geschieht dir recht. Scheißneger" gesagt haben. Das Mädchen, dessen Vater Kubaner ist, hatte nur eine sehr vage Beschreibung von den angeblichen Tätern liefern können. Die Polizei hatte zunächst erklärt, die Aussagen der 14-Jährigen seien sicher glaubhaft. Der für politisch motivierte Straftaten zuständige Staatsschutz hatte sich in die Ermittlungen eingeschaltet.Überfall in S-BahnUnterdessen untersucht die Polizei des Schutzbereichs Barnim einen Zwischenfall, der sich laut der linken Gruppierung Bernauer Antifas bereits am vergangenen Montag in einer S-Bahn zwischen Bernau und Zepernick zugetragen haben soll. Demnach war ein im Internet nicht näher bezeichnetes Opfer im Zug in Richtung Berlin gegen 19.30 Uhr von vier Personen angegriffen und mit einem Messer bedroht worden. Die Täter sollen nach Angaben der Antifas ihrem Opfer das Sweatshirt hochgezogen und ihm ein Hakenkreuz in den Bauch geschnitten haben. Das Opfer konnte am Bahnhof Zepernick fliehen. "Uns liegt keine Anzeige vor", sagte Toralf Reinhardt, der Polizeisprecher des Schutzbereichs Barnim, am Freitag der Berliner Zeitung. Man müsse nun, nach Bekanntwerden der Vorwürfe, von Amts wegen die Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung aufnehmen. "Das Jugendkommissariat des Schutzbereichs und auch die Kripo sind informiert", sagte der Polizeisprecher. Noch sei völlig unklar, ob sich der Vorfall am Montag wirklich so zugetragen habe. (kbi.)