150 Russen fordern Erhalt der Kultureinrichtung: Putin soll British Council im Land halten

MOSKAU. Mehr als 150 russische Geschäftsleute, Beamte und Medienvertreter haben sich in einem Offenen Brief an Präsident Wladimir Putin gewandt. Ihr Anliegen ist der Erhalt des British Council in Russland, eine Kultur-Einrichtung, vergleichbar dem deutschen Goethe-Institut. Dessen Filialen in St. Petersburg und Jekaterinenburg wurden Anfang Januar gezwungen, ihre Arbeit einzustellen. Es existiere kein entsprechendes Abkommen zwischen beiden Ländern, begründeten die russischen Behörden ihre Entscheidung. Die Arbeit des British Council sei deshalb illegal.Die Unterzeichner des Offenen Briefes forderten Wladimir Putin nun auf, diese Entscheidung zu überdenken. Sie schade nicht nur dem Ansehen Russlands, sondern auch den Interessen von Millionen Russen, heißt es in dem Brief. Die Unterzeichner der Petition sind russische Absolventen britischer Universitäten. Mehr als 2 000 Russen besuchten seit Anfang der 90er Jahre Hochschulen in Oxford, Cambridge, Edinburgh und Warwick. Die meisten von ihnen bekleiden inzwischen hohe Posten in der russischen Wirtschaft, in Behörden oder in den Medien und sind im British Alumni Club organisiert, der seinerseits vom British Council und der britischen Botschaft in Moskau ins Leben gerufen wurde.15 Filialen geschlossenDer British Council sei eine weltweit angesehene Institution heißt es in dem Brief, der auf der Internetseite der russischen Zeitschrift The New Times veröffentlicht wurde. Sie habe in Russland eine unüberschaubare Anzahl von Bildungs-, Wissenschafts-, und Kulturprojekten realisiert, die das Land aus eigener Kraft nicht hätte ermöglichen können. Mehr als eine Million Russen hätten sich allein 2007 an den British Council gewandt, 485 000 hätten an Bildungsprogrammen teilgenommen. Dafür müsse Russland dem British Council danken.Stattdessen wurden seit Herbst vergangenen Jahres auf Anordnung des russischen Außenministeriums insgesamt 15 Filialen des British Council geschlossen. Warum, das erläuterte der russische Außenminister Sergej Lawrow im November: "Im Sommer", so Lawrow, "hat die britische Seite begonnen, die Beziehungen zur Russischen Föderation systematisch zu verschlechtern - also müssen wir uns rächen." Großbritannien hatte im Juli vergangenen Jahres vier russische Diplomaten ausgewiesen, als Reaktion auf die nicht erfolgte Auslieferung Andrej Lugowojs, den die britische Justiz beschuldigt, im November 2006 den Kreml-Kritiker Alexander Litwinenko in London vergiftet zu haben. Russland antwortete Tage darauf mit der Ausweisung von vier britischen Diplomaten. Seither ist das Verhältnis beschädigt.Am Montag goss der wissenschaftliche Berater der Regierung von Gordon Brown, Sir David King, der auf britischer Seite an den Ermittlungen im Mordfall Litwinenko beteiligt war, nochmals Öl ins Feuer. Putin habe die Sprengung mehrerer russischer Wohnhäuser im September 1999 zu verantworten, hatte King erklärt - eine Behauptung, die auch Litwinenko aufgestellt hatte. Er habe Beweise für die Tatbeteiligung Putins gesehen, wird King von der Zeitung Daily Telegraph zitiert.------------------------------In 109 LändernDer British Council entstand 1934, damals noch unter dem Namen "Britisches Komitee für Beziehungen mit anderen Ländern". Er ist formal unabhängig, arbeitet aber eng mit dem Außenministerium zusammen, das auch einen Teil seines Etats deckt.Sein Ziel ist die Förderung des geistigen Austauschs zwischen den Menschen in Großbritannien und anderen Staaten, vor allem in den Bereichen Bildung, Kultur und Wissenschaft.In 109 Ländern unterhält der British Council Filialen. Die deutsche Filiale hat ihren Sitz am Berliner Alexanderplatz.