Bei der Detonatlon einer Filegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg In der Friedrichshalner Pettenkoterstraße sind gestern mindestens drei Menschen getötet worden. Noch am späten Abend suchte eine Hundestaffel der Polizei in den Trümmern eingesturzter Hauswande nach weiteren Opfern."Es war grauenhaft. Nach einem mörderischen Knall zog eine dunkle Rauchwolke auf. Dann hagelte es überall Steine vom Himmel." Manfred Widder, Inhaber der "Textiltruhe" in der Pettenkoferstraße 3 steht fassungslos vor seinem Laden. Knapp 20 Minuten sind seit der Explosion um 16.40 Uhr vergangen. Polizeisirenen heulen, Ärzte und Krankenpfleger hasten mit Tragen durch die Gegend. Zwei Bauarbeiter werden abtransportiert -- für sie kommt jede Hilfe zu spät. Auf dem Bürgersteig, auf der Straße liegen Verletzte. Das Kopfsteinpflaster ist aufgerissen, Autos sind zertrümmert und mit Eidklumpen bedeckt.Wände stürzten einDer Explosionsort -- eine Baustelle auf dem Grundstück Pettenkoferstaße 5 bietet ein Bild des Schreckens. Ein Bagger liegt umgestürzt in der Baugrube, aus einem Gasrohr zischt eine sechs Meter hohe Stichflamme. Am benachbarten Haus sind Teile der Wand herausgebrochen, eine weitere Giebeiwand droht einzustürzen.Noch bis 1640 Uhr wurde hier gearbeitet. Ein Bürohaus- und Geschäftshaus soll bis 1995 in der Pettenkoferstraße 5 entstehen, seit dem Krieg war das Grundstück unbebaut gewesen. Beim Einrammen von Spundwanden in das Erdreich passierte das Unglück. "Wir haben bis zu 50 Zentimeter große Teile der Bombe im Umkreis von hundert Metern gefunden", sagt ein Polizeibeamter.Immer neue Rettungsmannschaften der Feuerwehr, der Polizei, des Technischen Hilfswerks und des Roten Kreuzes treffen ein. In der Baugrube wird noch ein weiteres Opfer vermutet. Mit Lautsprecherdurchsagen fahndet die Polizei nach Vermißten. Das Gebiet um den Unglücksort ist weiträumig abgeriegelt, die U-Bahn-Linie 5 eingestellt, Ersatzbusse fahren. Auf der Frankfurter Allee bricht der Verkehr völlig zusammen.Rettungstrupps beginnen sich mit einem Kran in die Grube vorzuarbeiten. Rund zwei Stunden nach der Explosion finden sie den vermißten dritten Bauarbeiter leblos auf.Häuser eVakuiertVor den Häusern stehen die Bewohner und schauen -- zum leil in Decken gehüllt -- fassungslos zu. Mehrere Häuser müssen vollständig evakuiert werden. "So etwas habe ich noch nicht erlebt", flüstert Wolfgang Haaker aus der l~ettenkoferstraße 2a. Viele seiner Nachbarn wissen nicht, wo sie die Nacht verbringen werden. In mehreren Mannschaftswagen beruhigen Polizisten verstörte ältere Leute. "Furchtbar, ich habe ständig an Bomben im Zweiten Weltkrieg gedacht", sagt leise ein älterer Herr, der an einem Stock von einem l~olizisten gestützt wird. IoDer Bombenkrater. Im Gewirr der Kabel versucht ein Feuerwehrmann eine Gasfiamme zu ersticken. Foto: Fieguth